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Nr. 16/2001 - 11. April 2001
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Der letzte linke Student XII

Überleben!

Der letzte linke Student ist nicht betrübt. Zwar geht alles durcheinander. Aber: ein Denker und Lenker der Menschheit lässt sich nicht beirren. Er: weiß. Aber die anderen, denen muss noch erklärt werden.

Also: die Schweine werden umgebracht. Aber die falschen Schweine. Nämlich: die Tiere. Und die Kühe und Schafe auch. Und das nicht nur in England und woanders, sondern: hier. Weil sie eine ansteckende Krankheit haben. Aber nur vielleicht. Und weil sie die ganze Herde niedermachen könnten mit ihrer Krankheit. Aber natürlich nur: wenn sie sie haben. Weil: die Krankheit ist schwer ansteckend. Das ist Wissenschaft und wahr. Allerdings: die Politik reagiert panisch. Und das ist: nicht wissenschaftlich. Sondern: gefährlich. Weil nämlich Panik erzeugt Angst und Angst macht blind und blind schlägt man nur um sich. Und dabei: macht man viel kaputt. Und das sind hier: die Tiere.

An dieser Stelle der Argumentation muss der letzte linke Student immer kurz lachen, weil das paradox ist. Paradox ist: dass die Menschen Angst vor den Tieren haben. Darum muss der letzte linke Student lachen. Weil es sonst immer andersrum ist. Das mit Menschen und Tieren. Aber nicht paradox und ganz und gar schrecklich ist die Situation. Weil nämlich die Politiker die Tiere töten lassen, wenn da ein Verdacht besteht auf diese Krankheit.

Nun sagt aber der letzte linke Student: dem Tier muss erst mal bewiesen werden, dass es schuldig ist. Oder: krank. Und dann brauchen wir noch eine Debatte, ob das nicht Euthanasie ist, dass man das kranke Tier tötet, und sowieso nicht alles schrecklich totalitarismusmäßig ist und inhuman. Das wäre nur gerecht. Weil überhaupt nimmt man dem Tier die Würde. Besonders schrecklich aber ist: der Politiker, der das Töten befiehlt, ist eine Frau! Dabei sind Frauen dem Tier viel näher durch die Biologie. Und müssten daher die Schmerzen der Tiere spüren.

Der letzte linke Student jedenfalls, der lässt das Weibliche in sich zu. Denn: er erkennt die Würde der Tiere an. Weil: er sie nicht isst. Und: die Verhältnisse beklagt. Bis gestern haben ihn nachts die Schafe und Kühe und Schweine angesehen im Traum. Das hat den letzten linken Studenten geknickt. Und: ein schlechtes Gewissen gemacht. Und: ihm das Frühstück verdorben.

Aber jetzt! Aber jetzt hat der letzte linke Student in seinem Notizbuch nachgeguckt und gelesen: »Der Revolutionär kämpft. Das Gute siegt. Auch wir haben die Aufgabe, die Unterdrückten zu retten!« Das waren aufrüttelnde Worte. Das hat dem letzten linken Studenten klar gemacht, dass etwas zu tun ist. Morgen wird der letzte linke Student im Asta vorschlagen, dass man sich solidarisieren muss. Mit den Schweinen! Dass man die Tiere rausholen muss. Alle! Ein Kampf ums Überleben! Das wird der letzte linke Student vorschlagen. Und dann: werden sie ihn lieben. Tja, und auch wir sollen uns bewusst machen, dass endlich mal einer was tut!

jörg sundermeier



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