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Nr. 06/2001 - 31. Januar 2001
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Entschädigung für Zwangsarbeiter

Würdige Nachfolger

von kurt-julius goldstein

Was sich die Vertreter der deutschen Wirtschaft im Moment leisten, zeigt, dass sie die würdigen Nachfolger derjenigen sind, die die Menschen während des Nationalsozialismus in Deutschland zur Sklavenarbeit gezwungen haben. Sie lassen sich immer neue Manöver einfallen, um die Auszahlung der Entschädigungsgelder, die in Wirklichkeit ein Almosen sind, an die noch lebenden etwa eine Million Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zu verzögern.

Die Tatsache, dass es eine Richterin in den Vereinigten Staaten letzte Woche vorerst abgelehnt hat, die Klagen gegen die deutsche Industrie und die deutschen Banken abzuweisen, geht allein darauf zurück, dass die deutsche Wirtschaft ihre Pflicht noch nicht erfüllt hat, die zugesagten fünf Milliarden Mark in den Entschädigungsfonds einzuzahlen. Und die amerikanische Richterin hat Recht. Es ist im Abkommen vom Juli vorigen Jahres festgeschrieben worden, dass je fünf Milliarden Mark von der Wirtschaft und der deutschen Regierung in den Stiftungsfonds eingezahlt werden müssen, bevor die in Amerika laufenden Klagen abgewiesen werden. Da die fünf Milliarden der Wirtschaft nicht da sind, hat sich die Richterin in den USA eben geweigert, die laufenden Klagen abzuweisen.

Die deutsche Wirtschaft verkündete daraufhin, dass sich die Auszahlung der Entschädigungsgelder nun weiter verzögern werde. Und nicht nur das. Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat erklärt, dass sie selbst dann, wenn die Klagen abgewiesen worden sind, nicht bereit sein werde zu zahlen. Man müsse schließlich noch abwarten, bis die Berufungsfrist abgelaufen sei, so Wolfgang Gibowski, der Sprecher der Initiative.

Als das Abkommen zur Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im vorherigen Jahr abgeschlossen worden war, habe ich in einem Interview im Neuen Deutschland gesagt, dass ich der deutschen Industrie jedes Manöver zutraue, die Auszahlung der dort festgeschriebenen Entschädigung zu verzögern. Genauso ist es gekommen. Im Grunde ist völlig klar: Was die Vorgängergeneration an Verbrechen begangen hat, indem sie Frauen und Männer aus ganz Europa, aus Ost und West und Nord und Süd, zwangsweise nach Deutschland zur Sklavenarbeit verschleppte, was jene damals an Verbrechen auf sich geladen haben, setzen jetzt diejenigen fort, die die Auszahlungen verzögern.

Im letzten Jahr sind allein in Tschechien 7 000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gestorben, die einen Anspruch auf die Entschädigungsgelder besaßen. Die deutsche Wirtschaft setzt einfach auf die biologische Lösung. Der Geiz der deutschen Industrie und der fehlende Wille, die Verbrechen einzugestehen, die sie im Zweiten Weltkrieg begangen hat, das ist es, was sie jetzt davon abhält, fünf Milliarden Mark in den Stiftungsfonds einzuzahlen. Und damit zeigt sie sich der Verbrechergeneration aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges würdig.


Kurt-Julius Goldstein ist amtierender Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees



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