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Nr. 18/2001 - 25. April 2001
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Wie Popgeschäfte gemacht werden

Universal, einer der drei großen Musikkonzerne, wird im Sommer des kommenden Jahres seine Deutschlandzentrale von Hamburg nach Berlin verlegen. Wird damit Berlin nun auch »Musikhauptstadt«, wie Tim Renner, der Chef von Universal Deutschland, behauptet? Ist es tatsächlich so, dass Universal nach Berlin kommt, weil es hier die lebendige und kreative Szene von Mitte gibt, an der niemand vorbei kommt, der auf dem globalen Popmarkt irgendetwas bewegen will, wie es jene Szene glaubt? »Maßgeblich sind die strategischen Entscheidungen, die wir sorgfältig mit unserer Muttergesellschaft Vivendi erwogen haben«, sagte Renner.

Das kann man sich so vorstellen: Vivendi ist ein französischer Mischkonzern, dem alles Mögliche gehört, nach einem günstigen Deal von 1999 auch ein Anteil an den Berliner Wasserwerken. Diesen Anteil bekam Vivendi aber nur, weil sie sich verpflichteten, in Berlin Arbeitsplätze zu schaffen. Ein wenig später schluckte Vivendi den Musikkonzern Universal. Und weil Berlin im Unterschied zu Hamburg eine strukturschwache Region ist und deshalb für das Schaffen von Arbeitsplätzen EU-Subventionen gezahlt werden, verlegt Vivendi nun die 500 Stellen der Musikabteilung von Hamburg nach Berlin. Und hier kommt auch die Neue Mitte ins Spiel: Die Standort-Voraussetzungen für Berlin sind deshalb so gut, weil ein Unternehmen wie Universal in Berlin niedrigere Personalkosten hat als in Hamburg. Dort müsste qualifiziertes Personal bei der Konkurrenz abgeworben werden, in Berlin steht es in den Clubs herum, und wartet darauf, einen Vertrag angeboten zu bekommen.



Die Schlossdebatte

Versuchen wir es einmal positiv zu sehen, so schwer es auch fällt. Erstens: Das Stadtschloss wird nicht wieder aufgebaut. So viel scheint nach der ersten Sitzung der Kommission, die sich der Neugestaltung von Berlins Mitte verschrieben hat, sicher. Zweitens: Jede Form direkter politischer Nutzung für das Gebäude, das irgendwann einmal vielleicht an der Stelle des alten Stadtschlosses stehen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Egal, ob es nun eine riesige Bibliothek wird oder ein großer Museumsbau oder beides. Denn das Gebäude wird ein Kulturhaus werden. In welcher Form auch immer. Das kann man natürlich immer noch blöd finden, aber eine gewisse Form von imperialer Ratlosigkeit, die aus Angst vor der großen Geste und aus Konsenszwang gar nicht erst versucht, einen großen Wurf in Auftrag zu geben - das hat auch was für sich.



Too Tough To Die

Vier verstrahlte Typen. Mit zerfetzten Jeans, Lederjacken, Sonnenbrillen und herausgewachsenem Pilzkopf. Alle haben denselben Nachnamen, alle haben die Nase voll. Vier Typen, die eigentlich nur davon singen, was sie nicht wollen. »I don't wanna go down in the basement«, »I don't wanna walk around with you«, »I don't care« (»I don't care / I don't care / I don't care / I don't care / I don't care about that girl / I don't care about the world / I don't care / I don't care / I don't care / I don't care«). Wenn sie mal was wollen, dann »Now I wanna sniff some glue« oder »I wanna be sedated« oder »I wanna live«. Und all diese Parolen: Gabba Gabba Hey! Onetwothreefour! Hey Ho - Let's go! Die Ramones. Die größte Band der Welt. Alles auf einmal: Punk und Pop, Speed und Kaugummi, Style und Nicht-Style. Dumm sein und schlau sein. Die elektronische Musik wird noch zwanzig Jahre brauchen, um etwas ähnlich Perfektes hervorzubringen. Nun ist Joey Ramone gestorben. An Lymphdrüsenkrebs. 49 Jahre alt ist er geworden. »I believe in miracles / I believe in a better world for me and you«.



Tod auf dem Pult

Manchmal überlegt man sich Dinge wie: Was ist eigentlich ein schöner Tod - ist es schön, dann zu sterben, wenn man das tut, was man gerne macht? Was ist alles besser als Lymphdrüsenkrebs? Beim Sex sterben, an Drogen, dann, wenn man den entscheidenden, alles zusammenfassenden Gedanken hat? Der Dirigent Giuseppe Sinopoli stürzte am vergangenen Freitag mitten im dritten Akt der »Aida« vom Dirigentenpult der Deutschen Oper in Berlin. Er hatte einen Herzinfarkt erlitten, an dem er kurze Zeit später starb. Eigentlich sollte die »Aida«-Aufführung ein Wiedersehen mit Götz Friedrich sein, dem Intendanten der Deutschen Oper, mit dem Sinopoli lange Jahre zusammengearbeitet hatte. Aber Friedrich war vor einigen Monaten gestorben. Guiseppe Sinopoli wurde 54 Jahre alt.



Springer-Knechte haben gewonnen

Der Konflikt zwischen den freien Mitarbeitern der Berliner Morgenpost und dem Ullstein- bzw. Springer-Verlag (Jungle World, 17/01) ist beigelegt - die Revolution hat einen vorläufigen Sieg errungen. Es gibt neue Verträge. Die Forderung der Mitarbeiter nach namentlicher Kennzeichnung von Texten in der Online-Ausgabe wurde erfüllt. Die strittige Frage der Honorierung dieser Beiträge wurde zwar noch nicht in die Verträge aufgenommen, aber immerhin bis zur Neuregelung des Urheberrechts vertagt. Da muss der Kanzler ran. Über die Verwertung von Morgenpost-Artikeln in der Welt wird weiter verhandelt.



Buchpreisbindungsstreit geht weiter

Lange hat man nichts mehr von der Buchpreisbindung gehört. Nun hat der Börsenverein des deutschen Buchhandels gefordert, die Bundesregierung solle die Buchpreisbindung gesetzlich festschreiben, denn ohne Gesetz werde die Europäische Kommission den »deutschen Buchmarkt nicht in Frieden lassen«. Julian Nida-Rümelin signalisierte schon Gesprächsbereitschaft.



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