Heiße Ostern
Schön ist es nicht, wenn man im Urlaub ständig befürchten muss, dass neben dem Sonnenstuhl eine Bombe hochgeht. Diese Ängste machte sich die baskische Untergrundorganisation Eta zunutze und drohte kurz vor den Osterferien mit neuen Anschlägen in Touristengebieten. In einer am letzten Freitag veröffentlichten Erklärung warnte sie vor allem die Europäer davor, ihren Urlaub auf der Halbinsel zu verbringen. Die Eta trifft damit die spanische Wirtschaft an einer empfindlichen Stelle, denn die Tourismusindustrie gilt als wichtigste Branche des Landes. Vor allem Deutsche lassen sich in Spanien gern die Sonne auf die blasse Nase scheinen. Über elf Millionen haben Spanien im letzten Jahr heimgesucht. Das Auswärtige Amt in Berlin lässt es sich daher auch nicht nehmen, Urlaubern kluge Ratschläge zu erteilen. In Merkblättern, die an den Mautstationen der spanischen Autobahnen ausliegen, rät das deutsche Außenministerium, nur an Raststätten zu pausieren und die Pause so kurz wie möglich zu gestalten. Und damit die deutschen Touristen unter sich bleiben, werden sie zudem angehalten, Unbekannten nicht zu trauen.
Opfer für die Nation
Die türkische Bevölkerung sieht offenbar nicht ein, dass alle Bürger ihres Landes »Opfer« bringen sollen, wie es der neue Wirtschaftsminister Kemal Dervis, einst ein Experte der Weltbank, angesichts eines rigiden Sparprogramms formulierte, das der IWF der Türkei auferlegt hat. Opferbereitschaft bedeute auch, dass Lohnforderungen zurückgestellt werden, erläuterte Dervis. Am Samstag kam es wegen der geplanten Maßnahmen kurz vor einem Treffen zwischen Regierungs- und Gewerkschaftsvertretern zu Großdemonstrationen in Ankara und Istanbul. Gewerkschaftsfunktionäre kündigten weitere Protestaktionen und Warnstreiks an. Mit dem so genannten wirtschaftlichen Reformprogramm des IWF soll die jüngste Finanzkrise beendet werden, die eine massive Abwertung der türkischen Lira zur Folge hatte. Daraufhin fror der IWF zugesagte Kredite vorläufig ein. Eine Aufhebung der Sperre knüpfte der Fonds an die Verabschiedung des Sparprogramms. Das Programm diene lediglich der Bedienung des Schuldendienstes und nicht der Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Türkei, kritisierten Sprecher der Gewerkschaften.
Verrat an Europa
Der Verkauf sei ein »Verrat« an Europa und bedeute das Ende einer gemeinsamen europäischen Wehrindustrie. Die Bundesregierung in Berlin war empört, nachdem sie erfahren hatte, dass der staatliche spanische Rüstungskonzern Santa Barbara an das US-Unternehmen General Dynamics verkauft wird. Am vergangenen Freitag hatte die spanische Regierung der Übernahme des maroden Betriebs zugestimmt, um den sich auch die deutschen Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall gemeinsam beworben hatten. Das US-Unternehmen will zwar nur fünf Millionen Euro zahlen, versprach aber, in den nächsten Jahren insgesamt rund 60 Millionen Euro zu investieren und die über 2 000 Arbeitsplätze zu erhalten. Außerdem soll das US-Verteidigungsministerium spanischen Betrieben nach Angaben des Spiegel lukrative Aufträge versprochen haben.
Der Deal ist besonders brisant, da Santa Barbara mit einer Lizenz von Krauss-Maffei insgesamt 235 Leopard II Panzer für die spanische Armee bauen soll. Die deutsche Bundesregierung und Krauss-Maffei befürchten, dass General Dynamics nur an dem Unternehmen interessiert ist, um in den Besitz der geheimen Leopard-Technologie zu gelangen. Zwar unterzeichneten die Spanier vor dem Verkauf ein Abkommen, das die Weitergabe der betreffenden Daten unter Strafe stellt. Doch die Einhaltung des Abkommens sei nur sehr schwer zu überprüfen, sagte ein Sprecher von Krauss-Maffei.
Ein Herz für Tiere
Nichts geht dem britischen Premierminister Tony Blair so ans Herz wie das Wohl der Tiere - und die Wählerstimmen aus den ländlichen Bezirken. Nun will er wegen der Maul- und Klauenseuche vermutlich sogar die geplanten Unterhauswahlen am 3. Mai um einen Monat verschieben. Die Boulevardzeitung The Sun berichtete am vergangenen Samstag, dass sich Blair für einen neuen Termin entschieden habe. Er wolle nicht den Eindruck erwecken, der Wahlkampf sei ihm wichtiger als der Kampf gegen die Seuche. »Die Medien konzentrieren sich auf die Wahl, der Premierminister ist hundertprozentig auf die Maul- und Klauenseuche konzentriert«, beteuerte eine Sprecherin von Blair. In den letzten Wochen hatten vor allem die konservative Opposition sowie einige anglikanische Bischöfe eine Verschiebung der Wahlen gefordert.
Stalins Welt
Von gestressten Managern weiß man, dass sie bereit sind, für viel Geld fast jeden Quatsch mitzumachen, um sich zu entspannen. Beliebt ist vor allem die authentische Grenzerfahrung in so genannten Survivalcamps. Dort lässt man sich beispielsweise leicht bekleidet und mit unzureichender Versorgung in unwegsamem Gelände aussetzen. In Litauen können nun auch weniger Betuchte eine besondere Form des Grauens nacherleben. Für einen Dollar und 25 Cent stehen seit dem ersten April jedem die Tore zu einem Themenpark offen, in dem - finanziert von dem litauischen Millionär Viliomas Malinauskas - der Gulag einschließlich Wachtürmen und Statuen sowjetischer Helden nachgebildet wurde. Malinauskas' ursprüngliches Vorhaben, die Besucher an der letzen Bahnstation vor »Stalins Welt« in Viehwaggons zu sperren und in dieser Form schon den Transport zum Erlebnis zu machen, wurde jedoch vom litauischen Kulturminister verboten.
Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Tel. ++ 49-30-61 28 27 31
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail:
redaktion@jungle-world.com