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Nr. 28/2001 - 04. Juli 2001
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Warum Kino?

Viele schlaue Menschen haben sich schon Gedanken darüber gemacht, warum man ins Kino geht. Wer individuellen Spekulationen nicht über den Weg traut - die deutsche Filmförderungsanstalt hat nun die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht. Und was soll man sagen? 63 Prozent der Bundesbürger sagen: »Kino macht gute Laune.« 81 Prozent finden es gut, »wenn der Ton von allen Seiten kommt«, und 65 Prozent sagen: »Die Kinos haben tolle Sessel, in denen man es gut zwei Stunden aushalten kann.« Lagen der Umfrage wohl Suggestivfragen zu Grunde oder musste man ankreuzen? Das liebste Genre der Deutschen sind Komödien, gefolgt von Liebeskomödien. Was die Deutschen nicht mögen, sind Kriegsfilme. Und wenn sie sich überlegen, welchen Film sie sich anschauen, gehen die Deutschen nach folgenden Kriterien vor: Erstens muss der Film ein interessantes Thema haben. Zweitens muss die Musik gut sein. Drittens sollte er witzig sein. Viertens die Stimmung heben, fünftens spannend sein und sechstens schöne Bilder haben.



Nicht mehr alles umsonst

Keine Angst. Bei uns bleibt alles wie immer. Wir werden nicht anfangen, für unseren Online-Auftritt Geld zu nehmen - auch auf die Gefahr hin, dass der Webmaster bis ans Ende seiner Tage Tabak drehen oder unter Tischen herumkrabbeln muss, weil wir uns nur einen Redaktionsbleistift leisten können. Wir sehen gar nicht ein, warum wir, nur weil die Finanzspekulationsblase geplatzt ist, jetzt Geld dafür verlangen sollten, unser Besserwissen unter die Leute zu bringen.

Damit könnten wir aber demnächst die einzigen sein. All diejenigen, die uns den ganzen Online-Unfug eingebrockt haben, die, die die ganze Zeit nicht hören wollten, dass sie nur eine Blase aufpusten, wollen nun Geld für ihre Produkte verlangen. Weil sie nämlich sonst pleite gehen. Es ist nämlich genauso gekommen, wie wir es schon immer geschrieben haben - ein Umstand, der eigentlich niemanden wundern sollte, auf den es aber in diesem Fall hinzuweisen gilt, weil es ganz schön schwer war, dem schönen Schein zu widerstehen, auch wir hätten gerne Geldkoffer von dubiosen Venture-Kapitalisten bekommen. Die Werbeeinnahmen der Online-Wirtschaft sind dramatisch zurückgegangen. Deshalb müssen die Betreiber von Online-Angeboten anfangen zu kassieren.

Napster ist nur das prominenteste Beispiel, wenn auch ein sehr hübsches. Denn - wie der Spiegel meldet - der Bertelsmann-Eigentümer Reinhard Mohn freut sich sehr, dass über den Einstieg bei Napster die Buchclub-Ideologie, die Bertelsmann groß gemacht habe, nun eine Neuauflage erhalte. Aber Napster ist nicht das einzige Unternehmen: Die Rhein-Zeitung etwa stellt ihre Ausgabe als Online-Version ins Netz - wer sie lesen will, muss sie abonnieren. Auch die Welt soll Bezahldienste vorbereiten, und Yahoo, unser Leib- und Magen-Online-Service, bietet seine Finanzinformationen in den USA nur noch gegen Bezahlung an.



Weltmaschine im Netz

In Anbetracht der Tatsache, dass die Besichtigung der Weltmaschine in Kaag in der Oststeiermark kostenlos ist, kann man davon ausgehen, dass auch ihr Netzauftritt weiterhin umsonst sein wird. Vor zwanzig Jahren starb Franz Gsellmann, der Konstrukteur der Weltmaschine, und nun hat das Konglomerat eine Homepage bekommen (www.weltmaschine.at). Gsellmann, ein Bauer, begann, nachdem er 1958 das Atomium in Brüssel gesehen hatte, die Weltmaschine zu bauen. Nach und nach entstand ein Gewirr aus bunten Rohren, Zahnrädern, Drähten, Gittern, Rädern, Küchenmaschinen, Kruzifixen, Madonnendarstellungen, Lüstern und Uhren. Setzt man sie in Bewegung, blinken Lampen, Dinge fangen an, sich zu bewegen, es knattert, Glocken klingen, die Maschine gibt blecherne Geräusche von sich.

Die einen sehen in der Weltmaschine eine Metapher für Technikgläubigkeit, die anderen ein Denkmal für den homo ludens. Wir hier aus der Ferne neigen der Auffassung zu, Gsellmann habe mit der Weltmaschine das Internet vor seiner Kommerzialisierung voraussagen wollen. Viel Trara, hübsch anzuschauen, Eintritt frei.



Eminem verurteilt

Eigentlich mögen wir den Justizapparat ja nicht besonders. Es sei denn, es werden Nazis verknackt, was ruhig häufiger vorkommen könnte. Wenn Richter allerdings Humor haben, nehmen wir das erfreut zur Kenntnis. So wie der Richter in Detroit, der das Urteil gegen Eminem verkündete. »Now is the time for you to please stand up«, sagte er - Eminems Stück »Slim Shady« paraphrasierend -, bevor er Eminem zu einem Jahr auf Bewährung verurteilte. Wegen illegalen Waffenbesitzes. Eminem hatte mit einer ungeladenen Pistole vor anderen Rappern herumgefuchtelt, um sie zu bedrohen.



»Phantom der Oper« am Ende

Lange Jahre hat es aufrechten Hamburger Kiezaktivisten die Laune vergällt: Das Musical »Phantom der Oper«. Miese kommerzielle Oberflächenkultur. Zynisch und über die Antagonismen der Kultur im Spätkapitalismus hinwegtäuschend. Und nachdem verhindert werden konnte, dass sich das Spektakel ausgerechnet in der Roten Flora breitmacht, bezog es in St. Pauli Quartier - ein dreckiger Trick, die Gentrifizierung des Viertels voranzutreiben. Doch damit ist es jetzt vorbei. Nach elf Jahren und sieben Millionen Zuschauern hat das Musicaltheater die Pforten geschlossen. Freilich nicht, ohne ein Folgemusical anzudrohen. »Mozart« soll es heißen und im kommenden Herbst starten.



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