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Nr. 24/2001 - 06. Juni 2001
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Parken und gedenken

Vorerst bleibt es ruhig am Berliner Bebelplatz. Das Bezirksamt Mitte setzte in der vergangenen Woche die Baugenehmigung für eine Tiefgarage außer Kraft, die auf dem Gelände gebaut werden soll, wo das Mahnmal des Künstlers Micha Ullmann an die Bücherverbrennung durch die Nazis am 10. Mai 1933 erinnert. Es besteht aus einer begehbaren Glasplatte, die den Blick auf die leeren Regale einer Bibliothek freigibt. Ullmann hatte angekündigt, dass er sein Kunstwerk zerstören werde, sollte die Tiefgarage gebaut werden. Der Motorenlärm widerspreche seiner Intention: »Es sollte ein Ort der Stille sein.«

Der Berliner Kultursenator Christoph Stölzl hatte dagegen erklärt, die Bücherverbrennung habe gar nicht unter dem Platz stattgefunden, sondern auf dem Platz. Deshalb habe das Kunstwerk auch nicht direkt mit der Bücherverbrennung zu tun. Trotzdem sei die Idee des Werks »faszinierend«. Stölzl glaubt, durch die Tiefgarage werde es sogar noch gewinnen: »Die Einbindung von Kunstwerken in den lärmenden Großstadtbetrieb ist oft etwas Gewolltes.«



Kein Herztod mehr in der U-Bahn

Neues gibt es aus der Alltagsmedizin zu vermelden. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, dürfen ab sofort in der Münchener U-Bahnstation Marienplatz medizinische Laien mittels eines dort installierten Elektroschockgerätes akut Herztote reanimieren. Das kann man sich so vorstellen: Man platziert sich vor einen der Glaskästen, die durch ein rotes zerbrochenes Herz gekennzeichnet sind und in denen sich je ein Defibrilator befindet. Dann wartet man ein paar Stunden, Tage oder Wochen, bis in der Nähe des so genannten »Defi« ein Passant kollabiert. Ist dies der Fall, wird durch einen Notruf die U-Bahnleitstelle informiert, die per Fernsteuerung den Kasten öffnet. »Defi« wird entnommen und eingeschaltet. Dann werden rasch zwei Elektroden auf den inzwischen entblößten Brustkorb des Kranken bzw. Toten gepappt.

Das Gerät ermittelt automatisch die medizinischen Werte und im günstigsten Fall erscheint auf dem Display: »Schock empfohlen«. Jetzt kann der Laie per Knopfdruck den Stromschlag durch den Körper befördern. »Im Idealfall hat der Patient wieder Puls«, erläutert Josef Assal, der ärztliche Leiter des Pilotprojektes.



Grass-Haus in Lübeck

Die Nachwelt braucht sich keine Sorgen mehr zu machen: Das Werk von Günter Grass hat endlich eine Heimstatt gefunden. Am vergangenen Donnerstag billigte die Lübecker Bürgerschaft die Einrichtung eines Günter-Grass-Hauses. 4,2 Millionen Mark wird es kosten, die allerdings nicht von der Stadt bezahlt werden, sondern vom Bund, dem Land und von privaten Sponsoren. Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin hatten dem Projekt zuvor ihre Unterstützung zugesichert.

Schon im Herbst soll es mit einer Ausstellung von Grass-Zeichnungen eröffnet werden, am 16. Oktober, dem, man ahnt es schon, 75. Geburtstag des Nobelpreisträgers. Und was sagt der Meister? »Ich bin froh darüber«, wird Grass zitiert, die Debatte sei allerdings »unerträglich verlaufen«, da vornehmlich Gegner des Projekts zu Wort gekommen seien. Die Stadt Lübeck habe sich schon mit dem Haus des anderen großen Schriftstellers deutscher Sprache, Thomas Mann, schwer getan und werde finanziell »auf Dauer nicht herum kommen, ihren Beitrag zu leisten«.



Vollmer will Bundeskulturministerium

Auch das noch! Antje Vollmer will ein Bundeskulturministerium. Man erinnere sich: Der letzte Geniestreich der grünen Bundestagspräsidentin bestand darin, zu fordern, der Denkmalschutz müsse in seiner jetzigen Form abgeschafft werden, weil zu viel moderne Gebäude geschützt würden, nach der Gründerzeit sei ja schließlich kaum noch etwas gebaut worden, das zu schützen sich lohne. Gegenstand des Denkmalschutzes solle die Schönheit der Gebäude sein, nicht ihre historische Bedeutung.

Antje Vollmer möchte nun, dass die Einrichtung eines Bundeskulturministeriums zum Thema der Koalitionsverhandlungen nach der nächsten Bundestagswahl wird. Da bleibt einem wohl nichts als die Hoffnung, Edmund Stoiber möge als Kanzlerkandidat antreten und gewinnen. Dessen Kultusminister Hans Zehetmaier ließ nämlich verlauten, er könne Vollmers Idee gar nichts abgewinnen. »SPD und Grüne wollen ein Ministerium für etwas, was es nicht gibt«, gab Zehetmaier zu Protokoll. Was das nun wieder zu bedeuten hat, wagen wir uns nicht vorzustellen.



Linux fürs schwarze Loch

Weniges ist so interessant wie schwarze Löcher. In der Ferne des Alls dümpeln sie vor sich hin, und sehen kann man sie nicht, selbst wenn man näher herankäme, denn sie saugen alles Licht auf. Mitunter kollidieren Schwarze Löcher sogar. Das will erforscht sein. Dafür baut das National Center for Supercomputing Applications an der Universität von Illinois gerade das stärkste Rechnerkollektiv der akademischen Welt. 160 mit dem neuen 64 Bit breiten Itanium-Prozessor von Intel ausgerüstete eServer von IBM werden gemeinsam mit dem bereits bestehenden Cluster aus 512 Servern eine Rechenkapazität von einer Billion Operationen in der Sekunde erreichen. Die Wissenschaftler erhoffen sich von dem Zusammenschluss der insgesamt 672 Rechner nicht nur mehr Einblick in die Abläufe bei Kollisionen schwarzer Löcher, auch das Verhalten von Gas bei Überschallgeschwindigkeit soll er erklären helfen.



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