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Trotz des warmen Wetters waren alle gekommen. 800 000 Menschen versammelten sich friedlich vor dem italienischen Konsulat in Berlin. Von dort zogen sie in einem Schweigemarsch zur Parteizentrale der SPD, dem Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg, um gegen die Erschießung eines Demonstranten beim G 8-Gipfel in Genua zu protestieren. Ganz Berlin war auf den Beinen. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg schickte eine Grußbotschaft. Joseph Fischer setzte sich wieder seinen schwarzen Motorradhelm auf und vertrieb mit schlagkräftigen Argumenten die Polizisten. Und dann - war der Traum aus.
Ein Mensch war tot, und alles ging weiter wie bisher. Das Fernsehen war ein einziger Horrortrip, manchmal kann man es nicht mehr ertragen. Die Charaktermasken, die sagen: Wir tun alles für die Armen dieser Welt. Umschalten geht nicht, aus diesem Programm kommt keiner raus. Aus aktuellem Anlass warten wir diesmal mit drei Thema-Seiten auf (5 bis 7). Der nächste Beitrag zur Disko-Serie um die Globalisierung folgt in der nächsten Woche. Dann kann man sich wieder der Frage widmen, wer sie denn nun hat: die verkürzteste Kapitalismuskritik.
Vielleicht hilft das auch gegen die Depression, in die einen die Bilder aus Genua versetzen können. Die Wirkung, die von ihnen ausgeht, beschreibt in dieser Ausgabe Diedrich Diederichsen (Seite 24). Doch bei aller Frustration, der Sommer des Widerstands ist noch lange nicht vorbei. Das Grenzcamp am Flughafen in Frankfurt/Main beginnt am kommenden Freitag. Bis zum 5. August heißt es dann wieder: Zelten, wo sonst die Rassisten wohnen, nachher den Schlafsack von der Polizei durchsuchen lassen, Spitzenlaune und das alles für eine gute Sache. Diese Woche gibt's dazu das Dossier (Seiten 15 bis 18). Wer Zeit hat, soll es lesen. Und dann hinfahren, selbstverständlich.
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