Wir alle sind Klone aus dem All
Der Wanderpokal für die irrsten Spinner der Woche geht an die Mitglieder einer Sekte, die sich die Raelianer nennen. Sie erregten in der vergangenen Woche Aufsehen, weil sie ankündigten, sie würden nun dazu übergehen, Menschen zu klonen. Das wäre an sich noch nicht so richtig irre, das kündigen ja alle paar Tage irgendwelche Wissenschaftler an. Aber das Glaubenssystem der Raelianer verdient eine eingehendere Würdigung. Die Raelianer glauben, der Ursprung der Menschheit gehe auf hoch entwickelte außerirdische Biowissenschaftler zurück. Wir Menschen seien nichts anderes als deren Klonprodukte. Hinweise, sogar Beweise dafür finden sie in allen gängigen religiösen Schriften zwischen Bibel und Koran und in geschichtlichen Dokumenten, die sich deshalb auch gar nicht widersprechen, sondern im Grund ein und dasselbe seien.
Wie alle ernsthaften religiös Überzeugten, wissen die Raelianer Glauben und Geschäft auf das Vortrefflichste zu verbinden. Deshalb haben sie eine Firma begründet, Clonaid. Diese Firma will nun klonen. Deshalb werde gerade an dem Entkernen von menschlichen Zellen herumgewerkelt. Das ist aber noch lange nicht alles. Clonaid bietet zum Beispiel gentechnisch erzeugte Kinder an, deren Aussehen nach Wünschen der Mutter gestaltet werden kann. In der Zukunft plant Clonaid die Produktion von fertigen Körpern beliebigen Alters. Jedem Körper sollen dann Geist und Charakter eines Sterbenden eingepflanzt werden. Wie das genau gehen soll, hat Clonaid noch nicht angekündigt.
Kunst macht gut
Es war schon immer ein probates Mittel, sich in ein günstiges Licht zu stellen, wenn man viel Geld und ein Image-Problem hat: Man gründet eine Stiftung und stiftet ein Museum. Das ist ja auch etwas Schönes, so ein Museum, und auch eine Stiftung, die Gelder dafür zur Verfügung stellt, dass sich Leute Gedanken machen, wie man die Welt verbessern kann - dagegen kann man eigentlich nichts einwenden. Manchmal ist die Dreistigkeit, mit der Figuren des öffentlichen Lebens Philanthropie vortäuschen, um sich bestimmten Fragen nicht stellen zu müssen, aber trotzdem ärgerlich. Etwa im Fall von Friedrich Christian Flick. Der lässt gerade ein altes Industriegebäude in Zürich umbauen, um dort seine Kunstsammlung zeigen zu können. Flick wird vorgeworfen, er habe seine Sammlung mit »Blutgeld« zusammengekauft, das Familienvermögen sei schließlich im Dritten Reich angehäuft worden, nicht zuletzt durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern, die für die Flickschen Rüstungsunternehmen arbeiten mussten. Doch Flick sieht das anders: Durch den Krieg sei ein Großteil des Familienvermögens zerstört worden, außerdem sei sein Großvater als Kriegsverbrecher von dem Nürnberger Tribunal bestraft worden. In den Fünfzigern sei von der Familie aufgebaut worden, was er in den frühen Sechzigern geerbt habe. Selbst das sei nicht so viel gewesen, wie immer wieder kolportiert werde. Langer Rede kurzer Sinn: Flick gab bekannt, er sehe keinen Grund, der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft beizutreten. Stattdessen werde er eine Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz begründen und mit zehn Millionen Mark ausstatten.
Alle Macht den Niedrigpreisen
Während sich in Europa und den USA die Verantwortlichen der Plattenfirmen immer neue Konzepte überlegen, wie man Geld von den Musikkonsumenten verlangen könnte, die sich ihre Stücke aus dem Netz laden und deshalb keine CDs mehr kaufen, geht Malaysia einen anderen Weg. Hier werden demnächst die CD-Preise um die Hälfte gesenkt. Das hat allerdings nichts mit dem Internet zu tun, sondern liegt an den Raubkopier-Start-Ups, die überall ihre Waren anbieten. Um billigen Raubkopien ihre Attraktivität zu nehmen, will deshalb der malaysische Tonträgerverband RIM mit Billigangeboten locken. Nach Angaben der malaysischen Lokalzeitung Star Daily haben Sony Music, EMI und Warner den Plänen des RIM bereits zugestimmt. Danach sollen im Rahmen eines Tests zuerst 200 Titel um die Hälfte billiger angeboten werden. Was bedeutet, dass man in Malaysia statt bisher 38 Ringgit (22 Mark) für eine CD nun nur noch 19,90 Ringgit (11,50 Mark) bezahlen muss.
Alles beim Alten bei Wagners
Alle wollen ihn loswerden, Wolfgang Wagner, den Leiter der Bayreuther Festspiele und Herrscher über das einzige Opernhaus der Welt, das seit seiner Entstehung in Familienbesitz ist und es auch immer bleiben wird. 81 Jahre ist er alt, seit 1966 hat er seinen Posten, Siegfried und Wieland hießen seine Vorgänger. Der Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung will ihn loswerden, der Rest der Familie will ihn loswerden, und auch die Medien würden einen weniger senilen Intendanten lieber sehen als Wolfgang Wagner. Aber er hat einen Vertrag auf Lebenszeit. Nun hat der Stiftungsrat, ein Gremium, in dem der Bund und das Land Bayern mit je fünf, die Stadt Bayreuth mit drei Stimmen vertreten sind, eine Nachfolgerin bestimmt. Eva Wagner-Pasquier, die Tochter von Wieland, der 1966 starb. Sie hat sich seit langem mit Wolfgang überworfen. Nicht zuletzt deshalb, weil Wolfgang als Nachfolgerin eigentlich nur Gudrun akzeptiert, seine Ehefrau. Wenn Wolfgang weiter stur bleibe und seinen Posten nicht räume, kündigte der bayrische Kultusminister Hans Zehetmair an, werde er ihm den Mietvertrag kündigen. Gegen einen Vertrag auf Lebenszeit ist aber nicht gut intrigieren. Im Grunde bleibt Zehetmair nur eine Lösung, will er sich nicht bis ans Ende seiner Tage mit Wolfgang Wagner herumärgern: Er sollte ihn umbringen lassen. Andere Länder haben für solche Spektakel Königshäuser.
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