Forelle blau
»Heiligkeit ist nur einen Kuhaugenblick entfernt: Joschka Fischer in Indien.«
Bildunterschrift in der FAZ vom 7. Oktober
Gerechtigkeit oder Sozialismus
Sah Rosa Luxemburg die Welt noch vor die Alternative »Sozialismus oder Barbarei« gestellt, ist die Frage mittlerweile entschieden. Welche »barbarischen« Konsequenzen der globale Sieg des Kapitalismus zeitigt, diskutierten letzte Woche in Berlin Repräsentanten lokaler Widerstandsgruppen aus allen Kontinenten. Sie kamen einer Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung nach, die die Losung ihrer Namenspatronin kurzerhand in »Gerechtigkeit oder Barbarei« verwandelt hatte.
Das Abschlusspodium mit den Wissenschaftlern Yash Tandon, dem Direktor des International South Group Network in Zimbabwe, Samir Amin vom Third World Forum in Senegal und Jörg Huffschmid von der deutschen Memorandum-Gruppe für eine alternative Wirtschaftspolitik stellte sich als Think Tank der Globalisierungsgegner oder - wie Huffschmid forderte - als »Internationale der ÖkonomInnen« vor. Luxemburgs Idee vom Widerstand sei zwar keineswegs überholt, bemerkte Tandon, sie müsse aber transformiert werden und in ein neues Verständnis von Gerechtigkeit münden. Praktizierte Fairness solle das bisherige wohlfahrtsstaatliche Gerechtigkeitsprinzip ersetzen - freilich ohne die weiter bestehenden strukturellen Ungleichheiten zu leugnen. Dass sich die »Internationale« als Beraterin kapitalistischer Reformkonzepte betätigt, wurde zum Beispiel deutlich, als Huffschmid sich über die wachsende Zahl von Initiativen zur »demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte« freute. Hier werde das kapitalistische Weltsystem direkt bei seinen Widersprüchen gepackt.
Schwein oder Mensch
Der Mensch strebt nach Höherem: Er besucht andere Planeten, spaltet Atomkerne und erschafft sich neu. Dazu entschlüsselt er die Bausteine seiner selbst und entwickelt Methoden, ein »schlechtes« durch ein »gutes« Gen auszutauschen. Ethiker nörgeln an diesem Projekt allerdings noch herum. Bevor also eine neue Runde in der Nutzforschung am Menschen eingeleitet wird, müssen die Forscher die Nützlichkeit ihrer Arbeit demonstrieren. Zuletzt geschah dies anhand des Falls der US-amerikanischen Familie Nash, die der so genannten Prä-Implantations-Gendiagnose ein Retortenbaby verdankt, mit dessen Zellen seine kranke Schwester geheilt werden konnte.
Ohne moralische Legitimation muss die Xenotransplantation auskommen: Dabei werden tierische Organe dem Menschen eingepflanzt. Gentechniker der Firmen Stem Cell Sciences (Australien) und Biotransplant (USA) haben nach Angaben von Greenpeace Zellkerne menschlicher Föten in Eizellen von Schweinen implantiert. Aus bisher unbekannten Gründen wurde das Experiment nach einer Woche abgebrochen. Das Europäische Patentamt hat im Gegensatz zum US-amerikanischen die Patentierung des Verfahrens zur Herstellung von Menschenschweinen »aus ethischen Gründen« abgelehnt. Mit der Züchtung des »Schweinemenschen«, so vermutet Greenpeace, habe das Gentech-Unternehmen ein Versuchsobjekt heranziehen wollen, das die bestehenden Einschränkungen, die bei der Forschung am Menschen per Gesetz festgelegt sind, außer Kraft setzte. Denn im Fall des Tiermenschen wäre unklar, ob ein solches Wesen juristisch Mensch oder Schwein sei.
Big Zigaretten
Jedes Land kriegt die Kandidaten, die es verdient. So sind die Regeln von »Big Brother«. Im britischen Container rockte es also, und auch in Spanien gab's jeden Tag was zu feiern, während man im deutschen Bunker über die Verteilung der Milchrationen stritt. Und in Belgien herrscht Anarchie: Die Bewohner sollen vor den Augen der Fernsehzuschauer mehrfach Haschisch geraucht haben. Jedenfalls hat der aufmerksame Staatsanwalt Benoit Dejemeppe bemerkt, dass die dort gerauchten Zigaretten ungewöhnlich voluminös wirken. Prompt hat der Mann Ermittlungen aufgenommen, berichteten belgische Zeitungen. Besonders eng könnte es für einen der Bewohner werden, falls sich herausstellt, dass die dicken Zigaretten tatsächlich Joints waren. Der Kandidat ist von Beruf Polizist, und obwohl gegenwärtig außer Dienst, hätte er bei Drogenmissbrauch sofort eingreifen müssen. Aber ein belgischer Polizist ist eben keine deutsche Steffi.
Mist, Fahrplanänderung
Kaum findet diese Redaktion mal etwas gut, wird es auch schon abgeschafft. So erging es dem Titel der geplanten Talk-Spielshow von Christoph Schlingensief im Berliner Untergrund. »Ganz hübsch«, lobten wir vergangene Woche den Einfall, diese Sendung »Die Todesfahrt der U3000« zu nennen. Schon ist er futsch. Damit auch jeder mitkriegt, wer da in der U-Bahn rumtrasht, heißt die Show jetzt »Schlingensief U3000«. Ganz schlecht.
D-Dey der deutschen Sprache
Wer oder was ist eigentlich die »Deutsche Sprachwelt«, die uns seit geraumer Zeit mit Einladungen zu Schwachsinnsveranstaltungen zumüllt? Kann mal jemand recherchieren? Ist noch ein Antifa-Redakteur da? Nein? Dann müssen eben Indizien reichen. Zum Beispiel die Tatsache, dass »Die deutsche Sprachwelt« für einen »Tag der deutschen Sprache« kämpft, namentlich Heinz-Dieter Dey vom Regionalverband 65 des Vereins Deutscher Sprache, der die einschlägige Arbeitsgruppe leitet. Mehr lesen über den D-Dey der deutschen Sprache? Verfolgen Sie die Berichterstattung auf unserer Antifa-Seite.
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