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Nr. 14/2001 - 28. März 2001
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Mehr Verständigung muss her

Veranstaltungen wie die Leipziger Buchmesse laden dazu ein, Sonntagsreden zu halten. Eigentlich ist die Messe überflüssig - in einer wirtschaftlichen Messe-Logik gedacht -, das wissen die Verlage auch, deshalb sind sie nur mit ganz kleinen Ständen vor Ort. Es ist aber eine Buchmesse, hier wird nicht mit profanen Produkten wie Mähdreschern oder Gummistiefeln gehandelt, es geht um Bücher, also um geistige Güter. Deswegen finden alle die Leipziger Buchmesse ganz besonders schön, weil sie ja dadurch, dass dort keine Geschäfte gemacht werden, endlich die Literatur selbst zur Geltung kommen lasse. Nicht so wie in Frankfurt, wo alle immer nur hin- und herhetzen. Deshalb gibt es die Veranstaltung »Leipzig liest«, wo Autoren aus ihren Büchern vorlesen und wo es immer rappelvoll ist. Und deshalb gibt es auch den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung, den immer irgendein Schriftsteller bekommt, der dann in seiner Sonntagsrede irgend etwas zu bedenken gibt. Dieses Jahr hat der Italiener Claudio Magris den Preis bekommen. Sein Vorschlag zur Förderung der europäischen Verständigung: Eine europäische Tageszeitung muss her. Das könne dem Zusammenwachsen förderlich sein. Ein Vorschlag von bestechender Logik und souveräner Größe: Prima Jobs für alle, die die Verständigung dann organisieren, Freude für jeden Europäer, der morgens an den Kiosk geht und dort gleich Völkerverständigung herumliegen sieht, und ab und zu werden Schriftsteller zu Redaktionsgesprächen eingeladen. Warum die europäische Tageszeitung, die es schon einmal gab, The European, eigentlich pleite gemacht hat - zu viel Wirtschaftsteil? Zu wenig Sonntagsredennachdrucke?



Stiftung Lesen informiert

Die Leipziger Buchmesse ist auch noch zu etwas anderem gut: Dass Institutionen wie die Stiftung Lesen die Ergebnisse ihrer Studien vorlegen. Viele Daten, die Kulturpessimisten und -optimisten gleichermaßen zufriedenstellen. Wie steht es um das »Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend«? Zum einen werden diejenigen, die mindestens einmal am Tag ein Buch aufschlagen, immer weniger: 16 Prozent der Befragten waren es 1992, jetzt sind es nur noch neun Prozent. Dafür lesen die, die viel lesen, aber immer mehr. Schrumpft die Info-Elite? Die Zahl derer, die alle zwei Wochen ein Buch lesen, stieg dafür von sechs auf zehn, genauso wie die Zahl derer, die nie lesen: 20 Prozent der Beftragten waren es vor acht Jahren, nun sind es 28 Prozent. Eines werden die Kulturpessimisten allerdings von nun an nicht mehr behaupten können: dass die Computer dazu führten, dass Leute nicht mehr lesen. Im Gegenteil, wer Informationen haben will, der holt sie sich. Der Computer mache die Leute nicht passiv, teilte die Stiftung Lesen mit. Um allerdings hinzuzufügen: Wer heute liest, liest nicht mehr so genau, wie noch vor acht Jahren. 31 Prozent der Leser und Leserinnen gaben an, manchmal Seiten zu überblättern oder nur das zu lesen, was sie interessiere. Das hatten vor acht Jahren nur elf Prozent zu gestehen gewagt.



Topografie des Terrors wird gebaut

Eigentlich hätte das Gebäude schon 1998 fertig werden sollen. Der Bau des Schweizer Architekten Peter Zumthor für die Ausstellung Topografie des Terrors, auf einer Brache in der Berliner Wilhelmstraße, wo bis 1945 die Gestapo und die SS ihre Zentralen hatten. Vergangene Woche einigten sich der Berliner Bausenator Peter Strieder und der Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin darauf, dass die Stadt Berlin und der Bund jeweils die Hälfte der Kosten übernehmen werden. Vorausgegangen war ein jahrelanges Hin und Her. Erst sollte das Bauwerk 35 Millionen Mark kosten, dann 50 Millionen, dann 70 Millionen und dann 90 Millionen. Das war im vergangenen Herbst. Nun hat ein Expertengremium einen Plan vorgelegt, wie sich die Kosten reduzieren lassen, und herausgekommen ist, dass das Gebäude nun 76 Millionen Mark kosten soll: Zumthor kriegt weniger Geld, die Betonfirmen kriegen auch weniger Geld, und die Betonstäbe werden nicht verkantet, sondern verschraubt. Gegen Ende des Jahres soll der Baustopp aufgehoben werden. Allerdings hat Nida-Rümelin die Einschränkung geltend gemacht, er werde nur bezahlen, »für den Fall, dass sich die gegenwärtigen Kostenansätze als realistisch erweisen«. Wenn es also teurer wird, verzögert sich wieder alles.



Impfstoff gegen Kokain

Einen ganz neuen Vorschlag zur Förderung der Polytoxikomanie unternimmt Die Zeit. Sie berichtet, dass es einem amerikanischen Forscherteam vom Scribbs Research Institute in San Jolla, Kalifornien, zum ersten Mal gelungen sei, erfolgreich einen Impfstoff gegen Kokain an Ratten zu testen. Das Immunsystem der Tiere erkenne Kokainmoleküle und bilde Abwehrstoffe. Diese Antikörper würden das Kokainmolekül zerschneiden und somit neutralisieren. Die Wirkung halte zwei Monate vor. Wie sich die Forscher die Anwendung beim Menschen wohl vorstellen? Ob sie tatsächlich glauben, Kokser würden sich das Zeug spritzen lassen? Oder sich den Schuss gar selbst setzen? Wo doch allgemein bekannt ist, dass an harten Drogen nichts abschreckender ist als die Vorstellung, sie spritzen zu müssen. Soll hier eine Hemmschwelle gesenkt werden? Jemand der schnupft, also dazu angehalten werden, es einmal mit der Spritze zu probieren? Fast sieht es so aus, als wolle die Pharma-Industrie die Rolle derjenigen übernehmen, die immer sagen: Hör mal - schnupfen und spritzen, das ist ein Unterschied wie Instant-Kaffee und Espresso.



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