Kein bisschen Frieden
William Walker dürfte stolz auf seinen Landsmann sein. Denn so wie diesem früheren CIA-Mann, dessen Engagement für die albanischsprachigen Separatisten der Kosovo-Befreiungsarmee UCK zu seinem Rauswurf aus der südserbischen Provinz führte, erging es Ende vergangener Woche auch Robert Frowick. Nachdem bekannt geworden war, dass der US-amerikanische Balkan-Gesandte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geheime Verhandlungen mit der mazedonisch-albanischen Nationalen Befreiungsarmee UCK geführt hatte, verwies die Regierung in Skopje den vermeintlichen Friedensstifter des Landes. »Es ist gut, dass er gegangen ist«, kommentierte Mazedoniens Ministerpräsident Ljubco Georgievski den Rausschmiss.
Frowicks Einsatz für die albanisch-separatistische Sache wurde vor allem deshalb so hart geahndet, weil die Regierung einen Tag zuvor eine Offensive gegen Stellungen der UCK im Norden des Landes gestartet hatte. Nur eine Woche nach der Bildung einer so genannten Regierung der nationalen Einheit, in der auch Mitglieder zweier mazedonisch-albanischer Parteien vertreten sind, steht diese damit vor dem Zerfall. In dem unter Leitung von Frowick ausgearbeiteten Papier war die Gleichstellung der albanischen Minderheit in der Verfassung und die Anerkennung des Albanischen als zweite Staatssprache formuliert worden.
Berlusconis Freunde
Der neue italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist zwar noch nicht im Amt, dafür ist der Streit um die Besetzung der Kabinettsposten bereits in vollem Gange. Vor allem der Vorsitzende der rassistischen Lega Nord, Umberto Bossi, beharrt auf einem Schlüsselposten in der künftigen Regierung. Doch seine Chancen stehen schlecht, zumal er jüngst für seinen Vergleich der italienischen Nationalflagge mit Klopapier zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Bossis Anwalt gab am vergangenen Mittwoch das Urteil eines Richters in der Region Como bekannt und kündigte Berufung an. Bossi hatte einer Frau auf einer Wahlkampfveranstaltung 1997 gesagt, sie solle die grün-weiß-rote Trikolore Italiens »in die Toilette stecken«.
Auch andere Freunde bereiten Berlusconi derzeit Sorgen. Wie die spanische Tageszeitung El Pais vergangene Woche berichtete, haben Mitglieder der Mafia Verbindungen zu Berlusconi zugegeben. Die sizilianische Staatsanwaltschaft verfüge über detaillierte Schilderungen von Treffen der Mafia mit Berlusconi und dessen Vertrauten in den sechziger und siebziger Jahren. Nach Angaben von El Pais beschrieben mehrere übergelaufene Mafia-Mitglieder Berlusconi als nützliche Kontaktperson ihrer Organisation.
Britische Race-Riots
»Ich bin sehr verärgert. Wir hätten jemanden töten können«, sagte der Polizeichef von Manchester, Eric Hewitt, nach den Unruhen in Oldham. In der nordenglischen Stadt hatten sich am Wochenende etwa 500 Jugendliche heftige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Dabei waren zahlreiche Autos angezündet und Brandsätze auf mehrere Bars geschleudert worden. Der Inhaber eines Pubs warf der Polizei vor, zeitweise die Kontrolle verloren zu haben.
In Oldham kommt es schon seit mehreren Monaten zu Auseinandersetzungen zwischen weißen und asiatischen Einwohnern. Die Ausschreitungen am Wochenende begannen, nachdem weiße Fußballfans das Haus einer asiatischen Familie mit Steinen beworfen hatten. Innenminister Jack Straw hatte bereits Anfang Mai wegen der Spannungen alle Kundgebungen in der Stadt verboten.
Spuren und Beweise
Seit zwei Monaten sitzt Slobodan Milosevic im Knast, ohne dass viel von ihm zu hören wäre. Der ehemalige jugoslawische Staatspräsident war im April wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden, jetzt soll er vermutlich eines schwereren Vergehens angeklagt werden. Der stellvertretende serbische Polizeichef sagte am vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz in Belgrad, Milosevic und enge Mitarbeiter hätten Kriegsverbrechen gegen Zivilisten im Kosovo vertuschen wollen. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass Milosevic seinen damaligen Innenminister Vlajko Stojiljkovic angewiesen habe, »alle Spuren, die Beweise für verübte Verbrechen darstellen können«, zu beseitigen. Innenminister Dusan Mihajlovic erklärte, wenn die Untersuchung abgeschlossen sei, werde die Anklage formuliert. Bis jetzt liege der Tatbestand der Spurenbeseitigung vor. Milosevic müsse noch zu den Vorwürfen vernommen werden. Milosevic ist vom internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden. Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica will seine Auslieferung nicht ausschließen, sähe ihn aber lieber vor einem jugoslawischen Gericht.
Tod den Kritikern
Auch nach den Parlamentswahlen geht die Gewalt im Baskenland weiter. Der Sieg der sich selbst als gemäßigt bezeichnenden Baskischen Nationalen Partei (PNV) hat daran nichts geändert. Am vergangenen Donnerstag wurde Santiago Oleaga Elejabarrieta, der Finanzchef der Tageszeitung El Diario Vasco, auf einem Krankenhausparkplatz in San Sebastian aus nächster Nähe erschossen. Der Anschlag wird der Eta angelastet. Ein Sprecher des Medienkonzerns Grupo Correo, zu der auch El Diario Vasco gehört, erklärte, man werde sich von der Eta nicht zum Schweigen bringen lassen. El Diario Vasco ist für ihre entschiedene Kritik am Vorgehen der Eta bekannt.
Bereits vor zehn Tagen hatten mutmaßliche Angehörige der Eta in den Städten Vitoria und Bilbao mehrere Anschläge verübt. Ein Journalist wurde vor zwei Wochen bei der Explosion einer Briefbombe verletzt, die in seine Wohnung geschickt worden war.
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