Voll von dieser Welt
Moses Pelham, der Chef der Plattenfirma 3p, Kopf des Rödelheim Hartreim Projekts und Erfinder des deutschsprachigen Soul - auf der Platte seines neuen Projekts Glashaus lässt er die Sängerin »Sieh, der Herr treibt Feuer übers Land / Sieh, der Herr steckt Babylon in Brand« intonieren, zur Melodie von »Spann den Wagen an«, über einen HipHop-Beat - ist möglicherweise gar kein netter Zeitgenosse. Einen Prozess gegen seinen ehemaligen Schützling Xavier Naidoo hat er schon verloren, in dem es um Naidoos Projekt Söhne Mannheims ging, das dieser unabhängig von Pelham betreibt. Nun hat die Staatsanwaltschaft die Räume von Pelhams Firma durchsucht, der Vorwurf lautet, Pelham habe bei der Abrechnung von Tourgagen fortgesetzten Betrug begangen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hätte Xavier Naidoo gute Aussichten, ganz aus dem Vertragsverhältnis mit 3p herauszukommen. Die Frage, ob Knebelverträge in der Musikindustrie grundsätzlich zu missbilligen sind, harrt jedoch weiter der Klärung. Denn so irre die Musik der Söhne Mannheims und so sehr ihre Absicht zu begrüßen ist, Leute wie Edo Zanki der Vergessenheit zu entreißen, einem Vergleich mit dem Schaffen Xavier Naidoos als Sprachrohr für Pelhams Bibelexegesen hält sie nicht stand.
Zu viel Gewalt
Wieder einmal haben die Spaßgesellschaft und die Medien es zu weit getrieben. Findet wenigstens Peter Struck, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag. Denn MTV-Deutschland hat angekündigt, im Juni eine deutsche Version der beliebten Celebrity Deathmatch-Sendung auszustrahlen. Dort soll sich eine Knetpuppe von Gerhard Schröder einen tödlichen Splatterkampf mit einer Puppe seines Außenministers liefern. »Es gibt immer Möglichkeiten, schlechten Geschmack noch zu unterbieten«, findet Struck.
Nobelpreise steigen
Literaten, Naturwissenschaftler, Mediziner, Wirtschaftswissenschaftler und Friedensmacher, aufgepasst! Die Nobelstiftung erhöht die Preise. Zum hundertsten Geburtstag des Nobelpreises wird seine Dotierung um eine Million auf zehn Millionen Kronen angehoben, also auf 2,12 Millionen Mark. In der Hoffnung darauf lässt es sich doch prima forschen, schreiben oder Frieden schließen. Aber auch die Nobelstiftung leidet unter den Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten: Das Investitionskapital der Nobelstiftung ging im Vergleich zum Vorjahr um 40 Millionen Kronen auf 3,89 Milliarden zurück. Ebenso ihr Aktienkapital, um zwei Prozent ist es in den letzten zwölf Monaten geschrumpft. Es beläuft sich nun noch auf 2,5 Milliarden.
Hunde, wollt ihr ewig lesen?
Verrückte Welt: Ein Richter im US-Staat North Carolina hat einen 19jährigen dazu verurteilt, alle »Lassie«-Bücher zu lesen. Außerdem bekam er drei Jahre auf Bewährung. Der junge Mann hatte den Pitbull seiner Mutter gehäutet und geköpft. Der Richter verbot ihm außerdem, während der Bewährungszeit ein Haustier zu halten. Ganz anders gehen die Uhren in Pennsylvania. Wie die Washington Post berichtete, hat dort ein Ärzteteam ein Mittel entwickelt - ein Genmittel natürlich -, das sie einem blinden Hund spritzten, und das Tier kann wieder sehen. Die Ärzte sagen, nun bestehe Hoffnung für 150 000 Menschen, die an einer bestimmten Form von angeborener Blindheit leiden.
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