Strategische Allianzen
Content statt Portal
Der Otto-Versand verbündet sich mit Springer, Springer mit T-Online, T-Online mit dem ZDF, SAP mit Yahoo. Die Unterschiede zwischen Old und New Economy verlieren an Bedeutung. Eine Firma hat etwas, was die andere nicht hat, aber gut brauchen kann. Eine Firma braucht etwas von einer anderen Firma nicht, weil sie es selbst hat, und dann wird eine strategische Allianz geschlossen, damit noch mehr Synergiepotenziale erschlossen werden können.
Nachdem vor nicht allzu langer Zeit das Betreiben eines Portals steigende Gewinne zu versprechen schien - und sich die Betreiber darauf verließen, den Namen ihres Portals bekannt zu machen, um es dann mit Werbung zu finanzieren -, reichen die Portale nun nicht mehr aus. Denn so richtig viel Geld ließ sich mit dem Betreiben von Webseiten nicht verdienen.
Das neue Zauberwort heißt Content. Wir haben Inhalt, also sind wir. Wobei Inhalt alles Mögliche sein kann: Ein Buch, eine Nachrichtenmeldung, das Horoskop, eine CD oder die Bastelanleitung für das Schnapsbrenngerät. Diese Inhalts-Angebote sollen nun den Unterschied machen und die Kundschaft ins virtuelle Kaufhaus locken. Doch auch die Online-Umsätze der Verlage sind nach wie vor bescheiden, gemessen am Gesamtumsatz halten sie sich im einstelligen Prozentbereich. Dem gegenüber stehen hohe Betriebskosten. Immerhin sind Verlustzuweisungen steuermindernd.
Innerhalb einer knappen Woche hat nun der Axel Springer Verlag Unternehmensbeteiligungen mit dem Otto Versand und der hoch defizitären Telekomtochter T-Online abgeschlossen. Demnächst gibt es das Internetportal »bild.t-online.de«. Mit dem ZDF hat sich T-Online ebenfalls zusammengetan und angekündigt, ein Portal namens »heute.t-online.de« ins Netz stellen zu wollen. Unisono wird verkündet, Technologie und Content gingen eine »einzigartige Verbindung« ein. So begründet auch die Programmierfirma SAP ihre Verbindung zu Yahoo.
Die Medienkonzerne versuchen, sich mit immer stärker zielgruppenspezifisch ausgerichteten Titeln ihren Anteil am Markt zu sichern. Im Verbund mit anderen Konzernen wird die Strategie dann aufs Internetgeschäft übertragen. Es geht um die Sicherung von geringen, aber geldwerten Marktanteilen.
günter frech
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