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Nr. 12/2001 - 14. März 2001
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Aristoteles-Rollen entziffert

So unterschiedlich geht es auf der Welt zu: Während die Taliban moderne Technik benutzen, um Zeugen der Vergangenheit aus dem Weg zu räumen - mit automatischen Waffen schießen sie auf Buddha-Statuen -, geht der amerikanische Wissenschaftler Steven Booras den umgekehrten Weg. Mit Spezialkameras hat er 1 800 Papyrosrollen aus der antiken Ruinenstadt Herculaneum am Golf von Neapel entschlüsselt, teilt die italienische Zeitung La Republicca mit. Herculaneum liegt in der Nähe von Pompeji und war ebenfalls bei einem Ausbruch des Vesuv verschüttet worden. Bei Ausgrabungen waren die Schriftrollen zunächst für verkohlte Baumstämme gehalten worden, bis Wissenschaftler bemerkten, dass es in Wirklichkeit Schriften von Aristoteles, Epikur, Philodemus und Vergil sind. Ob es bisher unbekannte Schriften der Autoren sind oder ob es sich bei den Rollen um Ausgaben von schon bekannten Texten handelt, schreibt La Republicca leider nicht. Statt dessen heißt es dort, die Rollen seien in einem Anwesen gefunden worden, das dem Schwiegervater Julius Cäsars gehört habe. Ob wir also unser Bild der antiken Literatur revidieren müssen, bleibt weiter ungeklärt. Womöglich findet sich unter den Schriftrollen ja das Traktat von Aristoteles über das Lachen, das in Umberto Ecos »Der Name der Rose« einem Bibliotheksbrand zum Opfer fiel.



Girlpop - quo vadis?

Eine Epoche geht zu Ende, die Epoche der Girlgroups. So scheint es wenigstens, nachdem All Saints in der vergangenen Woche ihre Auflösung bekannt gaben und Mel C ankündigte, sie werde die Spice Girls verlassen. All Saints zerbrachen, weil sich die Appleton-Schwestern mit der Songschreiberin Shaznay Lewis verkrachten. Diese warf Nicole und Natalie vor, nichts zu können und nur mit ihren Popstar-Freunden um die Häuser zu ziehen. Die beiden Schwestern sagten, Shaznay unterschätze ihre kreative Energien. Mel C alias Sporty Spice stieg bei den Spice Girls aus, um sich auf ihre Solokarriere zu konzentrieren. Sowohl All Saints als auch die Spice Girls hatten im Herbst langweilige Alben herausgebracht, die niemand kaufen wollte. Das Interesse an ihren angekündigten Welttourneen ging gegen Null.

Das ist aber noch nicht alles. Denn all das gilt nur für England, in Deutschland sieht es ganz anders aus. No Angels, die Girlgroup, die aus der RTL2-Sendung »Popstars« hervorging, liegen seit Wochen auf Platz 1 der deutschen Verkaufscharts, »Daylight« ist die erfolgreichste Single seit Elton Johns »Candle In The Wind«. Ist das nun ein Widerspruch? Ist dies der deutsche Sonderweg? Womit haben wir es bei No Angels zu tun: ein weiteres Mal Typisierungs-Pop mit eindeutig verteilten Images und Projektionsflächen? Oder sind No Angels doch etwas anderes und fallen unter die neue Authentizität, da doch jeder, der einen Fernseher hat, zuschauen konnte, wie die Band entstand, sodass also die comichafte Überzeichnung durch echte Charaktere ersetzt wird? Die wiederum trotzdem comichaft überzeichnet sind?



Mars 2300

Wunderbare Welt der durchgeknallten Planspiele! In den Sechzigern gab es einmal eine Zeitschrift namens Hobby. Mitunter findet man sie heute noch auf Flohmärkten. Ihre Zielgruppe waren bastelnde Jungs, und ihr Programm sah etwa so aus: Wer heute dieses Radio selbst zusammenschraubt und kapiert, was ein Transistor ist, der - man blättert um - fliegt morgen zum Mars und baut dort Schwebebahnen, die die Erzabbaugebiete mit den industriellen Zentren verbinden. Das war in den Sechzigern. Eigentlich hätte es mittlerweile längst so weit sein müssen, aber dummerweise kamen so lästige Dinge wie das Ozonloch und der Treibhauseffekt dazwischen, die zuerst gelöst werden müssen, bevor man sich auf anderen Planeten ausbreitet. Nun scheint sich aber Folgendes zu ergeben: Sollte man den Mars tatsächlich besiedeln, müsste dort erst einmal die Temperatur erhöht werden. Und das macht man am besten, indem man dem Planeten einen Treibhauseffekt verpasst. Das sagt wenigstens Margarita Marinova vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie will mit künstlich erzeugten Perflourkohlenwasserstoffen (PCFs) die Mars-Temperatur erhöhen. Momentan liegt sie noch bei minus 55 Grad. Marinova stellt sich das so vor: In zwanzig Jahren wird es die erste bemannte Marsmission geben, dann werden dort PCF-Fabriken gebaut. »Nehmen wir an, wir haben 100 Fabriken, von denen jede die Energie eines Atomreaktors besitzt. Wenn alle Fabriken 100 Jahre arbeiten, dann können wir den Mars um sechs bis acht Grad erwärmen.« Das heißt, ungefähr im Jahre 2300 ist der Rote Planet bewohnbar.



Hera Lind ausgezeichnet

Wenn die Internationale Pianoindustrie auf dem Fankfurter Messegelände tagt - im Pianosalon der Internationalen Musikmesse -, dann wird nicht nur mit Stimmgabeln geworfen, wird nicht nur Red Bull getrunken, werden nicht nur Witze über das absolute Gehör gemacht, es werden auch Preise verliehen: etwa die Auszeichnung als »Klavierspielerin des Jahres«. Nikolaus Schimmel, der Vorsitzende des Fachverbands Deutsche Klavierindustrie, verlieh diese Auszeichnung an die Bestsellerautorin Hera Lind, weil sie als begeisterte Sängerin und Klavierspielerin dazu beigetragen habe, die Popularität des Musikmachens zu steigern. So habe sie gezeigt, wie viel Kraft und Entspannung man aus dem eigenen Musizieren ziehen könne. Lind bekam 6 000 Mark, die sie allerding einer Institution zur Förderung des Musizierens spenden muss. Vor Lind wurden bereits Michael Schanze und Gotthilf Fischer ausgezeichnet, sowie die ehemalige Jugendministerin Claudia Nolte, von der man gerne wüsste, was sie heute so treibt.



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