Jungle World Banner
Nr. 29/2001 - 11. Juli 2001
Im Archiv suchen:
//-->
Inhalt
Interview
Disko
Inland
Antifa
Euro
Dossier
International
Feuilleton
Heim & Welt
Medien
Sport
Junk Word
Rubriken
Nachrichten
Inland
Nachrichten
Euro
Nachrichten
International
Nachrichten
Feuilleton
Deutsches
Haus
action
Sonstiges
Archiv
Jungle Abos
Impressum
Jungle World in Österreich
Neu: Kleinanzeigen
Ausgewählte
Texte und Vorträge
E-Mail
Redaktion
Webmaster

Home Story

Immer wieder werden wir gefragt, was die Homestory eigentlich für einen Sinn habe. Wozu ist sie da? Was soll das alles? Auf diese Fragen sei hiermit vorläufig und völlig unverbindlich geantwortet.

Die Homestory an sich ist ein Rhizom. Sie ist eine sehr spezielle Textform, ein unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsender Textspross, in dem Reservestoffe gespeichert sind. In jedem Fall ist sie etwas Unfassbares, eine Erscheinung. Kurz: ein Wurzelstock, der sonntäglich entsteht, zu später Abendstunde, sei es im Sommer oder im Winter.

Meist geht ihrer Entstehung ein Besuch bei einer Verkaufsstelle für Getränke aller Art voraus. Das wirkt noch wie geplant. Doch spätestens auf dem Rückweg in die Redaktion gerät sie völlig außer Kontrolle. Sie mutiert plötzlich, und einiges spricht dafür, dass sie doch eher ein Cluster ist, eine als einheitliches Ganzes zu betrachtende Menge von Einzelteilchen, ein Klanggebilde. Oder liegt das nur an dem Radiogerät, das plötzlich clusterartige Rhythmen durch die Produktionsräume schickt?

Die Chaostheorie hat manchmal etwas für sich. Ihre Anhänger zitieren die Meldungen des Tages: Crash-Kids fahren 45 Wagen in einem Essener Autohaus kaputt, Möbelpacker in Mainz lassen Sofa am Balkon ihres Kunden hängen und australische Forscher ergründen Geheimnis der geplatzten Möhre. Endlich mal was Positives. Nur wen interessiert das? Und gehört das überhaupt in eine Homestory?

Eine einheitliche Theorie der Homestory ist noch nicht in Sicht. Aber wir arbeiten daran. Vielleicht ist sie ja doch eher ein Simulacrum, ein Bild für die Agonie des Wirklichen, eine Vorspiegelung richtiger Tatsachen in einer verkehrten Welt. Aber dieser Erklärungsansatz wirkt sogar für eine Homestory zu selbstreferenziell. Sie ist einfach da und wird weggelesen. Die Homestory ist der Shanty Song am Ende einer heißen Woche. Oder doch das Shangrila, also heaven on earth? Wie, das verstehen Sie alles nicht? Das hat keinen Sinn? Das ist Textschrott? Sei es, wie es sei, allen Freunden waghalsiger Texte empfehlen wir diesmal das Dossier.



Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Tel. ++ 49-30-61 28 27 31
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail: redaktion@jungle-world.com