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Nr. 45/2000 - 01. November 2000
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Büchner-Preis verliehen

Wir waren uns so sicher, dass wir schon Wetten abschließen wollten, es wollte nur niemand gegenhalten: Den diesjährigen Büchner-Preis bekommt Rainald Goetz. Erstens, weil er ihn irgendwann bekommen muss. Zweitens, weil nach dem in der Provinz lebenden und von der Provinz erzählenden Arnold Stadler ein Schriftsteller ausgezeichnet werden musste, der für Aufregung und Großstadt steht. Drittens redet alle Welt von Popliteratur. Da die Jungliteraten den Preis zwar auch irgendwann bekommen, aber erst dann, wenn sie nicht mehr jung sind, man aber nicht so ohne weiteres über sie hinweggehen kann, wäre Goetz die richtige Wahl. Irgendwie jung und wild, aber auch Suhrkamp und amtlich. Wir hatten die Begründung schon vor uns. Und nun? Verärgerung! Die Jury hat sich nur zum Teil an unsere Vorgaben gehalten: Er kommt aus der Hauptstadt, irgendwann musste er ihn bekommen, nur mit Pop hat er nichts zu tun, und aufregend ist er auch nicht. Volker Braun erhielt am vergangenen Wochenende den Georg-Büchner-Preis.



Wagner in Israel

Unter scharfen Protesten von Überlebenden des Holocausts ist am vergangenen Freitag in Israel zum ersten Mal in einem öffentlichen Konzert Musik von Richard Wagner gespielt worden. Im Konzertsaal der Kleinstadt Rischon Lezion südlich von Tel Aviv spielte das örtliche Sinfonieorchester das »Siegfried-Idyll«. Das Oberste Gericht in Israel hatte am Tag zuvor Klagen von Überlebenden und des Simon-Wiesenthal-Zentrums abgewiesen und grünes Licht für die Aufführung gegeben. Seit Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 stand Wagners Musik auf der schwarzen Liste israelischer Orchester. Mehrere Holocaust-Überlebende demonstrierten während der Aufführung vor dem Konzertgebäude, verteilten Flugblätter und trugen Protest-Schilder. Es gab jedoch auch Überlebende, die das Konzert am Freitag besuchten.



Wagners in Bayreuth

Indes geht der Kampf um Bayreuth weiter. Der Kampf um das einzige Opernhaus der Welt, das seit seiner Entstehung in Familienbesitz ist, immer nur Opern des Stammherrn jener Familie spielt und nur von seinen Nachkommen geleitet wird. Siegfried, Wieland, Wolfgang. Was bisher geschah: Seit Jahr und Tag - seit 1966, genauer gesagt - wird der Laden von Wolfgang Wagner geleitet. Mittlerweile ist er achtzig und vollkommen senil. Zwar denkt er nicht ans Aufhören, aber dass der Tag kommen wird, da er ins Walhalla einrücken muss, ist ihm klar. Auch wenn das Land Bayern und der Bund theoretisch ein Wort mitzureden haben: Als Nachfolger kommen nur Familienmitglieder in Frage.

Da gibt es eine ganze Reihe, und nun hat eine keine Lust mehr. Eva, die Tochter von Wolfgang und Ellen, seiner ersten Frau, wollte alles ein bisschen ändern und modernisieren, aber nicht zu sehr. Sie galt eigentlich als Favoritin, bis ihr Partner Wieland Lafferentz, ein Urenkel Richards, aber aus einer anderen Linie als Wolfgang, seinen Rückzug bekannt gab. Nun hat sich auch Eva verabschiedet. Bleiben noch Gudrun, die zweite Frau Wolfgangs, die alles so weiter machen will, wie es ist und Nike, die Tocher von Wolfgangs Bruder und Vorgänger Wieland: Sie will alles umschmeißen und neu machen. Die Kombilösung, die noch bis vor wenigen Tagen als wahrscheinlich galt, dass nämlich Nike zusammen mit Elmar Weingarten, dem Leiter der Berliner Philharmoniker, und Eva eine Dreierbande bilden, ist somit auch hinfällig. Obwohl Nike und Elmar dies immer noch wollen.

Allerdings sind die Planungen sowieso rein theoretisch. Denn erst einmal muss Wolfgang Wagner seinen Platz räumen. Macht er aber nicht. Es heißt, er wolle sich darauf konzentrieren, seinen Vertrag zu erfüllen. Der ist auf Lebenszeit angelegt.



Nochmal Wagner

Genauso kompliziert wie in Bayreuth dürften die Verhältnisse im Hause Springer sein, die Witwe, der junge Aufsteiger, der ihr schöne Augen macht und verheiratet ist mit der Tochter des Bankiers. Aber was es hier zu vermelden gilt, ist ganz profan: Franz Josef Wagner verlässt den Posten des Chefredakteurs der Boulevardzeitung B.Z.. Seit langem sinkt die Auflage, da muss ein neuer Mann ran. Der heißt Georg Gafron, ist streng konservativ und entstammt dem Haifischbecken der Berliner Radioszene, das er ohne größere Verletzungen durchpflügte. Gafron war der Chef von 100,6.



Guggenheim in Las Vegas

In Las Vegas gibt es das Casino-Hotel The Venetian. Das ist riesig und außerdem ein Nachbau der Innenstadt von Venedig, mitten in der Wüste von Nevada. Dekadent wie nur irgendwas, Machbarkeitswahn galore, dumm und grandios. Dieses Hotel wird nun noch toller. Denn im Auftrag des Guggenheim-Museums und der St. Petersburger Eremitage wird der niederländische Stararchitekt Rem Koolhaas eine 700 Quadratmeter große Stahlschachtel in die Lobby stellen. Draußen wird »Hermitage-Guggenheim« an der Wand stehen, drinnen »Guggenheim-Hermitage«. Wechselnde Ausstellungen aus den Beständen der beiden Museen werden gezeigt, im kommenden Frühjahr wird es fertigestellt werden.

Es ist schon das zweite Guggenheim-Museum in Las Vegas. Das andere steht auch auf dem Gelände des Venetian, wurde ebenfalls von Koolhaas entworfen, ist bereits im Bau und wird auch im Frühjahr eröffnet.



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