Jungle World Banner
Nr. 13/2001 - 21. März 2001
Im Archiv suchen:
Inhalt
Interview
Disko
Inland
Antifa
Euro
Dossier
International
Feuilleton
Heim & Welt
Medien
Sport
Junk Word
Rubriken
Nachrichten
Inland
Nachrichten
Euro
Nachrichten
International
Nachrichten
Feuilleton
Deutsches
Haus
action
Alternative Lebensformen
Sonstiges
Archiv
Jungle Abos
Impressum
Jungle World in Österreich
Neu: Kleinanzeigen
Ausgewählte
Texte und Vorträge
E-Mail
Redaktion
Webmaster

Exxon macht Ferien

Ein neuer Schlag für die schwächelnde indonesische Wirtschaft: Exxon Mobil fördert nicht mehr in der Provinz Aceh. Nach Angaben des US-Konzerns machen die Kämpfe zwischen der indonesischen Armee und separatistischen Rebellen kontinuierliches Arbeiten unmöglich. Daraufhin erklärte der Sicherheitsminister Susilo Bambang Yudhoyono am Wochenende in Jakarta, mehr als 2 000 Soldaten seien im Einsatz, um die Arun-Gasfelder, die Anlagen und das Personal zu schützen. »Wir wollen, dass die Produktion so schnell wie möglich wieder aufgenommen wird.«. Der Export von verflüssigtem Gas nach Japan und Südkorea ist eine wichtige Devisenquelle für den indonesischen Staat. Die Äußerungen des Ministers wurden als Versuch gewertet, Druck auf Exxon auszuüben, weil einige Beobachter die Einstellung der Produktion als Versuch der USA werten, die angefochtene Position des Präsidenten Abdurrahman Wahid weiter zu unterminieren. Diese Behauptung wiederum wurde von US-Diplomaten in Jakarta zurückgewiesen.



Marsch durch die Institutionen

Nachdem die Zapatistas mit ihrer Forderung, vor dem mexikanischen Bundeskongress zu sprechen, vorerst gescheitert sind, wollen sie nun vor das Europäische Parlament ziehen. Zuvor hatte die EZLN am Dienstag vergangener Woche eine formlose Einladung zu einem Treffen mit zwanzig Abgeordneten des Kongresses als beleidigend abgelehnt. Subcomandante Marcos betonte, dass man mit allen Parlamentariern sprechen wolle. Die EZLN interpretiert die Weigerung vieler Kongressabgeordneter, an den Verhandlungen teilzunehmen, als einen Sieg der Hardliner. Diese versuchten, den Dialog zu verhindern. Ein Nahziel der Zapatisten ist die Umsetzung eines Abkommens für mehr Rechte der indigenen Bevölkerung. »Wenn der Bundeskongress uns nicht anhören will, ist vielleicht das Europäische Parlament dazu geneigt«, sagte Marcos am letzten Donnerstag vor der Presse. Gleichzeitig kritisierte er die Wiederaufnahme von Militärbewegungen in Chiapas.



Erfolgreicher Testflug

Fliegt sie, oder ist sie einfach Schrott? Das herauszufinden war die Aufgabe der peruanischen Untersuchungskommission, die am Dienstag vergangener Woche den Testflug einer MiG-29 beobachtete. Die Regierung Fujimori hatte russische Kampfflugzeuge dieses Typs unter korruptionsverdächtigen Umständen angeschafft; insbesondere Vladimiro Montesinos, der zu Fujimoris Zeiten den Geheimdienst leitete, soll an dem Geschäft gut verdient haben. Der Test verlief erfolgreich: Der Pilot katapultierte sich mit dem Schleudersitz aus der MiG, das Flugzeug krachte in ein Reisfeld. David Waisman, der Vorsitzende der Untersuchungskommission, hält die Flugfähigkeit der Maschinen seitdem für zweifelhaft.

Eine weitere Untersuchung könnte Fujimori mit Folter und Mord in Verbindung bringen. Drei Gräber in Lima wurden vergangene Woche geöffnet, um herauszufinden, ob einige der insgesamt 14 Besetzer der japanischen Botschafterresidenz bei der Erstürmung des Gebäudes im Jahre 1997 lebendig gefasst, dann aber gefoltert und umgebracht wurden. Fujimori hatte die Militäraktion geleitet und nach eigenen Angaben den Befehl zur »Neutralisierung« aller Besetzer gegeben.



Unfreiwilliger Pilgerflug

Der ehemalige tschetschenische Sicherheitsminister Aslanbek Arsajew war nicht, wie zunächst gemeldet, unter den drei Männern, die am 15. März ein russisches Verkehrsflugzeug mit 174 Passagieren entführten. Anhand von Videos wurden jedoch sein Bruder Sufian und sein Sohn Eriskhan identifiziert. Sie hatten das Flugzeug zur Landung in der saudi-arabischen Pilgerstadt Medina gezwungen und die Beendigung des Tschetschenien-Krieges verlangt. Nach 22 Stunden stürmten saudische Sicherheitskräfte die Maschine. Einem der Entführer gelang es noch, eine Stewardess zu ermorden, ein weiterer Entführer und ein Passagier wurden erschossen. Russland fordert nun die Auslieferung der Täter. Sprecher der tschetschenischen Separatisten distanzierten sich von der Entführung, der russische Präsident Wladimir Putin wertete sie als Bestätigung für die Notwendigkeit der »antiterroristischen Operation im Nordkaukasus«. Die russische Regierung spricht zwar von einer Normalisierung der Lage in Tschetschenien und hat nach offiziellen Angaben reguläre Truppen abgezogen, doch es gibt weiterhin fast täglich Angriffe auf russische Stellungen.



Taylor im Visier

Ed Royce, Vorsitzender des Unterkomitees für Afrika im US-Repräsentantenhaus, forderte am 14. März härtere Maßnahmen gegen den liberianischen Präsidenten Charles Taylor, da dieser weiterhin die regierungsfeindliche Revolutionary United Front (Ruf) in Sierra Leone unterstütze und das benachbarte Guinea destabilisiere: »Es ist Zeit, energisch gegen Taylor vorzugehen.« Die UN-Interventionstruppe Unamsil, so Royce, sei »unwilig und unfähig«, die Ruf aus den Diamantenabbaugebieten zu vertreiben; sie müsse »fundamental reformiert« werden; auch eine Militärhilfe für Guinea sei zu erwägen. Die Verantwortung für die Eskalation der Kämpfe in den Grenzregionen von Guinea, Liberia und Sierra Leone wird von den westlichen Staaten und dem UN-Sicherheitsrat allein Taylor angelastet. Eine am 8. März verabschiedete UN-Resolution verschärfte die diplomatischen Sankionen und das Waffenembargo gegen Liberia. Am gleichen Tag berichtete die sierra-leonische Tageszeitung Concord Times, Augenzeugenberichten zufolge hätten Soldaten aus Guinea nach einem Angriff auf die sierra-leonische Stadt Kasiri gefangenen Angehörigen der Ruf die Hände abgeschnitten.



Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Tel. ++ 49-30-61 28 27 31
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail: redaktion@jungle-world.com