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Nr. 30/2001 - 18. Juli 2001
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Swoosh artig

»No Logo« zeigt Wirkung: Mit Video-Spots im Internet will der Sportartikel-Hersteller Nike sein angekratztes Image wieder aufbessern, meldet heise-online. Unter www.nike.com kann der Besucher eine »virtuelle Besichtigungstour« durch asiatische Nike-Fabriken unternehmen. Präsentiert werden Bilder von lächelnden Angestellten sowie von mit Konzern-Unterstützung renovierten Schulen. Die Firma erklärt, dass ein vietnamesischer Arbeiter bei Nike etwa 54 US-Dollar im Monat verdient, während der Durchschnittslohn landesweit etwa 13 US-Dollar betrage.

Über die Praktiken des Konzerns an Produktionsstandorten in der Dritten Welt waren in jüngster Zeit vermehrt gegenteilige Informationen in Umlauf geraten. Auch kursierte vor einigen Monaten im Internet ein Briefwechsel, der ein nicht gerade schmeichelhaftes Licht auf diesen Komplex wirft. Ein gewisser Jonah Peretti hatte versucht, bei Nike ID einen individualisierten Turnschuh mit der Aufschrift »Sweatshop« zu ordern. In Standardschreiben des Konzerns wurde diese Anfrage zurückgewiesen, weil diese Art Aufdruck nicht mit dem Firmenimage vereinbar sei (Jungle World, 11/01).



Fight For Your Right To Fuck

Die einen sind blöd. Sie veranstalteten am vergangenen Samstag die Fuck Parade und hatten sich im Vorfeld dermaßen in ihren Abwehrkampf gegen die Kommerzialisierung der Love Parade verrannt, dass sie es nicht hinbekamen, den verschiedenen Gerichten zu vermitteln, worin denn überhaupt ihr politisches Anliegen bestehe, außer darin, die Love Parade blöd zu finden. Was in der Logik eines Gerichts das gleiche ist, wie die Love Parade gut zu finden.

Also wurde die Fuck Parade verboten: »Zwar sind Tanz, musikalische Darbietungen (...) als Meinungsäußerungen durchaus denkbar. Dies kann deshalb (...) nicht angenommen werden, (...) weil nicht erkennbar ist, dass das Spielen und Hören von Techno-Musik (...) etwas anderes ausdrückt als (...) ein allgemeines Lebensgefühl.« Demonstriert wurde trotzdem, allerdings waren keine Lautsprecher erlaubt, und außerdem regnete es. Trotzdem kamen rund 3 000 Leute.



Party For Your Right To Fuck

Die anderen sind verrückt. Der Wanderpreis für das verstrahlteste Manifest der Woche geht an die Berliner Hedonisten, die am vergangenen Wochenende den Carnival Erotica veranstaltet haben, den einzigen legitimen Nachfolger der Love Parade. Dabei haben sie sich die alte subkulturelle Strategie zu Eigen gemacht, aus dem Alten etwas herauszudestillieren und dies dann gnadenlos zu radikalisieren: in diesem Fall den Hedonismus.

In seiner vollen Schönheit ist das Manifest im Internet nachzulesen (www.kitkatclub.de/carneval.htm). »Seit jeher wirft man uns Hedonisten vor, wir seien asoziale Weicheier, die sich allein um ihr Vergnügen, nicht aber um die Angelegenheiten der Polis (der griechischen Stadtgemeinde), der Res publica (der gemeinsamen Angelegenheiten der Bürger Roms), kurzum: des Staates kümmerten. Auch heute noch hantieren insbesondere die Vertreter der klerikal-asketischen Linken mit derlei Vorwürfen. (...) Zur Rechtfertigung seiner Entmündigungsstrategien kultiviert der staatliche Bevormundungs-Bürokratie-Komplex ein pessimistisches Menschenbild, das die Masse der Bürger als Idioten mit potentiell gemeingefährlichen Neigungen darstellt. (...)

Gegen derlei Vorurteile, die das klerikal-asketische Alt-68er-Establishment in Politik und Medien ganz bewusst kultivieren, um die Vorherrschaft ihrer eigenen Alterskohorte gegen die Ansprüche der nachwachsenden Generationen zu verteidigen, setzen wir das Modell eines Hedonismus Neuen Typs. (...) Als Hedonisten Neuen Typs setzen wir dem klerikal-asketischen Menschenhass eine hedonistische Menschenliebe entgegen, die sich aus unserer Freude an diesem ebenso wagemutigen wie schöpferischen Möglichkeitswesen speist. Statt immer mehr Kontrolle, Überwachung und Gängelung zu fordern, kämpfen wir für eine Freisetzung der kreativen Energien des Menschen, von dem wir wissen, dass ihm eine ungeheure Problemlösungskompetenz eigen ist.«



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