Love, Love, Love
»Sie liebten ihr Vaterland, liebten die See, liebten die Flotte. Sie erfüllten bis zum Ende ihre Pflicht« - man kennt die Floskeln, die bei militärischen Begräbnissen in aller Welt abgesondert werden. Diesmal traf es die Angehörigen der ertrunkenen Matrosen von der »Kursk«. Die ersten vier wurden von Tauchern aus ihrem stählernen Sarg, der nie wieder Torpedos abschießen wird, geborgen und am vergangenen Wochenende beerdigt. Und zugleich durfte das »Kursk«-Spektakel eine Neuauflage erleben: Betroffenheit quillt aus allen TV-Kanälen, und die Spekulationen über die Ursache des unfreiwilligen U-Boot-Tauchens können absolut kostenlos wieder aufgewärmt werden. Admiral Wladimir Kurojedow etwa erklärte munter: »Ich bin zu 80 Prozent sicher, dass die ðKurskÐ mit einem anderen U-Boot kollidierte, und in einigen Monaten werde ich die restlichen 20 Prozent finden und der Welt sagen, wer es war.« Was einen Kommentator der englischsprachigen Moscow Times zu der Unterstellung verleitete, die Taucher suchten nur nach einem Tagebuch, in dem zu lesen steht: »Von einem Nato-U-Boot versenkt. Lang lebe die russische Marine!«
Öliger Euro
Wenn irakisches Öl in Zukunft immer teurer wird, dann liegt das womöglich nicht an der unersättlichen Geldgier Saddam Husseins, sondern am Eurokurs. Vom 1. November an will der Irak seine von den Vereinten Nationen kontrollierten Erdölexport-Konten auf die inflationäre europäische Währung umstellen. Finanzminister Hikmat Misban Ibrahim begründete diese Maßnahme mit dem »Hass der Amerikaner auf die Araber«. Außerdem wolle man damit den notleidenden Europäern helfen, die unter den hohen Ölpreisen litten, für die sie doch gar nichts könnten. Die junge Liebe der irakischen Führung zu Europa dürfte einigen Auftrieb dadurch erhalten haben, dass europäische Staaten - vor allem Frankreich - sich in den letzten Monaten um die Aufweichung der von den UN verhängten Sakionen im Flugverkehr verdient gemacht haben und mittlerweile auch kräftig in Geschäfte mit dem Regime in Bagdad investieren.
Mbeki entdeckt Aids
Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hat erstmals den Zusammenhang zwischen dem Hi-Virus und Aids anerkannt. Er bezeichnete vergangene Woche die Immunschwäche-Krankheit als größte Bedrohung für die Zukunft Afrikas. Noch vor etwa drei Monaten hatte er auf der globalen Aids-Konferenz in Durban einen unmittelbaren Zusammenhang bestritten und behauptet, ein einziger Virus könne nicht eine derart große Katastrophe auslösen. Daraufhin wurde er nicht nur von den anwesenden Wissenschaftlern und Gesundheitsbehörden heftig kritisiert.
HIV breitet sich in Afrika immer schneller aus. Jeder zehnte Bewohner des Kontinents ist nach Schätzungen HIV-positiv. Die verschiedenen Regierungen haben bisher dennoch kaum Konzepte entwickelt, wie die rasante Verbreitung des Virus wirksam bekämpft werden kann.
Vertreibung aus Chiapas
Nach der Niederlage der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) bei den Wahlen im Juli hoffte man auf einen baldigen Dialog in Chiapas. Die mexikanische Regierung setzt jedoch weiterhin auf eine militärische Lösung, um die aufständischen zapatistischen Gemeinden zu »befrieden«. So hat der noch amtierende Präsident Ernesto Zedillo die Nationale Verteidigungsbehörde (Sedena) bevollmächtigt, kommunales Weideland der zapatistischen Gemeinde Amador Hernández (Region Ocosingo) zu enteignen. Dort wird nun eine neue Militärbasis gebaut. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Armee auf acht Hektar Land derselben Gemeinde rechtswidrig ein Militärcamp errichtet. Seit 1997 verlagert die Armee kontinuierlich Truppen in die aufständischen Gebiete. Zusätzlich versorgen PRI und Polizei paramilitärische Gruppen mit Waffen und Land. In Chiapas gehört es zum Alltag, dass Bauern, die mit den Zapatisten sympathisieren, von Paramilitärs massakriert werden - so wie vergangene Woche in der Gemeinde Venustiano Carranza. Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes sind die zahlreichen Vertreibungen derzeit das größte Problem in der Region.
Die zunehmende militärische Präsenz steht vermutlich in Verbindung mit der wirtschaftlichen Erschließung der Region. Während sich in den vergangenen Jahren kaum ein Unternehmen in Chiapas niederließ, sind jetzt umfangreiche Wirtschaftsinitiativen geplant. In dem Bundesstaat sollen unter anderem Erdöl und Uran gefördert werden.
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