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Nr. 10/2001 - 28. Februar 2001
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Ein Denkmal für die Exekutive IV

Hinter Gittern

Was wissen schon die Berliner von der Ersten Gewalt? Muntere Katz-und-Maus-Spiele mit der Staatsmacht am 1. Mai, dazu ein paar militärisch abgesicherte Staatsbesuche sowie die Ministerialbauten - allenfalls symbolische Orte der Exekutive - geben noch lange nicht das Material für ein Denkmal her. Ist doch der eigentliche Wesenszug der Ordnungskräfte in den Metropolen ihre Sanftmut, und die Beschwichtigung der Bürger im öden Alltag das oberste Gebot. Knöllchenbullen und Fußgängerbulletten stehen hier wie nirgendwo anders für die Praxis repressiver Toleranz, mit der der Staat in Frankfurt, Hamburg und Berlin die Klassenantagonismen in lifestylegerechte Formen zwängen lässt.

In die Provinz, nicht in die Hauptstadt gehört daher ein »Denkmal für die Exekutive«. Dort, wo die originäre Aufgabe der Exekutivkräfte - die Aufstandsbekämpfung - liegt, muss das Denkmal hin. Und wo in Deutschland, wenn nicht im niedersächsischen Wendland, sollte es stehen? Wie im umkämpften Peru trägt der Widerstand hier Streifen, quer zu Polizei, Politik und Schweinepresse verlaufen diese seit nun bald drei Jahrzehnten. Gekommen ist der Castor inzwischen zwar öfter als das x-te Mal, doch Bauern, Bürgerinitiativen und Proleten ließen sich davon nicht abhalten, den Bütteln der Bourgeoisie auf Straßen und Äckern immer wieder entgegenzutreten. Nirgendwo in Deutschland dürfte die Parole vom Widerstand, der sich nicht einsperren lässt, eher zutreffen als im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Kein Wunder also, dass die Charaktermasken in den Hinterzimmern der niedersächsischen Ministerialbürokratie ihren schmählichen Versuch, den Provinzprotest in Drahtkäfige zu sperren, letzte Woche zurückzogen. 36 »mobile Gewahrsamszellen«, die bereits in der Region aufgestellt waren, wurden von den Ordnungshütern wieder abgebaut. Dafür gehört ihnen ein Denkmal gesetzt. Mitten im Wendland. Und wie anders, als in Form eines Käfigs, könnte es gestaltet sein?


Herzlichen Dank für diesen Vorschlag an Canto di Pajaro aus Caracas/Venezuela. Weitere Entwürfe bitte per Post an die Jungle World oder per E-Mail an junkword@jungle-world.com



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