Rom statt Berlin
Nicht nur der deutsche Außenminister möchte sich als Vermittler im palästinensisch-israelischen Konflikt profilieren. Ein Vertreter des italienischen Außenministeriums erklärte am Freitag vergangener Woche, Israels Außenminister Shimon Peres und Palästinenserpräsident Jassir Arafat könnten sich informell am Rande einer Wirtschaftskonferenz treffen, die vom 7. bis zum 9. September in Cernobbio nahe Mailand stattfindet. Dem solle ein formelles Treffen in Rom folgen. Ob es tatsächlich zu den Gesprächen kommt, dürfte jedoch von der palästinensischen Reaktion auf den israelischen Rückzug aus Beit Jala abhängen.
Neben weiteren palästinensischen Angriffen fürchtet das israelische Verteidigungsministerium eine Eskalation an der Grenze zum Libanon. Die islamistische Hisbollah-Miliz hat ihre Stellungen im Grenzdorf Ghajar ausgebaut und scheint ihre Zusammenarbeit mit palästinensischen Gruppen zu verstärken. Zwar wolle die Hisbollah ihre Kontrolle über antiisraelische Aktivitäten an der Grenze wahren, so ein Kommentator der libanesischen Tageszeitung Daily Star, »aber die Partei könnte einen Angriff der PFLP sanktionieren oder sogar organisieren«.
Ex-Guerilla auf dem Weg zur Macht
»Damit ist ein Anfang gemacht, um in Ost-Timor den Weg für Demokratie und dauerhafte Stabilität zu bereiten«, frohlockte der Seperatismus-Experte und Bundesaußenminister Joseph Fischer. Denn im Gegensatz zum Referendum über die Unabhängigkeit von Indonesien im Jahre 1999, das zu Ausschreitungen indonesischer Milizen und schließlich zum Einmarsch von UN-Truppen führte, verliefen die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung am vergangenen Donnerstag friedlich.
Mari Alkartiri, der Führer der Revolutionären Front für ein Unabhängiges Ost-Timor (Fretelin), erwartet, dass seine aus dem Guerillakampf hervorgegangene Partei 80 Prozent der Stimmen gewinnen wird. Auch dieser Organisation weniger freundlich gesonnene Personen wie die Kommentatoren der indonesischen Tageszeitung Jakarta Post erwarten einen respektablen Vorsprung der Fretelin. Nach Angaben der UN beteiligten sich 91 Prozent der etwa 400 000 Wahlberechtigten an der Abstimmung. Während nun die Vorbereitungen für die im kommenden Jahr geplanten Präsidentschaftswahlen beginnen, rangeln hinter den Kulissen die ehemalige Kolonialmacht Portugal und Australien um die Dominanz über den rohstoffreichen Staat.
Krieg gegen Speed
Zu Beginn ihrer Amtszeit Anfang des Jahres hatte die thailändische Regierung unter Premierminister Thaksin Shinawatra dem Drogenhandel »den Krieg erklärt«. Dieser Krieg wird auch gegen Minderjährige geführt. Am vergangenen Freitag verurteilte der Strafgerichtshof von Bangkok 17 Menschen wegen des Handels mit Amphetaminen und Speed zum Tode. Zwei der Verurteilten sind jünger als 18 Jahre. Schon Ende Juli hatte dasselbe Gericht über 19 Menschen die Todesstrafe verhängt. Internationale Proteste bügelte die Regierung damals ab: »Wenn internationale Organisationen die Straffälle untersuchen wollen, sollen sie zuerst untersuchen, welche Folgen Drogen für die thailändische Gesellschaft haben.«
In Thailand hat gegenüber der traditionellen Opiumproduktion die Herstellung von Amphetaminen und Aufputschmitteln an Bedeutung gewonnen, da diese sich zur Zeit auf dem Weltmarkt und im Inland besonders gut absetzen lassen. Mit seiner restriktiven Drogenpolitik will der populistische Premier von den seit der Asienkrise 1997 herrschenden wirtschaftlichen Problemen ablenken und potenziellen ausländischen Investoren politische Aktivität demonstrieren.
Streik bei VW in Mexiko
Mit den Rufen »Streik, Streik« und »duro, duro« (»hart, hart«) haben die Beschäftigten des mexikanischen VW-Werkes in Puebla ihrer zögerlichen Gewerkschaftsführung den Weg gewiesen. Bei einer Abstimmung lehnten 97 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder am Dienstag letzter Woche das Lohnangebot der Unternehmensleitung von 8,5 Prozent ab. Die seit zwei Wochen Streikenden verlangen stattdessen eine Lohnsteigerung von 19 Prozent. Sie bereiten nun die Ausweitung ihrer Proteste auf das gesamte Land vor, unter anderem sollen VW-Produkte boykottiert werden. Die VW-Unternehmensleitung reagierte mit der Drohung, sämtliche Investitionsvorhaben in Mexiko zu stoppen.
Nach der 71jährigen Herrschaft der Partei der institutionalisierten Revolution und des ihr verbundenen Gewerkschaftsverbandes CTM handelt nun zum ersten Mal der junge und unabhängige Gewerkschaftsdachverband UNT die Lohn- und Beschäftigungsbedingungen aus.
Sieg über die Korruption
Die Peruaner können jetzt endlich wirkungsvoll gegen die Korruption kämpfen. Vorerst allerdings nur in einem Videospiel. Vladigame 2 orientiert sich an der Geschichte des ehemaligen Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos (Jungle World, 15 und 28/01), der derzeit im Gefängnis auf seinen Prozess wegen mehr als 100 Korruptionsfällen wartet.
Niko, der Held des Videospiels, muss zunächst Chavemon besiegen, ein Double des venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chavez, dem vorgeworfen wird, Montesinos gedeckt zu haben. Was dann folgt, ist nicht mehr ganz PC. Im kolumbianischen Dschungel tritt Niko gegen die Truppen der Farcmon an; die Guerillaorganisation Farc soll von Montesinos Waffen erhalten haben. Das Spiel endet mit der Übergabe Vladimons (Montesinos) an die peruanische Justiz. Auf den endgültigen Sieg über die Korruption müssen die Peruaner allerdings noch ein paar Monate warten. Dann soll Vladigame 3 auf den Markt kommen.
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