Biermann schlägt wieder zu
Was ist eigentlich ein deutsch-deutscher Intellektueller? Schaut man sich Wolf Biermann so an, dann weiß man, was der Springer Verlag damit meint. Ein deutsch-deutscher Intellektueller ist einer, der Marx zitiert, um zu begründen, warum er den Posten des Chef-Kulturkorrespondenten bei der Welt übernimmt: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern. Ich mich sowieso. Aber auch die Welt hat sich verändert und mit ihr Die Welt! Und da bin ich gerne dabei.« Ich mich sowieso? Ich mich sowieso! Ein deutsch-deutscher Intellektueller ist jemand, der sich auf eine deutsche Leitkultur beruft und will, dass Araber und Türken zurück in ihre barbarische Heimat gehen (Jungle World, Nr.46/00), der sich mit der CSU-Spitze trifft und das dann seinen Zuhörern und sich selbst als Querdenkerei verkauft.
Goethe hat nicht gekifft
Über Drogen wollen wir alles wissen. Wer war wann wie breit, wer nimmt sie, was nimmt er oder sie, wie turnt es? Wo gibt es eigentlich den Absinth, von dem alle Welt redet, wie heißt der Technoladen, wo Sonntagabend immer alle Special-K ziehen und dann vollkommen entgrenzt den Mund nicht mehr zu kriegen, was hat Goethe eigentlich so geraucht? Zumindest auf die letzte Frage gab es in der vergangenen Ausgabe des Spiegel eine Antwort: Goethe und Schiller sollen sich gelegentlich zum Kiffen getroffen haben. Doch nun stellt sich heraus, dass das gar nicht stimmt. Das Ganze war eine Erfindung der Schweizer Wochenzeitung, die vor sechs Jahren einen fingierten Bericht über Goethe und seine Drogenerlebnisse veröffentlicht hatte.
Kölner Kunst in Gefahr
Berlin ist ja einfach nur Hauptstadt. Manchmal noch mit Zusätzen, Hauptstadt des Verbrechens etwa oder Filmhauptstadt oder Medienhauptstadt oder Partyhauptstadt. Anderen Städten fehlt das Haupt. Köln etwa. Köln ist dafür Medienstadt und Kunststadt. Medienstadt, weil mitten im Stadtzentrum der riesige Medienpark herumsteht, und Kunststadt, weil es in Köln seit jeher viele Künstler und Sammler gibt. Und es gibt die art cologne, die größte, älteste und wichtigste Kunstmesse der Welt. Doch die Kunstszene ist jetzt in Gefahr, oder wie die FAZ formuliert: »Während sich Köln im kommerziellen Glanz der ðart cologneÐ sonnt, sieht sich der Unterbau der ðKunststadtÐ Erschütterungen ausgesetzt, die das strahlende Image zum Wackeln bringen.« Denn einer ganzen Reihe von Künstlern droht der Verlust ihrer Ateliers. Die Nutzung von zwei großen Gebäudekomplexen wird verändert. Da gibt es zum einen das Gelände der ehemaligen Sidolwerke in Braunsfeld. Fünfzig Künstler sind betroffen. Zum Ende des Jahres müssen sie ihre Räume verlassen, weil auf dem Gelände ein Technologiepark entstehen soll. Dreißig Künstler müssen das ehemalige Ausbesserungswerk der Bundesbahn in Nippes verlassen. Und obwohl ihnen eigentlich zugesagt worden war, in eine ehemalige Wagenrichthalle umziehen zu dürfen, sollen sie nun in eine Lagerhalle. Das wollen sie aber nicht.
Nam June Paik ausgezeichnet
Jede Woche tauchen aufs Neue Ehrungen und Preise auf, die längst vergessen waren, aber hoch dotiert sind und in Erinnerung rufen, dass es da draußen eine ganze Menge Künstler gibt, von denen man auch schon länger nichts mehr gehört hat. Etwa der Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg. Er wird nur alle fünf Jahre vergeben und ist mit 20 000 Mark dotiert. Verliehen wird er nun an Nam June Paik für »seine wegweisenden und weltweit wirkenden Impulse der Videoskulptur und für seinen vorbildlichen interkulturellen Dialog zwischen Ostasien, Amerika und Europa«. Nam June Paik wurde in Seoul geboren, lebte in den Fünfzigern zunächst in Japan, bevor er nach Düsseldorf ging, wo er eine Professur an der Staatlichen Kunstakademie innehatte. Seit 1964 wohnt er in New York.
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