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Nr. 35/36 2001 - 22./29. August 2001
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Rosh's Back

In den vergangenen Wochen glich jede Fahrt in die Stadt einem Spießrutenlauf. Auf Schritt und Tritt prügelte Lea Rosh auf uns ein, kein Meter, ohne dass sich unsere zarten Köpfe an ihrer harten Bergwelt gestoßen hätten; »den holocaust hat es nie gegeben«, selten hat sich die Aufklärung, von der wir ja bereits wussten, dass sie eine reichlich dialektische, um nicht zu sagen durchwachsene Angelegenheit ist, dümmer gezeigt. Nun sollte, wir berichteten es in der letzten Woche an dieser Stelle, der Spuk vorüber sein. Doch eine schlechte Idee hat noch immer ihre Nachfolger gefunden. In einem Hamburger Nachrichtenmagazin, dessen Name Dialektik und Dummheit der Aufklärung in einem Wort zusammenfasst, findet sich eine Anzeige, in der Roshs ironische Höhen noch überstiegen wurden. Wieder der Gipfelzug, wieder ein Schriftzug in Kleinschreibung und Anführungszeichen darüber. Wenn Sie jetzt an Zufall glauben, sind Sie noch nicht lange genug auf der Welt. Nur der Vollständigkeit halber die Unterschiede: Der Satz lautet diesmal nicht »den holocaust ...«, sondern »älter werden hat auch vorteile. man kann sich's leisten, vom platz zu fliegen«, und vor der Naturkulisse hat sich nicht Lea Rosh, sondern Günter Netzer aufgebaut. Verantwortlich für das dreiste Plagiat zeichnet die zur Dresdner Bank Gruppe gehörende Anlagegesellschaft dit · der fondsmanager, mithin eine Erbin der Arisierung.



Günter Grass mahnt Indien und die Welt

Wie mag die Welt wohl aussehen, wenn man mit den Augen von Günter Grass auf sie schaut? Man ist Großschriftsteller, Nobelpreisträger, das eigene Wort hat Gewicht. Alle paar Tage kommen Kamerateams vom japanischen Fernsehen, Reporter von senegalesischen Literatur-Internet-Projekten oder Journalisten vom indischen Magazin Outlook und wollen, dass man sich mit ihnen unterhält. Sie erwarten aber nicht irgendwelche profanen Interviews, sie wollen Gespräche zum Stand der Dinge. Schließlich ist man Günter Grass. Sie wollen, dass man Fragen der Zeit nicht nur stellt, sondern auch beantwortet. Dass man an der Pfeife zieht, ihnen in die Augen blickt und Sätze sagt wie: »Völlig irrationalen Kriterien folgend hat er (der Kapitalismus) den freien Markt zum Dogma erhoben und spielt nun, berauscht von der eigenen, fast grenzenlosen Macht, die wildesten Spiele, die auf kein anderes Ziel als die Maximierung der Profite hinauslaufen.«

Was gibt es nicht alles für wichtige Dinge, zu denen man sich äußern muss. Zwar ist es schon ein paar Jahre her, dass man in Indien war, aber wenn man schon so höflich gefragt wird, was man von den dortigen Zuständen hält, gibt man doch gerne zu bedenken, dass die indische Mittelschicht ein wenig mehr Verantwortung für ihr Land übernehmen sollte: »Direkt vor ihrer Tür ist so viel Armut und Elend, so viel Leiden, und sie reagieren nicht.«

Wie gerne wären wir einmal Günter Grass. Auch wir würden dann unsere eigene Nobelpreisrede zitieren und Sätze sagen wie: »Die reichen Länder im Norden und im Westen können versuchen, sich in Trutzburgen zu verschanzen - die Flüchtlingsscharen werden sie trotzdem einholen: Kein Tor der Welt kann dem Drängen der Hungernden standhalten.«



Raelianer geben keine Ruhe

Zunächst gingen wir davon aus, es nur mit einer spinnerten Sekte zu tun zu haben, wie es sie auf der anderen Seite des großen Teichs ja bekanntlich in Massen gibt. Die Raelianer beließen es aber nicht dabei zu behaupten, das irdische Leben sei von Ufos auf die Erde gebracht worden, sondern sie kündigten an, Menschen klonen zu wollen (Jungle World, 15/01). Und als sei das noch nicht genug, gaben sie bekannt, mit Adolf Hitler beginnen zu wollen (Jungle World, 33 und 34/01).

All das spielte sich jedoch in Kanada ab, wir Europäer konnten noch beruhigt sein: sollen sie doch Hitler klonen, so lange sie ihn auf ihrem Sektengelände behalten. Doch jetzt wird es ernst: Sie kommen näher. Lara Tee (30), Tänzerin bei DJ Bobo, ist der Sekte verfallen. Das enthüllte die Bild in ihrer Ausgabe vom vergangenen Freitag. Wie konnte es dazu kommen? Offensichtlich gibt es zwischen Sektenführer Rael und DJ Bobo verblüffende Ähnlichkeiten: Gesichtsform, Oberlippen- und Kinnbart sind fast identisch. Das ist aber noch nicht alles. In DJ Bobos neuer Show stürzen Tempel ein, zucken Blitze und mythische Wesen speien Feuer. Auch Bobos Bühnenoutfit sieht aus, als hätten Rael und er den gleichen Schneider. Die Gemeinsamkeiten gehen aber noch weiter. Wahrscheinlich sind Rael und Bobo Klons, eineiige Ausgeburten des Hirns eines wahnsinnigen Außerirdischen, der die Welt zerstören möchte.



Teuerste Kaffemaschine aller Zeiten

Zugegeben, wir sind neidisch. Nicht dass wir es jemals probiert hätten, eine unserer alten, überlasteten, verkalkten und nur noch eklige Plörre ausspuckenden Kaffeemaschinen über das Internet zu versteigern. Es reichte uns, aufzurufen, man möge uns eine Ersatzmaschine spenden. Aber dass eine alte und nicht mehr funktionstüchtige Kaffeemaschine der Marke Krups tatsächlich 3 350 britische Pfund (ungefähr 5 000 Euro) einbringt, das lässt uns einigermaßen fassungslos zurück.

Okay, es ist die Maschine, die jahrelang in einem Kellerraum der Universität von Cambridge stand und deren Bild ins Netz übertragen wurde, die erste Webcam-Übertragung in der Geschichte des Internet. Aber trotzdem: Was werden die Käufer von Spiegel-Online mit der Maschine wohl anstellen? Sie in eine Vitrine stellen? Oder werden sie sie restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen?



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