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Nr. 51/2000 - 13. Dezember 2000
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Willi Wichtig

Willi Winkler ist ein typischer deutscher Feuilletonist, der auftrumpfend über Dinge schreibt, von denen er nicht die geringste Ahnung hat. Wenn es aber ganz schlimm kommt, gibt er den Droste des Südens, so am 8. Dezember in der Süddeutschen Zeitung: »Die japanische Konzeptkünstlerin Yoko Ono verstand nichts von Musik, singen konnte sie schon gar nicht, aber sie bestand darauf, dass ihr neuer Mann sich von seiner alten Band trennte. Diese Trennung war vielleicht noch zu ertragen, denn die Beatles hatten im April 1970, als sie dann auseinandergingen, alles zusammen gemacht, was man zusammen machen konnte. Aber die Frau Konzeptkünstlerin musste unbedingt auch singen und kreischen und auch sonst gewaltig künsteln. Nie gab es wahrscheinlich ein stärkeres Argument für Martin Luthers logisch oberchauvinistisches, aber ästhetisch letztgültiges Donnerwort, dass das Weib in der Gemeinde gefälligst zu schweigen habe.« Auch davon hat er selbstverständlich nicht die geringste Ahnung. Wie die Theologiestudentinnen unter uns wissen, stammt das »Donnerwort« »Mulier tacet in ecclesia« nicht von Luther, sondern vom Apostel Paulus (1. Kor. 14,34). Wir schlagen Willi Winkler für den Preis »Das unerschrockene Wort« der Lutherstädte vor.


Hoffnung in München

Bisher dachten wir ja immer, so etwas gäbe es nur in Berlin. Ein Riesenprojekt wird geplant, alle Fachleute sind dagegen, nur diejenigen, die zu entscheiden haben, sind dafür. Und dann wird alles nichts, weil die Planung so fehlerhaft ist, dass man das Ganze gar nicht bauen kann. Das gibt es aber auch in München. Vorläufig wird es nämlich nichts mit dem großen Umbau des Olympiastadions.

Eine große Koalition aus dem Bürgermeister Christian Ude, Edmund Stoiber und den Präsidenten von Bayern München und 1860 wollte das Olympiastadion umbauen, um es zu einer Fußballarena umzugestalten. Dagegen hielten neben der Süddeutschen Zeitung so gut wie alle Architekten. Doch es war nicht diese heroische Abwehrschlacht im Sinne der Erhaltung eines der gelungensten Gebäude der BRD-Moderne, die schließlich dazu führte, dass vorläufig vom Umbau abgesehen wird. Ganz schnöde Planungsfehler haben dafür gesorgt, dass im Olympiastadion erst einmal alles bleibt, wie es ist. Der Umbau ist statisch nicht machbar. Im März geht der Streit in die nächste Runde.


Harry Potter verboten

Zensur auf der Schwäbischen Alb: Das Kinderbuch »Harry Potter und der Stein der Weisen« darf in einer dortigen evangelischen Kirchengemeinde nicht mehr gelesen werden. Zwei Kirchengemeinderäte in Münsingen-Rietheim glauben, dass die »Harry Potter«-Lektüre zu okkulten Praktikten verführe. Daraufhin wurde das Buch aus den Regalen der Gemeindebücherei entfernt. Nun hat der Gesamtkirchengemeinderat dieser Maßnahme zugestimmt. »Harry Potter« erwecke den Eindruck, dass Zauberer und Geister »nett und harmlos« seien. Das sei jedoch nicht das, was die Bibel lehre: »Die Bibel ist sehr klar darin, dass Zauberer, Teufel und Dämonen existieren und sehr real, mächtig und gefährlich sind und dass Gottes Kinder nichts damit zu tun haben sollten.«


Elektronisches Papier kommt

Der Fortschritt ist auf diesen Seiten ein gern gesehener Gast. Nun wird er uns demnächst einen weiteren Meilenstein in unseren Alltag setzen, und was wir davon halten sollen, wissen wir noch nicht so genau. Das elektronische Papier, kurz e-Papier. Es besteht aus sehr dünnem, gummiartigem Material, das sich aus winzigen Plastikkügelchen zusammensetzt. Diese Kügelchen haben eine weiße und eine schwarze Hälfte. Will man diese Seite beschriften, so schießt man mit einem Stift elektrische Impulse los, die die Kügelchen dazu bringen, sich in der gewünschten Art und Weise anzuordnen. Die Firma Xerox stellte diese Technik in der vergangenen Woche vor und hofft, damit schon bald die herkömmlichen Preisschilder in Supermärkten ablösen zu können.


Schreiben für viel Geld

Der Kapitalismus schreckt vor nichts zurück. Zwar konnte der Angriff des Neoliberalismus auf die Buchpreisbindung vor einem Jahr zurückgeschlagen werden, aber nun droht den Verlagen neues Ungemach von Autoren. »Vorschusspanik« nennt der Spiegel ein Phänomen, über das an den hauptstädtischen Literatenstammtischen schon länger gesprochen wird. Die junge deutsche Literatur hat die Vorschüsse, die Verlage an ihre Nachwuchshoffnungen zahlen, in einsame Höhen getrieben. Etwa Rebecca Casati. Bisher nur als Reporterin für das SZ-Magazin aufgefallen, bekam sie 150 000 Mark für einen Roman, den sie noch nicht geschrieben hat. Das sind Summen, über die wir nur lächeln können - dafür nennen wir Ausbeutung immer noch Ausbeutung.


Out now

Noch ein Nachtrag zu Harun Farockis Aufsatz in der letzten Nummer: Die Hochschule der Künste hat eine Broschüre über Frieda Grafe und Enno Patalas herausgegeben. Sie heißt »Doppelleben. Arbeitsdaten und Zeugnisse« und enthält die erste vollständige Bibliografie/Filmografie des Werks der beiden. Für 15 Mark zu beziehen von der Publikationsstelle der HdK, Frau Uhrig, Postfach 12 05 44, 10595 Berlin. Oder per E-Mail: publikat@hdk-berlin.de.

Und da Sie sich gerade in der Service-Line befinden: Die neue Republik (Nr. 109) erscheint diese Woche. »Wie seit 5 000 Jahren«; Uwe Nettelbeck schreibt über Herman Melville und einige seiner deutschen Bewunderer. 68 Seiten, 25 Mark, bei Pym Films, Postfach 63 01 11, 10266 Berlin.



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