Männer am Grill
Kurze Hosen und eine Schürze mit albernem Aufdruck, die Bierflasche in der Linken, die Zange in der Rechten - so kennt man sie: Männer am Grill. Dass das »sexy« wirkt, hat noch niemand behauptet. Jetzt will eine Umfrage einer britischen Supermarktkette herausgefunden haben, dass die Betroffenen selbst das ganz anders einschätzen und sich in der Rolle des Grillmeisters nicht nur ziemlich gut gefallen, sondern sich dabei auch noch sexy fühlen. Dieselben Männer würden dagegen nie auf die Idee kommen, sich an den Herd zu stellen. Jeder Zehnte sieht sich nach der Umfrage beim Würstchen-Wenden in der Rolle des »Höhlenmenschen«, der seine Sippe mit Fleisch versorgt. Andere dagegen gaben zu, nur deshalb am Grill zu stehen, weil sie sich selbst die besten Stücke sichern wollen. Ein vergleichsweise vernünftiger Grund. Was die Studie verschweigt: Bratrost, Koteletts und Holzkohle spielen in den erotischen Phantasien von Frauen so gut wie gar keine Rolle.
Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
Laibach kommt, Camouflage kommt. Viele gute Bands spielen auf dem 10. Wave-Gotik-Treffen über Pfingsten in Leipzig. Joachim Witt kommt auch. Mit Witt fängt das Problem schon an. »Pathos ist nicht gleich Nationalsozialismus«, hatte er einmal auf den Vorwurf, seine Musik feiere eine Nazi-Ästhetik, entgegnet. So ähnlich halten es auch die Veranstalter des Groß-Events mit den rechtsextremen Kulturkämpfern. Die »Treffen- und Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland«, die schon in ihrem Namen das Bekenntnis zu Großdeutschland führt, hat etwa die Neofolk-Band Camerata Mediolanense eingeladen. Nach deren Auftritt beim Treffen 1999 jubelte das NPD-Blatt Deutsche Stimme: »Als Zugabe spielten die italienischen Musiker das (...) deutsche Soldatenlied Lili Marleen (...) Alle sind wie verzaubert von dieser Hommage an Volk und Vaterland.« Neofolk - im Nazijargon »Neuvölkische Musik« - macht auch die angekündigte Band Scivias, die wie ihre italienischen Kollegen beim Dresdner Eis & Licht-Label unter Vertrag sind. Eis&Licht, Herausgeber des Kulturkampfblattes Zinnober, hat einen Stand in Leipzig. Und bestimmt schauen auch die Glatzen vom Thüringer Heimatschutz mal vorbei. Wie letztes Jahr.
Spione
Rätselhafter Kunde, was machst du in der Shopping Mall und warum? Nach der Vorstellung mehrerer US-Kaufhauskonzerne soll in Zukunft das Kundenverhalten noch gründlicher durchleuchtet werden. Geschehen soll dies mit Hilfe eines IBM-Softwareprojekts namens »Blue Eyes«. Wie de:bug meldete, soll das bereits in mehreren Kaufhausketten installierte Programm helfen, die Käuferstimmung besser kennenzulernen. Die Software dient der Auswertung der mittels Überwachungskameras eingefangenen Daten über Blickrichtungen und Stimmungen der Zielpersonen. Sprinten die Leute erwartungvoll zur Tiefkühltruhe oder schieben sie sich lustlos daran vorbei? Durch die Aufzeichnung und Auswertung der schweifenden Blicke des potenziellen Käufers während einer Einkaufstour soll die Effizienz von zukünftigen Verkaufskampagnen und Produktplatzierungen gesteigert werden. Allerdings scheint das Programm hinsichtlich der Einordnung von Grundstimmungen augenblicklich noch relativ ungenau und fehlerhaft zu funktionieren. Glückliche und unglückliche Kunden sind sich nämlich verdammt ähnlich.
Fettes Konzept
Sie ist ganz neu, heißt ngo-online und will jene Akteure berücksichtigen, »die sich sonst in der Medienlandschaft nur sehr unzureichend durchsetzen können«. Meinen die Zeitungsmacher sich selbst? Nein, sie meinen die Non Governmental Organizations, die sie in ihrer Berichterstattung berücksichtigen wollen. Funktionieren soll die neue Netzzeitung in etwa so: »Man nehme eine Agenturmeldung, streiche das Parteientheater, die ganze heiße Luft raus und ergänze das, was übrig bleibt, durch substanziell begründete Stellungnahmen und Politikvorschläge verschiedenster Akteure.« Schaut man sich unter www.ngo-online.de an, was die Netzjournalisten aus den Agenturmeldungen gemacht haben, wird man allerdings enttäuscht. Alles ist ganz anders als versprochen. Dass es von der »verschwundenen Peggy noch immer keine Spur gibt«, kann man in jedem Boulevardblatt nachlesen. Und die angekündigte Debattenschlacht hat auch noch nicht begonnen. Die Internet-Zeitung wird in erster Linie durch private Spenden finanziert.
In the Museum
»On the road« kommt ins Museum. Knapp zweieinhalb Millionen Dollar war Jim Irsay das 36 Meter lange Originalskript von Jack Kerouacs »On the Road » wert. Der Mann, dem schon ein Footballteam in Indianapolis gehört, ersteigerte die berühmte Papierrolle bei einer Auktion von Christie's in New York. Die Urfassung des, ja, Kultromans soll nach Irsays Plänen einem Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden.
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