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Nr. 11/2001 - 07. März 2001
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Zahlen für den eigenen Tod

Alle bisherigen Gespräche ließ sie platzen, doch jetzt muss sich die deutsche Regierung trotzdem einer weiteren Klage auf Wiedergutmachung stellen: Der Zentralverband jüdischer Gemeinden in der Slowakei fordert eine Entschädigung für die Deportationsgebühr, die NS-Deutschland 1942 für jeden deportierten Juden von der slowakischen Regierung verlangt hatte. Wie Verbandsvertreter am letzten Mittwoch in Berlin mitteilten, wird die Klage am 28. März vor dem Berliner Landgericht verhandelt. Das Geld - fünfhundert Reichsmark pro Kopf - stammte aus den beschlagnahmten Vermögen der Deportierten. Angeblich sollte die Gebühr der Ansiedlung der Menschen im Osten dienen, fast alle der Deportierten starben jedoch in Konzentrationslagern. Mindestens 18 Millionen Reichsmark zahlte das damalige slowakische Regime für die Verschleppung von 57 837 Juden allein im Jahr 1942. Der Zentralverband will die Rückzahlungen für den Betrieb eines Altenheims für Überlebende des Holocaust und den Erhalt jüdischer Friedhöfe und Synagogen verwenden. Diese sind zu großen Teilen in sehr schlechtem Zustand, während, wie der Zentralverband mit Fotos belegen konnte, ein deutscher Soldatenfriedhof in der Slowakei perfekt gepflegt ist.



Glaubwürdige Referenzen

Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit hat in der vorigen Woche den bisherigen Vizepräsidenten der Weltbank, Kemal Dervis, zum neuen Wirtschaftsminister ernannt. Dessen Job dürfte es sein, die von Ecevit nach dem Ausbruch der Währungskrise angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen umzusetzen (Jungle World, 10/01). Die Überarbeitung des vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verordneten Stabilisierungsprogrammes für die Türkei steht dabei an erster Stelle. Der IWF unterstützt dieses Programm mit Krediten in Höhe von rund 11,4 Milliarden Dollar. Außerdem wird der neue Minister mit dem Währungsfonds über ein neues Hilfspaket verhandeln, das Mitte März vorgestellt werden soll. Mit der Ernennung von Dervis, der über gute internationale Kontakte verfügt, will die türkische Regierung das Vertrauen des IWF in die türkische Wirtschaft stärken und ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.



Schwaches Herz

Pepe Rei, der Chefredakteur der linksnationalistischen baskischen Zeitschrift Ardi Beltza (Schwarzes Schaf), wurde in der vergangenen Woche aus dem Madrider Alcala-Meco-Gefängnis in das Krankenhaus »Doce de octubre« verlegt, nachdem er zuvor über starke Schmerzen in der Brust geklagt hatte. Der herzkranke Rei musste sich in der Vergangenheit bereits vier Bypass-Operationen unterziehen. Seit dem 19. Januar saß er auf Anordnung des Richters Baltasar Garzon in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft Rei Unterstützung der Eta vor. Ardi Beltza habe »Personen zu potenziellen Kandidaten für Attentate« der Eta gemacht, weil sie in der Zeitschrift »denunziert und satanisiert« worden seien, rechtfertigte Garzon den Haftbefehl. Als Journalist soll Pepe Rei für die baskische Untergrundorganisation »anschlagsrelevante« Personen vor allem im Medienbereich ausspioniert haben (Jungle World, 5/01). Die Redaktionsmitglieder der Zeitschrift forderten die sofortige Freilassung ihres Chefs. Sie kritisierten, dass er trotz seines schlechten Gesundheitszustandes inhaftiert worden sei und ihm Delikte vorgeworfen würden, die er nie begangen habe.



Sonnenbrillen im Anmarsch

220 Millionen TouristInnen trampeln jährlich über griechische Ruinen, tunesische Strände und kroatische Inseln. Und in zwanzig Jahren könnte der Mittelmeerraum sogar 350 Millionen Reisende anziehen, lautet eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Prognose der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF). Kein Wunder, dass UmweltschützerInnen um das »beliebteste Ferienziel der Welt« bangen. Auch das deutsche Tourismusgeschäft boomt, wie die Internationale Tourismus-Börse in Berlin diese Woche zeigt. Nach Angaben von Klaus Laepple, dem Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbands (DRV), verzeichnete im letzten Jahr die Türkei den stärksten Zuwachs an deutschen UrlauberInnen. Die Deutschen kommen, die Tiere gehen - mehr als 500 Arten sind im Mittelmeerraum vom Aussterben bedroht. Wie sollten sich auch Mönchsrobben oder Karettschildkröten gegen echte Bierbäuche in Bermudas wehren?



Ein Herz für Hunde

Bukarest beherbergt von allen europäischen Großstädten die meisten Straßenhunde. Die rund 200 000 bellenden Stadtstreicher stellen für die nationalistischen Parteien inzwischen ein größeres Problem dar als die Straßenkinder. Weil Bürgermeister Traian Basescu ein Tötungsprogramm für die obdachlosen Tiere beschlossen haben soll, flog die radikale französische Tierschützerin Brigitte Bardot vergangene Woche in die rumänische Hauptstadt, um beim Staatspräsidenten Ion Iliescu zu protestieren. Sie schlug vor, den in Rumänien am 1. März begangenen Tag der Frau zum Tag des Hundes umzuwidmen. Außerdem sollten die eingefangenen Hunde nicht getötet, sondern gewaschen, entwurmt und kastriert werden, forderte BB. Angesichts der gravierenden ökonomischen Probleme der rumänischen Bevölkerung stieß die Sympathisantin des Front National auf Gleichgültigkeit. Basescu nahm allerdings ihre Spende von umgerechnet 185 000 Euro gerne entgegen.



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