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Nr. 26/2001 - 20. Juni 2001
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Save the Queen

Cats and dogs regnete es zwar bei der traditionellen Parade zum Geburtstag der Queen in London, aber Königin Elizabeth verteidigte sich mit einem riesigen Schirm gegen das schlechte Wetter. Auch sonst lief alles glatt, dafür sorgte nicht nur die Leibgarde, auch zahlreiche Sicherheitsexperten waren rund um die Uhr beschäftigt. Bereits einige Tage vor der Parade hatte die Security eine mittlere Verschwörung gegen das Königshaus aufdecken können. In einem neuen Jaguar für Elizabeth II. entdeckte sie ein aufgemaltes Hakenkreuz und Pornoheftchen. Ein Arbeiter in einer Jaguar-Fabrik in Coventry wurde daraufhin entlassen, berichtete der Guardian.

»Das ist eine dieser alten Traditionen, bei der Leute irgendwelche Dinge auf die Rückseite der Sitze schreiben, wo sie eigentlich niemand je entdecken wird, außer vielleicht bei einem Unfall. Aber diesmal war es nicht sehr komisch«, erklärte ein Pressesprecher von Jaguar.

Die Praxis sei früher üblich gewesen. »Ich habe selbst nie verstanden, ob das nun Glück bringen soll oder was, aber derjenige, der's tut, denkt eigentlich, dass der Besitzer es niemals sehen wird. Es gibt Hunderte von Autos aller Marken, die mit so was rumfahren.«

Wenn das Auto für die Queen bestimmt ist, wird natürlich genauer hingeguckt. Die königlichen Sicherheitsexperten nahmen die Limousine auseinander und entdeckten in einem Hohlraum unter den Sitzen die Hefte und auf der Rückseite eines Sitzes das Hakenkreuz.

Klassik stirbt

Es gilt, eine Entwicklung zu beklagen: Die klassische Musik steckt in der Krise. Die großen Plattenfirmen verkleinern ihre Klassikabteilungen oder schließen sie ganz, mehrere hundert Fachleute verloren in den letzten Monaten ihre Jobs. Jüngstes Beispiel: Teldec-Klassik. Woran liegt's? Die Experten sind sich einig. Die sich verschärfenden Widersprüche des Kapitalismus sind schuld. »In früheren Jahren durfte es viele Jahre dauern, bis die Rendite einer Produktion eingespielt war. Heute ist die Spanne auf ein Jahr geschrumpft. Dann wollen die Geldgeber Rendite sehen.« Außerdem liegt es am Generationenwechsel, sagt Karl Karst von WDR 3: »In der Konsum- und Freizeitgesellschaft ist ein anderer Kulturbegriff entstanden.« Wem sagt er das, wir hier vom Snap!-Fanclub kennen ja nicht einmal den Unterschied zwischen Klassik und Romantik: Alles mit Geigen von vor 1900 hört sich für uns gleich an.

Abendland vor dem Ende

Es gibt aber noch andere Gründe, warum das Abendland und ganz besonders seine deutsche Unterabteilung durch Kulturlosigkeit bedroht sind. Deutschland hat nämlich zu wenig Studienanfänger. Das sagt zumindest der Bildungsbericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Obwohl 84 Prozent der deutschen 25- bis 29jährigen das Abitur vorweisen können, nehmen nur 28 Prozent ein Studium auf. Der europäische Durchschnitt liegt bei rund 45 Prozent. In der OECD-Studie schnitten nur Belgien, Tschechien, Mexiko und die Schweiz schlechter ab als Deutschland. Die meisten Studienanfänger haben mit mehr als 50 Prozent Island, die Niederlande, Norwegen und Ungarn.

Alles beim Alten bei Wagners

Langsam haben wir die Nase voll. Immer diese Wagners. Und bei allen ups & downs läuft es immer auf dasselbe hinaus: Wolfgang Wagner bleibt im Amt.

So auch dieses Mal. Eigentlich hatte der Rat der Richard Wagner-Stiftung Eva Wagner-Pasquier als Nachfogerin von Wolfgang vorgesehen, sie ist die Tochter von Wolfgangs Bruder Wieland, der 1966 starb. Doch nun hat Eva Wagner-Pasquier auf den Job verzichtet. Wolfgang hatte vorher bekannt gegeben, dass er sie für ungeeignet halte und dass er selbst festlegen werde, wann er aus seinem Vertrag ausscheide. Wolfgang hat einen Vertrag auf Lebenszeit. Eva sagte weiter, dass der Stiftungsrat ihr einen neuen Vertrag unterbreiten könne, sobald klar sei, wann Wolfgang aufhören werde, vorher jedoch nicht. Der bayrische Kultusminister Hans Zehetmair kündigte unterdessen an, dass er einen Notvorstand für die Bayreuther Festspiele berufen werde, sollte Wolfgang Wagner nicht endlich einlenken und sagen, wie lange er weitermachen wolle. Aber auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen: Die Wagners sind ein Königshaus (Jungle World, 15/01). Im Grunde bleibt Zehetmair nur eine Möglichkeit, will er sich nicht bis ans Ende seiner Tage mit Wolfgang Wagner herumärgern: Er sollte ihn umbringen lassen.

Stammzellen müssen draußen bleiben

Johannes Rau dürfte sich freuen. Nach seiner Berliner Rede im März will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihre Entscheidung über das umstrittene Bonner Stammzellenprojekt verschieben. Ernst-Ludwig Winnacker, DFG-Präsident und Mitglied von Gerhard Schröders Nationalem Ethikrat, bezeichnete es vorige Woche als unangemessen, Fördermittel für den Import embryonaler Stammzellen aus Israel bereitzustellen, da von vielen Seiten Aufforderungen zur Verschiebung kämen. Ursprünglich wollte die DFG ihre Entscheidung über das Förderprojekt einer Gruppe Bonner Wissenschaftler am 3. Juli treffen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident hatte in der vorletzten Woche die Einfuhr embryonaler Stammzellen zur Erforschung von Nervenkrankheiten gefordert. Die Herstellung der Zellen ist in Deutschland verboten, bei Einfuhr und Forschung hingegen gibt es Gesetzeslücken.



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