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Nr. 38/2001 - 12. September 2001
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Vielleicht kein Schloss in Mitte

Gute Nachrichten gibt es von der Front im großen Abwehrkampf gegen das Böse in der Architektur. In München werden Star-Architekten ihre Entwürfe für das neue Fußballstadion einreichen, und in Berlin hat sich die neue Kultursenatorin Adrienne Göhler (SPD) gegen den Wiederaufbau des Stadtschlosses ausgesprochen. Man hält es kaum für möglich, aber Göhler wird tatsächlich mit den Worten zitiert: »Mir sträuben sich die Nackenhaare bei der Vorstellung, in ein Nichts eine Rekonstruktion zu bauen.«

Mit dem Nichts meint sie den Schlossplatz, den Platz, wo früher das Stadtschloss der preußischen Könige und des deutschen Kaisers stand. Die DDR-Regierung hatte die Kriegsruine 195o sprengen lassen und an gleicher Stelle den Palast der Republik erbaut. Der steht zwar noch in Resten, wird jedoch wegen Asbestverseuchung gerade abgetragen. 1993 hatte der Bund einen Ideenwettbewerb ausgelobt. Der verlief jedoch genauso ergebnislos, wie das so genannte »Interessenbekundungsverfahren« zur Gestaltung des Platzes 1996.

So wurde im vergangenen Jahr die »Kommission Historische Mitte Berlin« ins Leben gerufen, die in den kommenden Monaten ihre Ergebnisse vorstellen wird. In den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass die Kommission eine Rekonstruktion der historischen Fassade bevorzugt, um den dann entstandenen Raum mit Kultur, Wissenschaft und europäischen Institutionen vollzustellen. Ein Ansinnen, dem sich Adrienne Göhler nun, zumindest was die Oberflächengestaltung betrifft, entgegenzustellen scheint.



Stopp dem liberalen Unfug

Schule und Religion sind eigentlich kein Thema, das uns atheistischen Studienabbrechern besonders unter den Nägeln brennen würde. Finden wir beides doof. Nun sind die Sommerferien aber vorbei, und in Berlin gibt es an einigen Schulen seit neuestem Islamunterricht. Die Islamische Förderation, die wegen mutmaßlicher Kontakte zu der fundamentalistischen Milli-Görüs-Gruppierung als extremistisch eingestuft wird, erteilt den Unterricht.

Dass das so ist, liegt am Berliner Schulgesetz. Religionsunterricht ist ein Wahlfach, das heißt, das Land stellt lediglich die Räume zur Verfügung, für den Unterricht sorgen die Religionsgemeinschaften und nicht der Staat. Nun könnte man in schlechter liberaler Tradition sagen, sollen sie mal machen, entweder dürfen alle oder niemand - aber solcher Unfug ist mit uns nicht zu machen. Denn wir hier vom Michel Houellebecq-Fanclub sind der Meinung, dass der Islam sich unter allen Religionen durch ganz besonders ausgeprägte Dummheit und Gefährlichkeit auszeichnet, was eine ziemliche Leistung ist, bedenkt man, was die Mullahs so an Konkurrenz haben. Zumindest die nordirischen Christen geben sich alle Mühe, dem Islam diese Auszeichnung streitig zu machen.

Aber es ist Hoffnung in Sicht. Sollten sich Berlin und Brandenburg eines Tages zu einem Bundesland vereinigen, dürfte sich das Problem erledigen. Dann wird wahrscheinlich in ganz Preußen LER (Lebensgestaltung, Ethik und Religion) eingeführt - und das kann man dann immer noch schwänzen.



Fresh Money-Überfall

Eine historische Tat ist zu vermelden, die ersten Euro wurden umverteilt. 1,2 Millionen Euro konnten bei einem Überfall auf einen Geldtransporter in der Nähe von Gießen erbeutet werden, und die Scheine befinden sich in guten Händen, nämlich in denen des Geldkuriers. Der Fahrer des Transporters und sein an der Straße wartender Komplize sollen den Beifahrer gefesselt und entwaffnet haben, die Euro eingesackt und verschwunden sein.

Die Sicherheit der Währung, die bislang noch kein Unbefugter zu sehen bekam, sei durch den Raub nicht gefährdet, erklärte die Europäische Zentralbank. Eine Sprecher von ver.di forderte dennoch Polizeischutz für Euro-Transporte. Bei einem Stundenlohn von 21,77 Mark dürfe es nicht zu zusätzlichen Risiken für die Beschäftigten kommen. Das stimmt natürlich, andererseits können die Beschäftigten unter Polizeischutz wohl kaum einen Nebenverdienst ranschaffen.



Sex geht immer

Über den Zusammenbruch der New Economy haben wir hier aus der Gutenberg-Galaxis ja schon genug Hohn und Spott ausgegossen. Nun ist es an der Zeit, einmal Wege aus der Krise zu weisen. Sie sind ein gescheiterter Website-Betreiber? Sie haben schwachsinnigen Service angeboten, eine riesige PR-Abteilung und einige Programmierer beschäftigt, und über all dem Geldausgeben haben Sie vergessen, dass das Produkt für keinen vernünftigen Menschen von Interesse ist? Deshalb sitzen Sie jetzt auf der Straße und lesen Jungle World und nicht mehr die Financial Times?

Es gibt einen Ausweg: Das Pornobusiness. Keine Angst - Geld ist Geld und Pornosites sind die einzigen, mit denen im Netz jemals welches verdient worden ist. Sie wissen nicht, wo Sie den Content für solche Seiten herbekommen? Wie Sie sie bewerben sollen, wie ein Pornosite-Geschäftsplan aussieht, und wie man bei Banken frisches Geld akquierert, um eine Pornosite zu starten? All das wissen sie nicht, weil gerade kein Geld da ist, um Leute anzustellen, die sich um so etwas kümmern? Und Sie haben keine Ahnung, was in diesem Metier gerade so geht?

Gehen Sie nach Kalifornien. Dort sind nicht nur die weltweit umsatzstärksten Pornofirmen ansässig, die Adult Webmaster School in Berkeley bietet auch Kurse an, in denen alle Fragen beantwortet werden. Keine falsche Scham: Die anderen Teilnehmer der Kurse sind samt und sonders genauso verkrachte New Economy-Verlierer wie Sie. Damit wirbt die Schule auf jeden Fall (www.adultwebmasterschool.com).



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