Handys helfen Vögeln
Dänische Vogelfreunde hatten sich seit längerem darüber gewundert, dass Amsel, Drossel, Fink und Star eher untypisches Liedgut pfiffen. Dem Ornithologen-Verband gelang es nun, das seltsame Treiben zu enträtseln. Die Vögel imitieren einfach nur Handy-Klingeltöne. Besonders beliebt seien die Standardeinstellungen von Nokia. Eine ornithologische Sensation sei solches Verhalten jedoch nicht, besonders Stare übernähmen häufiger die Tonfolgen anderer Vogelarten.
»Big Brother« pausiert
Nur 1,75 Millionen Zuschauer wollten das Finale der dritten »Big Brother«-Staffel sehen und erlebten Bekanntes: An ein dauerüberwachtes Leben im Kollektiv anscheinend hinreichend gewöhnt, gewann mit der langweiligen Karina, vulgo: Schoka, zum dritten Mal jemand aus der ehemaligen DDR. Auf den Plätzen zwei und drei landeten der langweilige Medy und der langweilige Wulf. Passiert war in den mehr als 100 Tagen »BB« im Großen und Ganzen außer Besuchen von Naddel und Gotthilf Fischer nichts. Wegen der rapide sinkenden Einschaltquoten hatte die Produktionsfirma Endemol schon nach wenigen Wochen die Preise für Werbespots erheblich senken müssen. Der Produzent Rainer Laux hatte bereits in der letzten Woche angekündigt, dass »Big Brother« eine längere Pause einlegen werde. Mit dem Beginn der vierten Staffel wolle man mindestens bis zum Frühjahr 2002 warten.
Don't drink and surf
Alkohol und Online-Banking oder -Shopping sind keine gute Kombination. Viele User scheinen jedoch bevorzugt nach ein paar Bierchen ihre Finanzen regeln zu wollen, wie ein jetzt auf der IT-Webpage www.netedition.de veröffentlichter Report der britischen Internet-Bank Cahoot zeigt. Viele Kunden bereuen demnach ihre mitten in der Nacht durchgeführten Transaktionen. Fast die Hälfte aller Geschäfte wird bei Cahoot, einer Tochtergesellschaft der britischen Abbey National Bank, jedoch am späten Abend oder in der Nacht getätigt.
Zum Kater kann in manchen Fällen dann noch die Angst vor dem Postboten kommen. Ein 29jähriger aus Manchester bestellte nach jeder Pub-Tour große Mengen CDs und Bücher, für die er sich im nüchternen Leben absolut nicht mehr interessierte. Ein Londoner dagegen verstand die seltsamen Bewegungen auf seinem Konto nicht mehr, bis schließlich festgestellt wurde, dass er nach jeder Sauftour völlig willkürlich Geld vom Sparbuch auf sein Girokonto und wieder zurück überwies. Bei allen besoffen getätigten Internet-Aktionen gilt: Berührt - geführt.
Aibo immer schlauer
Aibo, der von Sony entwickelte Roboter-Hund, wird bald die elektronische Post seines Besitzers apportieren können. Wie die Zeitschrift Computer Sweden meldet, soll ein auf CD-Rom erhältliches Messenger-Programm die Aibo-Modelle ERS-210 dazu bringen, in einem Umkreis von 20 Metern drahtlos mit Herrchens Computer zu kommunizieren. Für das Vorlesen der E-Mails stehen sechs unterschiedliche elektronische Stimmen zu Verfügung, zusätzlich kann Aibo bis zu 50 verschiedene Wörter erkennen. Auch im Internet kann der bisher in 50 000 Exemplaren verkaufte virtuelle Fiffi bald surfen: Aibo kann darauf abgerichtet werden, bestimmte Webpages zu überwachen und Laut zu geben, wenn sich dort etwas ändert.
Eine italienische Geschichte
Ein Schnellzug explodiert, anschließend fliegt der Bahnhof von Bologna in die Luft: Etwa 150 Menschen starben zwischen 1969 und 1984 bei blutigen Attentaten in Italien. Die Bomben wurden von Neofaschisten gelegt, die ihrerseits von Geheimdiensten und Militärs angestiftet und von Polizei und Politik gedeckt wurden. In dem Film »Italiens blutiges Staatsgeheimnis«, der diesen Freitag um 23 Uhr im WDR zu sehen ist, erklärt der Schriftsteller Dario Fo, warum nie ein Verantwortlicher verurteilt wurde. Die Spurensuche wurde systematisch behindert, Ermittlungsrichter wurden ermordet. Ziel der Anschläge war es - wie eine Untersuchungskommission des italienischen Parlaments bestätigte - die Bevölkerung einzuschüchtern und eine kommunistische Regierungsbeteiligung zu verhindern. Zusammen mit Angehörigen von Attentatsopfern fordern Dario Fo und seine Frau Franca Rama seit langem eine rückhaltlose Aufklärung. Die Mitte-Links-Regierung in Rom hat sich darum bisher nicht gekümmert. Und Silvio Berlusconi kündigte bereits an, dass er alle Akten schließen möchte.
Post-Biggs-Ära
»It's so nice to have you back where you belong«, titelte die britische Times zur freiwilligen Rückkehr des Posträubers Ronnie Biggs. Getrieben von der Sehnsucht nach warmem Bier, hatte der schwer Kranke genug vom Exil in Brasilien und ließ sich, von der Boulevardzeitung Sun gut bezahlt, nach Hause fliegen. Wo man nicht besonders glücklich über den wieder aufgetauchten Posträuber zu sein scheint. Zuletzt hatten offizielle Stellen 1997 zwar vergeblich versucht, Brasilien zur Auslieferung zu bewegen, über das definitve Nein war man jedoch nicht allzu unglücklich gewesen. Über die Begründung schon eher: 30 Jahre Gefängnis für einen Raubüberfall entsprächen nicht der brasilianischen Rechtsauffassung, und ein Straftäter, der im Ausland eine »unverhältnismäßig hohe Strafe« erwarten müsse, könne nicht ausgeliefert werden.
Nun muss man mit dem Rummel um den Volkshelden Biggs leben. Und der wird bestimmt Mittel und Wege finden, selbst vom Gefängnis aus den britischen Autoritäten auf die Nerven zu fallen.
Jungle World, Bergmannstraže 68, 10961 Berlin, Germany
Tel. ++ 49-30-61 28 27 31
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail:
redaktion@jungle-world.com