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Nr. 47/2000 - 15. November 2000
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National befreite kommunistische Zone

Die russische Provinz Kursk soll demnächst einen Gouverneur erhalten, der für sich in Anspruch nimmt, hauptsächlich wegen seines Antisemitismus gewählt worden zu sein. Kursk, erklärte Alexander Michailow, der für die Kommunistische Partei der Russischen Föderation angetreten war, nach seiner Wahl am ersten Novemberwochenende, sei »ein Testgelände für den Kampf gegen den all-russischen jüdischen Kongress«. Gemeint war offenbar der Russische Jüdische Kongress, dem der bei Präsident Wladimir Putin in Ungnade gefallene Medienmogul Wladimir Gusinski angehört. Kein Wunder, dass Michailow den Präsidenten als »Verbündeten« sieht im Kampf um »die Befreiung Russlands vom jüdischen Dreck, der sich seit zehn Jahren aufgetürmt hat«: »Wladimir Wladimirowitsch ist ein russischer Mann. Ich bin das auch.« Sein Gegenkandidat Alexander Ruzkoi aber habe, »falls Sie das noch nicht wissen, eine jüdische Mutter«. Michailow behauptet, Putin habe ihn im Wahlkampf unterstützt, indem er zweimal »seine persönliche Psychologin« nach Kursk geschickt habe, um ihn zu beraten. Putin ließ die Behauptungen von einem Sprecher dementieren, Ruzkoi und der jüdische Dachverband VAAD kündigten rechtliche Schritte an.


Einmal Libanon und zurück

An ihrer Gewohnheit, beim Rauchen Qualmringe in die Luft zu pusten, haben die Fahnder sie erkannt. Schrieb zumindest die Nachrichtenagentur Reuters. Wie auch immer: Vergangene Woche wurde Fusako Shigenobu, mutmaßliche Mitbegründerin der Japanischen Roten Armee (JRA), in der Kleinstadt Takatsuki festgenommen - überraschend, hatte man sie doch im Libanon vermutet. Die 55jährige wurde wegen eines Überfalls auf die französische Botschaft in Den Haag 1974 gesucht, bei dem der Botschafter als Geisel genommen worden war, um die Freilassung in Frankreich Inhaftierter zu erreichen. Der liberalen japanischen Zeitung Asahi Shimbun zufolge war Shigenobu zunächst Mitglied einer radikalen Studentengruppe, emigrierte 1971 in den Libanon, wo sie die JRA mitaufbaute, eine Abspaltung der Japanischen Roten Armee Fraktion, und heiratete einen hohen Funktionär der palästinensischen Organisation PFLP. Die JRA gab sich ganz dem Kampf gegen Israel hin und wird u.a. für das Massaker auf dem Flughafen von Tel Aviv im Mai 1972 verantwortlich gemacht, bei dem drei Bewaffnete mit Schnellfeuergewehren in die Menge schossen. 24 Menschen starben, 80 wurden verwundet. In den letzten Monaten gab es weitere Verhaftungen sowie Ausweisungen von JRA-Mitgliedern - etwa aus dem Libanon. Fusako Shigenobus Rückkehr bietet deshalb Anlass für Spekulationen: Kam sie zurück, weil sich der Wind im Nahen Osten dreht oder weil sie in Japan eine neue Basis für ihre Aktivitäten aufbauen wollte?


Bessere Beziehungen

Ägypten und der Irak haben vergangene Woche die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. »Die ägyptische Interessenvertretung in Bagdad wurde am Montag in eine Botschaft umgewandelt, die Ägypten repräsentiert«, erzählte ein Diplomat, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Die Entscheidung kam zustande nach einer Serie gegenseitiger Besuche von hochrangigen irakischen und ägyptischen Beamten und der »Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern«, fügte er hinzu. Am Montag vergangener Woche fand nach Angaben des Diplomaten vorm Botschaftsgebäude eine Zeremonie statt, in deren Verlauf die ägyptische Flagge gehisst wurde. Nachdem sich Ägypten im zweiten Golfkrieg der Anti-Irak-Allianz angeschlossen hatte, brach der Irak 1991 die diplomatischen Beziehungen ab. In den letzten vier Jahren aber haben sich die Beziehungen zwischen den Ländern u.a. dank des gegenseitigen Handels kontinuierlich verbessert.


Weiche, Satan, weiche!

In Niamey, der Hauptstadt Nigers, haben am Mittwoch vergangener Woche mehr als 800 Islamisten, vor allem Geistliche und Studenten, gegen die Eröffnung des Zweiten Internationalen Festivals der afrikanischen Mode (Fima) demonstriert. Der Mob zerstörte unter anderem Bars, Lotteriestellen und Bordelle, bis er schließlich von Polizisten mit Tränengas und Schlagstöcken gestoppt wurde, wobei es auch zu zahlreichen Festnahmen kam. Nach zweitägiger Randale wurde die Fima am Freitag unter starken Sicherheitsvorkehrungen dennoch eröffnet. In einem anonymen Flugblatt, das vor der Veranstaltung verteilt wurde, hieß es: »Die rein satanische Natur der Fima« unterminiere »die öffentliche Moral«; die Behörden sollten die Veranstaltung absagen, die »nur den Zorn Allahs auf unser Volk« lenken könne. Die Regierung will mit der Fima Touristen und Investoren nach Niger locken, dem zweitärmsten Land der Welt; sie hat die Sicherheitskräfte weiter verstärkt.


Swinging Wiranto

Wiranto, gefeuerter General in Indonesien, beginnt jetzt eine neue Karriere als Troubador. Am vergangenen Wochenende startet der ehemalige Sicherheitsminister eine Promotion-Tour für seine CD »Für Dich, mein Indonesien«, wie die Zeitung Bisnis Indonesia berichtete. Der General, der für Massaker in Osttimor verantwortlich gemacht wird, singt auf der CD unter anderem Liebeslieder. Das Album ist mittlerweile schon ein Hit. Innerhalb eines Monats wurden 100 000 CDs und 200 000 Cassetten verkauft. Entstanden ist das Werk, so wird kolportiert, aus einem Hobby Wirantos, der seit langem leidenschaftlicher Karaoke-Sänger ist. Er bestreitet alle Vorwürfe, die seinen Einsatz in Osttimor betreffen und will die Einnahmen aus dem Verkauf der CD an Hilfsorganisationen überweisen, die den Opfern »ethnischer« Unruhen in Indonesien beistehen.



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