»Mit Krokodilstränen wird das Eis jedenfalls nicht zum Schmelzen gebracht.«
Edo Reents in der Süddeutschen Zeitung vom 7. September über das Verhältnis zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche nach der vatikanischen Mitteilung »Über die Einzigartigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche«, die von manchen als Aufkündigung des ökumenischen Dialogs interpretiert wird.
Zensierter Film läuft nicht
Kein Festival ohne umstrittene Entscheidungen. Das diktiert schon allein die soziale Logik, wenn sich viele tausend Kulturschaffende auf engstem Raum versammeln. In Venedig gibt es dieser Tage vor allem drei Themen: 1.) Wo sind die Stars? 2.) Warum läuft der neue Film von Tom Tykwer nicht im Wettbewerb, obwohl »Der Krieger und die Kaiserin« sooo toll sein soll - sagen wenigstens die deutschen Berichterstatter, die auf dem Lido auf- und abspazieren und Franka Potente zunicken. 3.) Was ist eigentlich mit der serbischen Filmgesellschaft Komuna los - da gibt es den Film »Drzhava mrthvih« (»Der Staat der Toten«) des jüngst verstorbenen Regisseurs Zivjin Pavlovic, aber in der Version, die im Wettbewerb gezeigt werden soll, fehlen alle regimekritischen Stellen. Also wird der Film gar nicht gezeigt. Auch wenn Komuna behauptet, die Kürzungen seien im Sinne des Regisseurs gewesen. Nun will Komuna beide Versionen, Rohschnitt und Endfassung, der Berlinale anbieten, damit sich die Weltöffentlichkeit davon selbst überzeugen könne.
ARD wird rüstig
Wir lieben die ARD. Bähm, bohm, bambambambam - hier ist das Erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Piep-piep-piep - herzlich willkommen zum »Brennpunkt«. Der »Tatort« wird präsentiert von Radeberger - dann die großartige, von einer Wahwah-Pedal-Gitarre getriebene Erkennungsmelodie von Klaus Doldinger. Das Wetter. Fünf Journalisten aus vier Ländern.
Was wäre das Leben ohne die ARD. Seit fünfzig Jahren gibt es sie jetzt schon. Wenn wir Wünsche äußern dürften, dann würden die vielleicht so aussehen: Nicht ganz so viele Volksmusik-Sendungen, ein klein wenig mehr Bildungsauftrag, vielleicht die ganzen Korrespondenten ein wenig mehr herumscheuchen und zum Reportagen machen verdonnern: Schwenk über die Dächer einer nahöstlichen Stadt, haminäähhaminääh, Teheran, fünf Uhr morgens, der Muezzin ruft zum Gebet. Häufiger Reisen mit Gerd Ruge - gerne auch als Aufzeichnung. Bei jeder Gelegenheit die Stimme von Friedhelm Brebeck: Sarajewo, heute morgen, der Flughafen ist wieder offen. Und den MDR abschalten.
Mit ðPersembeÐ gegen die Pleite
Der taz geht es schlecht. Das wissen alle. Zu wenig Abos, zu wenig Kioskverkäufe, zu wenig Anzeigen, und jetzt ist auch noch der Wert des Verlagshauses heruntergestuft worden. Das ist schlecht und nicht gut. Also: Neue Kampagne, neues Glück. Besonders neu: Die taz wird von nun an das türkisch-deutsche Wochenblatt Persembe herausbringen. Jeden Donnerstag wird Persembe erscheinen, als Beilage der taz, aber auch regulär am Kiosk, nach dem gleichen Prinzip, nach dem die taz jetzt schon einmal im Monat Le monde diplomatique nach Deutschland holt.
Die neuesten Sparpläne bei Goethes
Lange hat man nichts mehr von den Goethe-Instituten gehört. Nun vermeldet die Hannoversche Allgemeine, dass weitergespart werden müsse. Der Bundesrechnungshof habe angemahnt, dass rund fünfzig Institute geschlossen werden müssten, falls das Auswärtige Amt tatsächlich durch Institutsschließungen Geld sparen will. Die bisherigen Schließungen hätten so gut wie nichts gebracht. Das Goethe-Institut hat dies nun als »Unfug« zurückgewiesen. Der Bundesrechnungshof habe »absolut nicht vorgeschlagen, eines der 126 Institute zu schließen«, sondern nur empfohlen, verstärkt mit lokalen Partnern zu kooperieren und die Effizienz zu steigern.
Machos statt Teenie-Pop
Die Teenie-Group-Offensive in der Popkultur scheint fürs Erste zum Stillstand gekommen zu sein. Das legt zumindest die Verleihung der MTV Music Video Awards nahe. Denn die Boygroup N'Sync war zwar für sechs Kategorien nominiert, bekam aber nur die Auszeichnungen für das beste Pop-Video und den Zuschauerpreis. Christina Aguilera und Britney Spears gingen leer aus. Den Preis für das beste Video bekam der Rapper Eminem für seinen »The Real Shady«-Clip, und den für das beste Video eines männlichen Interpreten bekam er auch. Da nutzte es auch nichts, dass sich Britney Spears aus Protest gegen die frauenfeindlichen Texte von Eminem auszog. Fürs Erste scheint die reine Oberfläche der schönen Choreografie gegen die raue Inszenierung der Trailerpark-Biografie zu unterliegen.
Sartre nicht nobel
Nichts interessiert so sehr wie die schmutzige Wäsche von Berühmtheiten, die man bewundert. Gebt uns mehr davon. Lars Gyllensen, schwedischer Schriftsteller und seit 1966 Mitglied der Kommission, die den Literatur-Nobelpreis vergibt, hat nun seine Memoiren veröffentlicht. Da steht eine Menge über andere schwedische Schriftsteller drin und wie kleinkariert und ungebildet die anderen Mitglieder eben jener Kommission seien: Besonders seit Gyllensen nicht mehr Vorsitzender ist, sei das Niveau doch arg gesunken. Aber eines bleibt hängen: Jean-Paul Sartre soll 1975 in Stockholm angefragt haben, ob er nicht doch das Preisgeld haben könne, dass ihm zugestanden hätte, hätte er den Nobelpreis von 1964 nicht abgelehnt. Das Ansinnen wurde jedoch abgelehnt.
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