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Nr. 16/2001 - 11. April 2001
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Schlingensief dreht weiter durch

Das Schlingensiefsche Deutschlandprogramm geht weiter. Nach der Deutschlandreise, nach der Afrika-Reise, wo er den Ring der Nibelungen in den Sand setzte, und nach dem Kameradschaftsabend in der Berliner Volksbühne kommt nun Naziline, das Resozialisierungsprogramm für Naziskins. Zunächst gibt es nur eine Homepage (www.naziline.com) mit mehr oder weniger gekaperten Inhalten - eine der Seiten, die vor allem davon leben, eine Linksammlung zur Verfügung zu stellen, von der NPD über das Innenministerium bis zu Siemens und dem Netz gegen Rechts. Angekündigt ist auch eine Zusammenarbeit mit dem Nazi-Aussteigerprogramm des Innenministeriums. Auf der Homepage kann man sich als Nachwuchsnazi bewerben, wenn man bei Schlingensiefs »Hamlet«-Inszenierung am Schauspielhaus Zürich mitmachen möchte. Denn neben kleinen Nachhilfestunden, die den Skins erteilt werden sollen, wie ein Besuch in der Börse, um zu erklären, was es mit dem raffenden und schaffenden Kapital wirklich auf sich hat, will Schlingensief sie in Schauspielgruppen spielen lassen, mit denen Hamlet seinen Stiefvater konfrontiert. Hat das etwas zu bedeuten? Sollen wir uns wirklich Gedanken machen?



Libeskind nachgebaut

Daniel Libeskind ist empört. Das Museum der australischen Stadt Canberra will offensichtlich das von ihm entworfene Jüdische Museum von Berlin nachbauen lassen. Libeskind sagte im Bayerischen Rundfunk, diese Planungen seien »einfach absurd und unethisch«. Verantwortlich für den Bau ist der australische Architekt Howard Raggat, der auch tatsächlich zugibt, sich die Zick-Zack-Form des Berliner Gebäudes zum Vorbild für seinen Entwurf genommen zu haben. Allerdings besteht er darauf, dass auch in den Sechzigern schon so gebaut wurde und dass Libeskind von der »Land Art« beeinflusst worden sei. Diese Einwände lässt Libeskind nicht gelten. Trotzdem will er auf rechtliche Schritte verzichten, weil er die Arbeit des Museums schätze. Aber was sollten die Verantwortlichen auch machen? Das Ding nicht bauen? Ein paar Ecken abrunden? Die interessantere Frage ist ohnehin, was denn eigentlich in dem Museum ausgestellt werden soll. Die Geschichte der jüdischen Community von Canberra? Kunstschätze der Aborigines? Aber darüber geben die Agenturmeldungen leider keine Auskunft.



Sopranos verklagt

Für politische Korrektheit sind wir immer zu haben. Manchmal allerdings nicht. Etwa wenn die American Italian Defense Association die Produzenten der Mafia-Fernsehserie »The Sopranos« wegen Beleidigung verklagt, weil sie die italienische Community als Gangster darstelle. Wo soll das hinführen? »Der Pate« auf den Index? »Stacheldraht und Hasenfüße« wegen Deutschendiffamierung absetzen? Aber das ist noch nicht alles: Der Anwalt der Organisation, Enrico Mirabelli, begründet die Beleidigungsklage damit, er kenne keine italienische Mutter, »die versucht, ihren Sohn ermorden zu lassen. Das ist unrealistisch. Eine solche Familie gibt es nicht.« Es gehe nicht um Geld, sagt er, »wir wollen einen Sieg der Moral«.



Turkmenistan fördert die Leitkultur

Die Leitkulturdebatte ist jetzt auch in Turkmenistan angekommen. Der Präsident der ehemaligen Sowjetrepublik, Saparmurat Nijasow, hat das einzige Opernhaus des Landes geschlossen. Das Theater in der Hauptstadt Aschgabad spiegele nicht die Mentalität des Volkes wider, sagte Nijasow der Zeitung Neutralnij Turkmenistan. Als Ersatz wird von ihm nun ein Musik- und Dramentheater eingerichtet, das zeitgenössische turkmenische Autoren spielen soll. Schon vorher hatte Nijasow die westliche Musik- und Tanzkunst in der zentralasiatischen Republik als wesensfremd verboten. »Man darf nicht Kultur fördern, die an einem fremden Ort entstanden ist, man muss die Nationalkultur pflegen«, sagte der Präsident nach der Unterzeichnung des Erlasses über die Auflösung der Oper und des Ballett-Theaters in Aschgabad.



Revolution oder Rock

Vor einigen Jahren, die deutsche Regierung war noch in Bonn und in Ostberlin bröckelte die eine oder andere Fassade, prognostizierte das US-amerikanische Internet-Zentralorgan Wired, im Moment sei es vielleicht hip, eine Adresse in Berlin zu haben, in wenigen Jahren werde sich das aber ändern. Wer einen Unterschied machen wolle, werde sich dann Havanna in den Briefkopf schreiben. Weise Worte. Zwar kann sich keine Internet-Firma mehr überflüssige Fi-lialen leisten, aber der Sound der Old Economy holt sich seine Hipness zunehmend in Kuba ab. Die neue Pflichtadresse für Rockbands, die dem Kapitalismus kritisch gegenüberstehen, heißt Havanna. Am 19. Mai werden etwa die Toten Hosen auf der Plaza Antiimperialista in Havanna ein Gratiskonzert geben. »Opio Para El Pueblo« steht auf den Plakaten, die »Los Pantalones Muertos« auf Kuba ankündigen. Doch die Toten Hosen sind nicht die einzigen: Auch die Manic Street Preachers gaben in der vergangenen Woche ein großes Konzert in Havanna. Ein Konzert, aus dessen Backstagebereich folgender denkwürdiger Dialog kolportiert wird. Der Bassist der Band: »Das wird laut heute abend.« Fidel Castro: »Auch nicht lauter als Krieg.«



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