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Nr. 15/2001 - 04. April 2001
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In Zeiten größter Not bringt der Mittelweg den Tod. So viel ist klar, und die Zeiten sind ja tatsächlich so, dass althergebrachte Lösungen die Lage nicht unbedingt verbessern würden: BSE-Hysterie, Atommülltransporte, Leitkultur- und Nationalstolz-Debatten können einem zwar die Laune verderben, patente Gegenstrategien bringt die miese Stimmung aber noch lange nicht hervor. Oder, im Duktus des vereinten Deutschland ausgedrückt: Die linke Utopie ist tot.

Zumindest hat sie schon länger keiner mehr gesehen. Selbst Linke nicht. Und es ist ja auch kein Wunder, stürzte mit dem Kollaps des Realsoz die autoritär orientierte Linke doch ebenso in den Orkus der Geschichte wie die autonom, ökologisch oder sozialrevolutionär verfassten Grüppchen - wenn auch aus anderen Gründen, die zu schildern die Dringlichkeit des aktuellen historischen Moments leider nicht zulässt. Nur so viel: Die schärfsten Sprüche reißt inzwischen der Bundesumweltminister, und die Nazis haben uns die Parolen geklaut.

Neue Slogans braucht daher das Land. Sich umschauen und zuhören müssten radikale Linke wieder, um die Verhältnisse auf den Punkt zu bringen. Denn nur so können sie eines Tages vom Kopf auf die Füße gestellt werden.

Ein erster Schritt wäre es natürlich, einen Blick ins Ausland zu werfen. Nach Jugoslawien zum Beispiel, wo immer noch am meisten los ist. »Slobo, wir wissen, wo dein Auto steht, fahr' Bus und Bahn!« sollen Gegner des verhafteten Ex-Präsidenten in Belgrad während der 26stündigen Belagerung seiner Villa skandiert haben. Sowas hört man hierzulande nur in Fußballstadien.

Aber auch kollektives Fastenwandern durch das Vogtland wäre eine Alternative. »Werdau, Nazinest, wir wünschen dir die Beulenpest«, ließe sich gut gelaunt skandieren, um so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Lage in den national befreiten Zonen würde ebenso ins Visier genommen wie die ungleiche Verbreitung von Krankheiten und sozialen Krisen in der Bundesrepublik. Wenn nicht gar in der ganzen Welt.

Denn trotz allen Elends ist eines auch mehr als zehn Jahre nach dem Fall von Mauer und Sowjetunion gewiss: Die Grenze verläuft nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen oben und unten. Falls Sie über weitere Erkenntnisse verfügen, die den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Depression auklären könnten, freut sich über Ihre Zuschriften: Jungle World.



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