Fernsehen in Gefahr
Noch existieren Fernsehen und Internet nebeneinander, und die beiden Medien kommunizieren höchstens darüber, dass Fernsehsender eine Homepage haben und Internetfirmen im Fernsehen Werbung machen. Wenn man aber Untersuchungen amerikanischer Marktforschungsinstitute zu Rate zieht, kommt man zu ganz anderen Szenarien. Die Firma Arbitron hat herausgefunden, dass immer mehr amerikanische Internet-User bereit wären, lieber auf den Fernseher als auf den Netzzugang zu verzichten. Für die Nutzer der Streaming-Technologie etabliere sich das Internet zunehmend als primäres Medium.
Der Cyber-Journalist
Sollten Fernsehen und Computernetzwerke in der näheren Zukunft verschmelzen, hat das natürlich Konsequenzen für den Journalismus. In Greg Egans Roman »Distress« etwa haben die Reporter der Zukunft sich ihr Aufnahmesystem in den Körper implantieren lassen, das Auge ist die Kamera. Bis es so weit ist, kann es aber noch eine Weile dauern - die nähere Zukunft wird uns zuallererst den Xybernauten präsentieren. Das US-Fernsehmagazin »Insight on the News« hat erste Probeläufe mit dem neuen Xybercasting-System aufgenommen, einer tragbaren Kamera-Computer-Übertragungskombination. Das muss man sich ungefähr so vorstellen: Am Gürtel hat der Reporter das Herzstück des Systems befestigt, einen Pentiumprozessor. Dieser Computer ist mit einem Touchscreen-Monitor verbunden, der gleichzeitig als Kontrollmöglichkeit für das dient, was gefilmt wird, und für das, was übertragen wird. Man kann das ganze Gerät aber auch über Sprachsteuerung bedienen, wenn man die Hände frei haben möchte. Dann schnallt man sich den Monitor an den Kopf, wo man ansonsten eine Kamera hängen hat, die sehr klein ist und über einen Reflektor ihr Bild direkt ins Auge projiziert, wobei der subjektive Eindruck eines 15-Zoll-Monitors erzeugt wird.
Grippe-Epidemie droht
So ausgestattet, können sich die Reporter dann der Berichterstattung widmen. Etwa über kommende Epidemien. Das Berliner Robert Koch-Institut hat nämlich in der vergangenen Woche einen Katastrophenplan gegen die Grippe vorgestellt. Die Experten der Arbeitsgruppe Seuchenschutz schließen nicht aus, dass in »absehbarer Zeit« - also bald!- mit einem »pandemischen Auftreten der Influenza gerechnet werden« müsse. Der Plan gehe davon aus, dass ein Virussubtyp auftreten könnte, gegen den die Mehrheit der Bevölkerung nicht immun ist. Jeder vierte Deutsche werde infiziert, bis zu 120 000 Menschen könnten sterben.
Übersetzungscomputer entwickelt
Das ist aber noch nicht alles. Was macht der Reporter, wenn er in ein Land geschickt wird, dessen Sprache er nicht spricht, von wo aus er zwar mit seinem neuen Xybercasting-System alles übertragen kann, aber nicht versteht, was ihm die Menschen sagen, die er filmt? Dafür hat die US-Army einen tragbaren Simultan-Übersetzungscomputer entwickelt. Das Gerät heißt »wearable translator« und wiegt vier Kilo. Man trägt es ebenfalls am Gürtel und gibt die Worte per Mikrofon ein, das an einem Headset befestigt ist. Das Gerät soll nicht nur in der Lage sein, Worte zu erkennen und zu übersetzen, es soll sie auch im Zusammenhang eines Textes erkennen und Phrasen und Wortwendungen richtig interpretieren können. Die US-Army kündigte an, dass das Gerät aus dem Englischen ins Deutsche, Französische, Spanische und Italienische übersetzen werde. Außerdem werde an Software für Bosnisch, Koreanisch, Arabisch und Thailändisch sowie Mandarin-Chinesisch gearbeitet.
Nida-Rümelin zum Stand der Dinge
Wenn es ganz schlimm läuft und sich weder in Bosnien oder im Nahen Osten noch in Korea oder China etwas tut, könnte man allerdings auch versuchen, diesen Sprachcomputer in Deutschland anzuwenden. Etwa wenn der neue Staatsminister für Kultur Julian Nida-Rümelin in der Süddeutschen Zeitung seine Gedanken über Genetik und Ethik und Klonen zu Protokoll gibt: »Die utilitaristische Bestimmung des intrinsisch Wertvollen ist jedoch ebenso wie die utilitaristische Rationalitätskonzeption (die Folgen des Handelns sind das allein Ausschlaggebende) defizitär. Dies habe ich in meiner ðKritik des KonsequentialismusÐ ausführlich begründet und dort vor allem auf drei Konflikte hingewiesen, die zwischen utilitaristischer Ethik und zentralen moralischen Intuitionen oder Grundüberzeugungen bestehen.«
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