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Nr.43/2000 - 18. Oktober 2000
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Literaturnobelpreis für Gao Xingjian

Kein Sektkorkengeknalle, nur ein leises Plop. Mit der Auszeichung Gao Xingjians hatte niemand gerechnet, weder die Experten noch die Medien, noch der Literaturnobelpreisträger selbst. Und niemand scheint damit besonders glücklich zu sein, mit Ausnahme des Autors, dessen Freude allerdings durch die jetzt einsetzende Diskussion um seine Person getrübt werden dürfte. Das erste Foto des diesjährigen Nobelpreisträgers, das nach Bekanntgabe der Entscheidung über die Agenturen verbreitet wurde, zeigte einen jungen Mann mit zersaustem Haar an einer zugigen Straßenecke. Genau so stellt man sich einen chinesischen Dissidenten vor, nicht aber den 60jährigen Exil-Schriftsteller Gao Xingjian. Immerhin weiß man dank akueller Bilder inzwischen, wie der in Paris lebende Dramatiker heute aussieht. Auch, dass die Dissidenten-Szene Chinas ihn für nicht besonders regimekritisch hält und den im US-Exil lebenden Autor Bei Dao favorisiert hatte. Anders die chinesische Schriftstellervereinigung, sie betrachtet den Autor als politischen Abweichler und distanzierte sich flugs von Gao Xingjian, der nach dem Massaker am Platz des Himmlischen Friedens aus der Kommunistischen Partei ausgetreten ist. Der Autor sei Franzose und eben kein Vertreter der chinesischen Literatur, allerdings lebten und arbeiteten zwischen 200 und 300 geeignete Kandidaten für den Literaturpreis in China, erklärte die Vereinigung. Die Stockholmer Jury hat also auch in Zukunft die Qual der Wahl.

Unterdessen werfen schwedische Zeitungen der Akademie Vetternwirtschaft vor und behaupten, das Gremium sei von seiner Aufgabe völlig überfordert. Insbesondere sein Mitglied Göran Malmqvist, Gao Xingjians Übersetzer, der sich in der Jury für seinen Autor vehement eingesetzt hat, ist in die Schlagzeilen geraten. Malmqvist habe dafür gesorgt, dass der Nobelpreiskandidat noch kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung zu einem potenten Verlag wechseln konnte. Das schwedische Verlagshaus Atlantis, bei dem Gao Xingjian nun verlegt wird, gilt als ein dem Nobelpreiskomitee nahe stehender Verlag, hier bringen die Mitglieder der Akademie ihre eigenen Bücher unter.


Schreib über Brecht

Noch ein Schreibwettbewerb: Das Literaturforum im Brecht-Haus sucht Leute, die auf nicht mehr als 10 Manuskriptseiten »ein Verhältnis zu Brecht« entwickeln. Arbeitsmotto ist: »jungle b. - arten, mit brecht umzugehen«, womit das Dickicht des Brecht-Werkes ebenso wie der Dschungel Berlin angesprochen sind. Einsendeschluss ist der 1. Dezember 2000, Kennwort »Schreibwettbewerb Brecht-Tage«. Adresse: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestraße 125, 10115 Berlin.

Mitmachen können SchülerInnen, Studierende, junge AutorInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen. Wie alt darf man sein, um noch als JungautorIn zu gelten? Der Öffentlichkeitsarbeiter unter der Telefonnummer 030/282 20 02 wird es Ihnen sagen. Die interessantesten Texte sollen auf den Brecht-Tagen im Februar vorgestellt werden.


Like a Virgin

»Es ist okay, Jungfrau zu sein« - meint jedenfalls die britische Regierung und will mit diesem Motto eine Kampagne starten. Der Hintergrund: Mit mehr als 19 000 Schwangeren unter 19 Jahren hält Großbritannien den europäischen Rekord. Auf die nahe liegende Idee, eine Kampagne »Verhütung ist okay« zu starten, ist man im britischen Gesundheitsministerium offenbar nicht gekommen. Wenn sich führende Tory-Politiker nach ihrem Bekenntnis zu Cannabis-Produkten nun auch noch damit outen, dass sie im Teenager-Alter Sex hatten, aber klug genug waren, um zu verhüten oder - wenn's mal schief ging - abzutreiben, wenn sie gar erklären sollten, dass sie mit gleichgeschlechtlichen Partnern Sex hatten, was die eleganteste Lösung des leidigen Schwangerschaftsproblems sei, ja, dann kann New Labour seine Hausmacht unter den Jungwählern wohl endgültig vergessen.


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