Öde Ödeme I
Aknemittel
Als pubertierender Jüngling hatte ich einen makellosen Teint. Aknepickel waren für mich ein Fremdwort. Mitleidig schaute ich den anderen Jungs bei ihrer Mutation zu Streuselkuchen zu. Dass damals nicht alle Mädchen der Schule auf mich flogen, kann nur daran gelegen haben, dass ich zum einen ein Spätentwickler war und zum anderen immer unglaublich hässliche Klamotten und Haarschnitte trug. Immerhin blieb mir die Rolle als Klassenclown. Und ich riss meine Späße nicht selten über die Pickel der anderen.
Genau zu dem Zeitpunkt, als die anderen wieder unter ihren Pickeln hervorkamen, fing es bei mir an. »Erwachsenenakne«, sagte mitleidig dreinblickend die Hautärztin, die erste, die ich kennenlernte. Als sich die anderen hässlichen Entlein also zu schönen Schwänen entwickelten, fing es bei mir rund um Mund und Nase an zu sprießen. Interessanterweise klappte es seitdem auch mit den Mädchen. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass ich mir eine vernünftige Frisur und ein paar ordentliche Klamotten zulegte.
Ich habe seitdem viele Hautärztinnen und -ärzte kennengelernt, eine/r inkompetenter als der/die andere. Wirklich, ich glaube als Hautmediziner brauchst du nur die richtigen Pickel mit der passenden Salbe zusammenzubringen, und schon bekommst du deine Approbation. Aber selbst dies gelang den wenigsten. Was ich alles für Salben, Tabletten und Püderchen gereicht bekam! Damit könnte man vermutlich 85 Prozent aller bekannten Krankheiten in Europa heilen. Meine Akne nicht.
Einmal verschlug es mich zu einem Hautarzt am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Der Typ war bestimmt schwul, denn ich musste mich komplett ausziehen, um ihm meine Akne im Gesicht zu zeigen. Egal, Hauptsache, er hat Ahnung, dachte ich. Und dann verschrieb er mir kameradschaftlich blinzeld ein Medikament, das er selbst mitentwickelt habe. Etwas ganz Besonderes, was gerade erst auf dem Markt sei. Ein wahres Wundermittel. Er hatte auch bunte Prospekte seiner Forschungsgruppe parat. Das Mittel sei aber sehr stark und man müsse es mit höchster Vorsicht anwenden. Und bloß nicht in die Augen, flüsterte er verschwörerisch.
Es handelte sich um ein Mittelchen namens Terzolin. Neulich - es sind etwa sieben Jahre vergangen, ich habe immer noch gelegentliche Akneanfälle - sah ich eine Werbung im Fernsehen. Terzolin, da war es wieder. Doch mein Wunderaknemittel wurde plötzlich als Anti-Schuppen-Shampoo für die ganze Familie gepriesen. Nichts von wegen Vorsicht und Pipapo. Ich bin dann gleich zu meinem Hausapothekenschränkchen geeilt. Und tatsächlich, da stand es noch, das Fläschchen vom Kreuzberger Doktor. Unangetastet. Denn das alles war mir damals schon unheimlich. In der Gebrauchsanweisung steht als Anwendungsgebiet: »seborrhoische Dermatitis und Kleienpilzflechte«. Nix Schuppen, nix Akne. Ich habe überlegt, das jetzt einfach mal auszuprobieren. Gegen meine Akne oder auch gegen meine Schuppen, die ich inzwischen habe. Aber leider ist die Haltbarkeit meines Fläschchens auf den 31. Dezember 1995 datiert. Vielleicht kann ich's ja noch als Blumendünger gebrauchen?! Denn dies muss ja ein wahres Wundermittel sein!
ivo bozic
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