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11. Oktober 2000

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Afro-Slobo

Nach dem unerwartet schnellen Ende der Amtszeit Milosevics werden auf allen Kontinenten die letzten Slobodans gesucht. In Südamerika ist es Alberto Fujimori aus Peru, der angekündigt hat, noch bis zum Juli 2001 mit seinem Rücktritt zu warten. Und der asiatische Slobo ist natürlich Hussein aus dem Irak. Aber wer ist der Balkan-Saddam von Afrika? Zimbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai weiß es: Sein eigener Präsident Robert Mugabe sei der »afrikanische Milosevic«. Zuvor hatte Mugabe Tsvangirai gedroht, ihm werde der Prozess wegen Hochverrats gemacht, sobald er von einer Südafrikareise zurückkehre. Auf einer Versammlung am 30. September hatte der Oppositionschef die Situation in Zimbabwe mit der in Serbien verglichen und an Mugabe gewendet gesagt: »Bitte gehen Sie in Frieden. Wenn Sie nicht freiwillig gehen, werden wir sie mit Gewalt entfernen.« Nachdem mehrere Politiker der regierenden Zanu-PF seine Festnahme gefordert hatten, hat Tsvangirai eine schon vorher geplante Reise, die ihn nach Europa und nach Südafrika führte, verlängert.


Südwest-Manni

Wenn Robert Mugabe der Milosevic von Zimbabwe ist, dann ist Jerry Ekandjo der Manfred Kanther von Namibia. Ob der Innenminister Ende Juli forderte, die Polizei schlagkräftiger auszustatten, oder drei Wochen später vor einer »Überfremdung« des südwestafrikanischen Landes warnte, ob er Akademiker beschuldigte, an den Universitäten die Studenten zu »indoktrinieren«, stets schien er sich an dem zu orientieren, was auch den Politikern der einstigen Kolonialmacht Deutschland so einfällt, um die rechten Wähler abzuholen. Am deutschen Nationalfeiertag ging Ekandjo 60 Jahre zurück in der deutschen Geschichte: Er forderte Polizisten auf, Lesben und Schwule »vom Gesicht Namibias zu eliminieren«. Was genau der Innenminister damit meinte, führte er nicht aus - zumindest, was Menschen betrifft. Zu »schwulen Hunden« wurde er deutlicher: Die werde man »ermorden«. Präsident Sam Nujoma, der Ekandjo bei anderer Gelegenheit auch schon einmal zurückgepfiffen hat, widersprach nicht. Nujoma selbst hatte vor einem Vierteljahr Schwule als »Idioten« bezeichnet, die die Nation zerstörten.


Rassenjustiz

So wird man einen »afroamerikanischen Terroristen« los: Man wartet, bis in der Nähe seines Wohnortes eine Bank überfallen wurde, schnappt ihn sich, fesselt ihn und prügelt ihn gründlich durch, man klagt ihn wegen bewaffneten Raubüberfalls und Polizistenmords an und fordert die Todesstrafe. Man sorgt dafür, dass er die schlechtesten Pflichtverteidiger kriegt, die man finden kann, und unterschlägt Beweise, die belegen, dass der Angeklagte die Waffe nicht abgefeuert hat, durch die der Polizist starb. Dann verurteilt man ihn zum Tod.

So machte man es vor neunzehn Jahren in Gary im US-Bundesstaat Indiana mit dem afroamerikanischen Polit-Aktivisten und Künstler Zolo Agonia Azania. Azania ging in die Berufung. 1993 wurde das Todesurteil aufgehoben, doch die Staatsanwaltschaft betrieb die Wiederaufnahme des Verfahrens, und 1996 wurde Azania in einem Verfahren, das wiederum zahlreiche formale Fehler aufwies, erneut verurteilt. Am 25. Oktober soll Azania durch eine Giftspritze hingerichtet werden; er kann allerdings noch vom Obersten Gericht des Staates Indiana begnadigt werden.

Wer sich für Zolo Azania einsetzen will, findet unter http://www.dragking.org/freezoloazania.html weitere Informationen.


Wahl brutal

Das Bad in der Menge war nicht ratsam beim Wahlkampf in Sri Lanka: Die Präsidentin Chandri Kumaratunga hat sich aus Furcht vor Anschlägen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in ihren festungsartig ausgebauten Regierungssitz in der Hauptstadt Colombo zuückgezogen; die Kommunikation mit dem Wahlvolk fand ausschließlich über das Fernsehen statt. Minister aus Kumaratungas Volksallianz und Kandidaten anderer Parteien traten unter Sicherheitsvorkehrungen auf, die garantierten, dass nur die Anhänger der eigenen Partei in die Nähe der Politiker kamen. Bei mehreren Selbstmord-Anschlägen der LTTE kamen trotzdem einige Dutzend Besucher von Wahlkampfveranstaltungen ums Leben. Inhalte spielten unter diesen Umständen bei den Wahlen am Dienstag kaum noch eine Rolle. Wer die Wählerschaft besser einschüchtern konnte, die Volksallianz oder die oppositionelle United People Party, das wird wohl erst in einigen Tagen bekannt gegeben werden.


Kapitalismus heißt Wohlstand

Die neue Armut in Russland betrifft nach einer neuen Studie der Weltbank weniger die Rentner, deren Pensionen seit dem Amtsantritt von Wladimir Putin Anfang des Jahres um 38 Prozent gestiegen sind und weiter steigen, sondern junge Eltern - vor allem allein erziehende Mütter. In Großstädten wie Moskau werden bereits 45 Prozent aller Kinder von nur einem Elternteil aufgezogen. Es gibt zu wenig Kindergartenplätze, sodass die Mütter und ihre Kinder häufig gezwungen sind, von der Beihilfe für Alleinerziehende - umgerechnet acht Euro im Monat - und dem Kindergeld - zwei Euro - zu leben. Rentner erhalten das Dreifache, Hinterbliebene das Doppelte.

Auch in den Geburtskliniken zeigen sich die Folgen der neuen Armut unter jungen Russinnen und Russen: 70 Prozent aller Geburten sind nach einer Untersuchung der Medizinischen Akademie Russlands mittlerweile so genannte Problemgeburten, vor acht Jahren gab es nur bei 55 Prozent der Geburten Probleme. Über die Hälfte aller Neugeborenen - 53 Prozent - sind heute bereits chronisch krank, wenn sie die Geburtsklinik verlassen.


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