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Nr. 09/2001 - 21. Februar 2001
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Jürgen Kiontke (Hg.): Working Class Hero Spezial (III)

Nürnberger Kindl

Für Robert Kurz (»zähe Arbeitsphobie«, junge Welt)

Stimmt an das Lied der hohen Braut,
die schon dem Menschen angetraut,
eh' er selbst Mensch ward noch.
Was sein ist auf dem Erdenrund,
Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!

Als er vertiert noch, scheu und wild,
durch schreckenvolles Urgefild
und finstre Wälder kroch,
wer gab dem Arm die erste Wehr?
Die Arbeit war's, noch roh wie er.
Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!

Als später der Familie Herd
Sich zur Gemeind', zur Stadt vermehrt,
wer unter Sklavenjoch
begann den Bau der ersten Stadt?
Das ist der Arbeit stolze Tat.
Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!

Sie ist's, die Meere überwand,
die alle Elemente spannt
ins harte Eisenjoch.
Doch ihre Mutter war die Not,
vergesst nicht, mündig, ihr Gebot!
Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!

Die Pyramide Cheops' zeugt,
welch drückend Joch sie einst gebeugt,
die Arbeit brach es doch.
Drum hofft, des Kapitales Joch,
die freie Arbeit bricht es noch.
Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!

Und wie einst Galilei rief,
als rings die Welt im Irrtum schlief,
»Und sie bewegt sich doch!«
So ruft: »Die Arbeit, sie erhält,
die Arbeit, sie bewegt die Welt!«
Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!

Zu diesem Lied schreibt Elke Mahlert von der Linksradikalen Liedertafel Nürnberg: »Der Text von Josef Zapf auf eine Melodie von Josef Scheu war das am meisten verbreitete frühe österreichische Arbeiterlied. Es wurde 1868 erstmalig von neunzig Sängern der neu gegründeten Liedertafel des Arbeiterbildungsvereins Gumpendorf vorgetragen. Der revolutionäre Sozialdemokrat Josef Scheu, Musiker am Wiener Burgtheater, hatte es als vierstimmigen Chorsatz komponiert. Karl Kautsky soll das Lied als 'gesungene Kulturgeschichte' bezeichnet haben. Josef Scheu sagte später einmal: 'Weil wir nicht von der internationalen revolutionären Sozialdemokratie sprechen durften, sangen wir: Hoch die Arbeit!'«


Wer Luft hat, soll singen. Noten in: Lieder der deutschen Arbeiterbewegung, herausgegeben von Elke Mahlert, Libresso-Verlag, Nürnberg 1997



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