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Nr. 18/2001 - 25. April 2001
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Nordische Kombination

Der Boom ist vorbei. Wer immer noch kein Handy hat, will offenbar auch keins; wer eins hat, möchte derzeit kein neues Modell, vor allem jedoch keins von Ericsson. Im Wettbewerb um den größten Marktanteil hat der finnische Konzern Nokia das schwedische Unternehmen Ericsson abgehängt. Am vergangenen Freitag stellten die beiden Mobiltelefonhersteller ihre Bilanzen für das erste Quartal dieses Jahres vor. Während Ericsson eine halbe Million Euro verloren hatte und der Umsatz des Konzerns um fünf Prozent gesunken war, konnte Nokia seinen Umsatz um 22 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro steigern.

Nun scheint Ericsson darauf zu hoffen, durch eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Sony-Konzern von dessen Design und Marketingstrategien zu profitieren. Um Kosten zu sparen, kündigte Ericsson-Chef Kurt Hellström an, möglichst rasch die Produktion auszulagern und 3 300 Fabrikarbeiter zu entlassen. Bis Ende des Jahres sollen zudem weitere 10 000 der insgesamt 107 000 Stellen abgebaut werden. Gegenüber den berunruhigten Angestellten des Unternehmens in Schweden ließ Hellström jedoch offen, ob es sich dabei um Entlassungen, einen Stellenabbau über freiwillige Abgänge oder um eine Umplatzierung der Beschäftigten handelt.

Eine von Microsoft eingeführte Praxis des Stellenabbaus besteht auch darin, einen Teil der Unternehmensbereiche an Agenturen auszulagern und die zuvor direkt vom Konzern Beschäftigten zu schlechteren Bedingungen am gleichen Arbeitsplatz wieder einzusetzen.



Fauler Kompromiss

Die für Fragen der Haftprüfung zuständige Gerichtsinstanz in Rom hat im Fall der sich wegen einer Krebsoperation in medizinischer Behandlung befindenden politischen Gefangenen Silvia Baraldini gegen eine Haftaufhebung entschieden. Bis zu einer neuen gerichtlichen Überprüfung der Hafttauglichkeit im kommenden September steht Baraldini vorerst unter Hausarrest. Sofern es die ärztliche Behandlung erfordert, darf sie allerdings ihr Domizil jederzeit verlassen. Außerdem kann sie tagsüber einer Beschäftigung nachgehen.

Eigentlich hoffte Baraldini auf eine baldige Entlassung. Daraus wurde jedoch nichts, weil der stellvertretende US-Justizminister, John C. Keeney, kurz vor dem Gerichtsentscheid dem italienischen Kollegen Piero Fassino noch einen Brief geschrieben hat. Demnach darf Silvia Baraldini definitiv nicht vor 2008 freikommen, weil andernfalls das von Italien unterzeichnete Auslieferungsabkommen zwischen den beiden Ländern verletzt würde. Sollten die Italiener Baraldini trotzdem entlassen, würden die USA umgehend ihre Auslieferung an die amerikanische Justiz verlangen. Der Knast Carswell in Texas verfüge über eine medizinische Abteilung, die auf die Behandlung von Tumoren bei Frauen spezialisiert sei.

Baraldini war 1982 in den USA wegen der »Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung« zu 43 Jahren Haft verurteilt worden



Rüge der Alten

In einem Punkt waren sich die Finanzminister und Notenbankchefs der Europäischen Union bei ihrem informellen Treffen am vergangenen Wochenende im schwedischen Malmö einig: Ihr Ressort müsse ein stärkeres Gewicht bei Entscheidungen um die geplante Erweiterung der Union erhalten.

Beim ersten Treffen der 15 Finanzminister aus den Mitgliedsstaaten mit ihren 13 Kollegen aus den Anwärterstaaten am Samstag rügte Hans Eichel die Beitrittskandidaten. Einige der mittel- und osteuropäischen EU-Anwärter könnten nach wie vor keine funktionierende Marktwirtschaft vorzeigen und seien deshalb nicht wettbewerbsfähig. Das könne »Konsequenzen für den Zeitplan« nach sich ziehen, schulmeisterte der deutsche Finanzminister.

Zuvor hatte sich die Kommission vor dem Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin) besorgt gezeigt, dass die Aufnahme neuer Staaten eine Gefährdung der finanzpolitischen Stabilität der EU bedeuten könne. Die Anwärter hätten zwar bislang ein schnelles Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Allerdings beruhe es auf massiven ausländischen Investitionen, die wegen der weitgehend vollzogenen Privatisierung bald nachlassen würden. Um den zu befürchtenden »erheblichen Leistungsbilanzdefiziten« vorzubeugen, empfiehlt die Kommission eine unternehmerfreundlichere Steuerpolitik sowie rasche Strukturreformen, sprich die Deregulierung der staatlichen Gesundheits-, Sozial- und Rentensysteme. Oder wie es Eichel ausdrückt, eine »auf Stabilität bedachte Wirtschafts- und Finanzpolitik«.



Private Angelegenheiten

Eben erst aus dem Osterurlaub mit Ehefrau Doris und deren Tochter Klara zurückgekehrt, kündigte der deutsche Bundeskanzler am vergangenen Wochenende an, erneut in privater Angelegenheit verreisen zu wollen. Mitte April hatte Schröders Schwester das Grab des im Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubten Vaters Fritz in dem rumänischen Ort Ceanu Mare gefunden. Im Herbst 1944 hielten deutsche und ungarische Truppen für mehrere Wochen das Dorf besetzt. Beim Rückzug wurden Fritz Schröder und acht weitere Wehmachtssoldaten getötet. Seither liegt er als Unbekannter unter einem Kirschbaum neben der orthodoxen Kirche begraben. Nun will Schröder nach Rumänien reisen, um die letzte Ruhestätte seines Vaters zu besuchen.

In Ceanu Mare ist bereits klar, dass dem Sohn, sollte er in den Ort kommen, Hühnersuppe, hausgemachte Nudeln und ein süßer Kuchen angeboten werden, erklärte der Bürgermeister Gavrila Oros.



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