Buch der Sprüche I
Gott sieht alles
Du bist fünf und spielst mit dem Essen. Klatsch hast du eine sitzen. Und die Großmutter gibt ihren Senf dazu. Du bist 15 und stützt bei den Hausaufgaben den Kopf in eine Hand. Der Arm wird dir weggerissen, und das Schicksal ist ausnahmsweise gnädig, denn du stichst dir mit dem Pelikanfüller nicht das Auge aus. Und die Großmutter gibt ihren Senf dazu. Du bist zwölf und der Schmadder auf deinem Teller erscheint dir ungenießbar und er ist es auch. Und die Großmutter gibt ihren Senf dazu. Igitt.
Tja, und so vergeht eine Jugend und immer diese Sprüche. Das kann einen fertig machen. Nach Jahren der Verblödung zieht man dann aus und wird wieder etwas klarer im Kopf.
Und dann passiert es. Irgendwer macht was Blödes und du sagst: »Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.« Was folgt: Sprachlosigkeit, Trauer, Wahnsinn.
Hilft nix. Also alles aufschreiben, damit es endlich aus dem Hirn kommt.
Hier der komplette Wahnsinn, soweit er erinnert werden kann.
Der Säufer und der Hurenbock, die frieren selbst im dicksten Rock.
Wer flüstert, der lügt.
Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.
Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Wer beim Essen schwitzt, der schwitzt nicht bei der Arbeit.
Man steckt nicht drin.
Woher soll ich das wissen?
Wo die Liebe hinfällt, da bleibt sie liegen, und wenn es auf dem Misthaufen ist.
Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Lehrers Kinder und Pfarrers Vieh, aus denen wird selten was oder nie.
Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit.
Glück und Glas, wie leicht bricht das.
Die dümmsten Bauern ernten immer
die dicksten Kartoffeln.
Jung gefreit hat nie gereut. (Bzw.: Jung gefreit hat oft gereut; so anwenden wie es gerade passt)
Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Ein guter Hahn wird selten fett.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Früher waren wir jung und hübsch. Heute sind wir nur noch »und«.
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.
Was ist denn das für eine polnische Wirtschaft?
Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.
Iss deinen Teller leer. Denk an die Kinder in Afrika, die wären froh, wenn sie so was Gutes zu essen hätten.
Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Geh doch nach drüben, wenn's dir hier nicht passt!
Undank ist der Welten Lohn.
Einbildung ist auch ne Bildung.
Voller Bauch studiert nicht gern.
Käse schließt den Magen.
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. (Ein Kommentar, der zu jeder Mallorca-Fahrt gerne zitiert wurde).
Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren.
Die Türken nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
Nur keine jüdische Hast.
Grün und Blau trägt jede Sau.
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.
Gott sieht alles.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Hunger ist der beste Koch.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
zusammengestellt von
werner labisch
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