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Il potere è sulle barricate
Bei Renovierungsarbeiten sind auf den Mauern des Palazzo Campana, des ehemaligen Sitzes der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Turin, Fragmente alter Graffiti der studentischen Bewegung von 1967/68 wieder aufgetaucht. Sie sollen nun katalogisiert und teilweise hinter Glas konserviert werden - um den Historikern eine Dokumentation über die Turiner Studentenbewegung zur Verfügung zu stellen, sagt der Prorektor der Uni, Angelo Garibaldi. Unter den gefundenen Graffiti ist der Slogan »Il potere è sulle barricate« (»Die Macht ist auf den Barrikaden«), der vermutlich im November 1967 geschrieben wurde, als die Turiner Studis die geisteswissenschaftliche Fakultät besetzten. Der linke Soziologe Marco Revelli, selbst ein 68er, hat sofort einen Appell verfasst: »Es wäre nicht schlecht«, schreibt er, »die akademischen Autoritäten aufzufordern, eine auf ironische Weise gegenläufige Stellungnahme zu verfassen, und dem zuzustimmen, dass am Eingang eines Kulturtempels sichtbare Spuren der Vergangenheit erhalten bleiben.« Denn es handele sich um eine »Entscheidung, die in zweierlei Hinsicht von Bedeutung ist. Man erinnert die Studenten von heute daran, dass man hin und wieder rebellieren kann, und es signalisiert allen anderen, dass ein Teil ihrer eigenen jugendlichen Revolten erhalten bleibt.«
I meriti di Craxi
So einfach ist das: Unter der Überschrift »Ich, die Linke und Craxis Verdienste« plaudert Premier Giuliano Amato in der monatlich erscheinenden Zeitung Reset aus der Vergangenheit. Mit der Stellungnahme versucht der ehemalige Vizesekretär der Sozialistischen Partei und enge Berater von Bettino Craxi mit acht Jahren Verspätung, sich wegen seiner Tangentopoli-Vergangenheit zu verteidigen. Tatsächlich verteidigt Amato in dem Interview vor allem Craxi: »Bettino gab den Sozialisten eine Stimme. Im Palazzo Chigi zeigte sich seine Begabung: Er war in der Lage zu entscheiden und sich durchzusetzen wie im Fall (...) der scala mobile (Abschaffung der Lohnangleichung an die Inflation).« In dem Interview erzählt Amato die Geschichte neu: Craxi, der immer mit allen Mitteln gegen den Partito comunista italiano vorgegangen ist, sei angeblich bereit gewesen, mit den Kommunisten gegen die Christdemokraten zu koalieren. Nur habe er leider nicht den geeigneten Moment gefunden. Aber solche Fehler sind ja verzeihlich: »Er hat viele Fehler gemacht. Aber wenn man das Werk eines Mannes betrachtet, muss man unparteiisch sowohl das Gute als auch das Schlechte sehen.«
Strage continua
»Das Massaker geht weiter«, schreibt Il manifesto über neue Statistiken zu Arbeitsunfällen, die am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurden. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres kam es zu 587 000 Unfällen auf Baustellen, in Fabriken und in der Landwirtschaft - ein Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 1999. Bei den tödlichen Arbeitsunfällen ist die Entwicklung noch krasser: Von Januar bis Juli verloren 743 Personen auf der Arbeit das Leben - etwa 20 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (618). An erster Stelle die tödlichen Arbeitsunfälle in der Industrie (635 gegenüber 548), dann der Bau mit 143 (1999: 130) und die Landwirtschaft (108 gegenüber 70).
Porti nucleari
Das Szenario ist wie aus einem Katastrophenfilm: Alarmstufe rot, die Bevölkerung flieht, das Militär und die Sicherheitskräfte beschäftigen sich mit der Evakuierung und der Panik der Bürger und versuchen, die Gefahr auf dem offenen Meer zu halten. Keine Science Fiction, sondern ein »Plan für den nuklearen Notstand«. In zwölf Hafenstädten - von Augusta über Brindisi, La Spezia und Neapel bis Triest und Venedig - existieren Notstandspläne für Militärs und Zivilisten. In Taranto traf sich letzte Woche der Stadtrat, um über das nukleare Risiko beim Anlegen von Atom-U-Booten im Hafen zu diskutieren. Der Notstandsplan für Taranto stammt von 1982 und ist noch in Kraft. Bei einem Nuklearunfall ist die Evakuierung des entsprechenden Gebiets vorgesehen, der Polizeichef kann Hotels, Herbergen und Autobusse beschlagnahmen. Welche speziellen Maßnahmen noch vorgesehen sind, konnte die linke Tageszeitung Il manifesto nicht herausfinden. Von den 200 Seiten des Notstandsplans für Taranto durften lediglich acht eingesehen werden. Der Rest fiel unter das Militärgeheimnis.
Un autuno caldo
G14 heißt der Trakt im römischen Gefängnis Rebibbia, in dem die Aids-Kranken sitzen. Zwar sieht eine Gesetzesänderung vor, dass Häftlinge, die an der Immunschwächekrankheit leiden, in den Hausarrest entlassen werden. Doch nur selten entscheiden sich die Haftrichter für eine Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen. Begründung: Ein Straffälliger ohne festen Wohnsitz kann nicht unter Hausarrest gestellt werden. Vor zwei Wochen sind Häftlinge aus dem G14-Trakt in den Hungerstreik getreten. Sie fordern, dass die Amnestiegesetze umgesetzt werden. Zudem verlangen die Inhaftierten, dass eine externe Kommission eingesetzt wird, die die Zustände in Rebibbia überprüfen soll: Seit zwei Monaten gibt es kein warmes Wasser in dem überfüllten Gefängnis. 500 der Inhaftierten sind heroinabhängig. Das Methadon, das den drogenabhängigen Insassen per Gesetz zusteht, erhalten nur fünf von ihnen. Die Hungerstreikenden haben einen heißen Herbst in Rebibbia angekündigt.
Viva il TPO
Der Teatro Polivalente Occupato in Bologna bleibt bestehen. Nach der Räumung des Zentrums Ende August war zu einer Großdemonstration am 9. September mobilisiert worden. Die Stadtverwaltung überreichte vor der Randale die Schlüssel zu neuen Räumen in einem alten Aquarium. An der Demo beteiligten sich 3 000 Leute. Sie feierten ein Fest mit Lkw und Musik.
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