Nike doch nicht so erfolgreich
Es gibt nur wenige Dinge, die wir lieber mögen als Listen. Alles mögliche lässt sich ordnen, und man weiß sofort, woran man ist. Nun gibt es eine neue Liste: die der besten Marken der Welt (www.businessweek.com/go/brand). Die Lieblingsliste aller »No Logo«-Leser. Der Markenwert wird unter Zuhilfenahme hochkomplexer Parameter berechnet, die irgendwie den Einfluss der Marke auf künftige Absatzsteigerungen, deren Wahrscheinlichkeit, den Einfluss der Marke auf die Kaufentscheidung und die Kosten für Patentanmeldungen berücksichtigen. Typischer Wirtschaftsanalysten-Unfug also. Trotzdem natürlich brandinteressant.
Auf Platz eins: Coca-Cola mit einem Brand-Wert von 68,95 Milliarden Dollar. Dahinter Microsoft mit 65,07 Milliarden. Dann kommen IBM, General Electric, Nokia, Intel, Disney, Ford, McDonald's, AT&T, Marlboro und Mercedes. Kennt man alles, logisch. Aber eine Frage stellt sich doch: Wo ist bloß Nike geblieben? Da muss man sich doch sehr wundern: Nike ist nicht in den Top Ten, nicht mal in den Top Twenty. Nike rangiert auf Platz 34. »Athletic gear giant takes a beating from labor activists but kicks competitors with pull-on sneakers«, heißt es da.
Jechiel Dinur gestorben
Er gilt als der erste israelische Schriftsteller, der in seinen Werken über die Schrecken der Konzentrationslager berichtete: Jechiel Dinur, der unter dem Pseudonym K. Zetnik veröffentlichte. Bekannt wurde er durch sein mehrbändiges Werk über den »Planeten Auschwitz«. Dinur, der selbst ein Überlebender von Auschwitz war, schrieb außerdem »Salamandra« (1946) und »Das Haus der Puppen« (1953). Aufsehen erregte er 1961, als er während seiner Aussage beim Prozess gegen Adolf Eichmann bewusstlos zusammenbrach. »Eichmann ist in jedem von uns«, erläuterte er später. »So ist in Wahrheit die menschliche Natur. Die Sünde ist in jedem von uns - nicht nur die Möglichkeit zu sündigen, sondern die Sünde selbst.« Bis zu seinem Tod machte Dinur aus seinem früheren Leben ein Geheimnis. Er litt nach den Erlebnissen im KZ unter schweren psychischen Störungen, die er in den Siebzigern durch die Einnahme von LSD und durch eine Psychoanalyse zu überwinden versuchte. Er starb am Dienstag vor zwei Wochen. Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Ha'aretz hat die Familie Dinurs den Tod des Schriftstellers wie von ihm gewünscht zunächst geheim gehalten.
Festspiel-Sommer
Was würden wir bloß ohne Richard Wagner machen? Die Welt wäre langweilig ohne ihn. Die Deutschen hätten kein Königshaus mehr, die Seiten für »Vermischtes« in den Zeitungen müssten auf eine Verbindung zur Hochkultur verzichten, die Honoratioren der Republik wüssten nicht, was sie im Sommer anfangen sollten, und die Linken müssten sich jemand anderen suchen, wenn sie nachweisen wollten, dass Deutschland und Kultur und Antisemitismus schon immer und für immer eine unheilvolle Allianz eingehen. Gerade ist der Wirbel um die Aufführung von Teilen der Oper »Tristan und Isolde« von Daniel Barenboim und der Berliner Staatskapelle in Jerusalem vorbei, schon beginnen die Bayreuther Festspiele.
Und während die einen Festspiele schon eröffnet und so deutsch wie nur möglich sind, sind die anderen noch nicht eröffnet und kommen zum dritten Mal in Folge ohne deutsche Beteiligung im Wettbewerb aus: die Filmfestspiele von Venedig. Stattdessen wird es »Bully« von Larry Clark zu sehen geben und »Waking Life« von Richard Linklater. Dort spielen Nicole Kidman und Ethan Hawke mit, die auch ihr Kommen angekündigt haben, was einen weiteren Unterschied zu Bayreuth markiert. Dort sah man nur Roberto Blanco und Friedrich Merz. Aber auch in Venedig kommt mitunter die Langeweile zu ihrem Recht. Eric Rohmer wird den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk bekommen. Vielleicht hört er ja nun endlich auf.
Ötzi ermordet
Als ungefähr genauso wichtig wie Richard Wagner hat sich in den letzten Jahren Ötzi erwiesen, jener Gletschermann, dessen Leiche vor zehn Jahren im Similaun-Gletscher in Österreich entdeckt worden war. War er einer der unsrigen? Was war sein letztes Mahl? War er ein Jäger oder ein Ausgestoßener? Wie mag wohl seine Hütte ausgesehen haben? Welche Haarfarbe hatte seine Frau? Fragen, um deren Beantwortung sich eine so genannte »wissenschaftliche Ötzi-Gemeinde« scharte, und mit deren Beantwortung sie die Öffentlichkeit beglückte.
Nun wartet die Ötzi-Forschung mit einem neuen Ergebnis auf. Der Gletschermann wurde wahrscheinlich ermordet. Der Bozener Radiologe Paul Gostner hat sich die Röntgenaufnahmen von Ötzis Körper noch einmal genau angeschaut und dabei eine Pfeilspitze entdeckt, die allen wissenschaftlichen Koryphäen, die sich bisher über die Bilder gebeugt hatten, entgangen war. Sie steckt gut sichbar im linken Schulterblatt und hat wahrscheinlich seinen Tod herbeigeführt. Die Radiologen der Universität Innsbruck, die Ötzis Körper mit einem Computertomographen durchleuchtet und nichts entdeckt hatten, bekannten: »Wir sind zerknirscht.« Das sei eine »Riesenblamage«.
Pop für Gute
Wer etwas Gutes tun möchte, sollte die Homepage www.saveourenvironment.org besuchen. Notorische Gutmenschen wie Mike D. von den Beastie Boys, Alanis Morissette, Moby und Tom Petty protestieren dort gegen die Umweltpolitik von George Bush, gegen den Treibhauseffekt, gegen Arsen im Trinkwasser, für eine verantwortungsvolle Klimapolitik und für die Wildnis in Alaska.
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