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23. August 2000
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Shoppen in Auschwitz

So wird der Besuch in Ausschwitz zum Vergnügen: Mit dem Auto direkt auf dem Gelände parken, kurz noch in die Bank und dann hinein ins Kaufvergnügen im großen Supermarkt. Auch für den kleinen Hunger zwischendurch wird gesorgt: Snackbar und Restaurant sollen gleich nebenan entstehen. Und sogar ein bisschen Gedenken ist eingeplant: Der Souvenirladen könnte die Gedächtnispflicht auf ideale Weise mit dem Handel verbinden. Den Shoppingcenter-Plänen der deutsch-polnischen Firma Maja scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Vergangene Woche hat der polnische Innenminister Marek Biernacki den Baustopp auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers aufgehoben. Internationale Proteste hatten im April 1996 erwirkt, dass die Bauarbeiten vorläufig eingestellt wurden. Henri Hajdenberg vom Rat der jüdischen Institutionen Frankreichs beschuldigt die Gruppe Maja, neo-nazistische Interessen zu vertreten.



Autosterben in Athen

»Bitte rufen Sie doch in einer Stunde noch mal an«, bat eine freundliche Stimme den Anrufer, der sich am vergangenen Donnerstag zu einem Autoanschlag in Athen bekennen wollte. Die Nachtschicht beim griechischen Privatradio Flash hatte gerade keine Zeit, mit ihm zu telefonieren. Anschläge auf die Autos ausländischer Diplomaten sind in Athen in den letzten drei Jahren derartig zur Routine geworden, dass man als Bekenner schon ein wenig herumtelefonieren muss. Erst beim zweiten Anruf hatte die anarchistische Gruppe Schwarzer Stern, die vergangene Woche das Auto der italienischen Diplomatin Antonella Tassi mit Benzin übergosss und anzündete, Erfolg. Die Tageszeitung Eleftherothypia, die sich in den letzten Monaten zu einer Art Briefkasten verschiedener terroristischer Gruppen entwickelt hat, nahm den Anruf wunschgemäß entgegen. Die Meldung, dass Schwarzer Stern eine Untergruppe von Greenpeace ist und mit der Autoverbrennung einen Beitrag zur Vermeidung von Smog in der Athener Innenstadt leisten wollte, ist bisher nicht offiziell bestätigt worden.



Flic flach

»Merde, les flics!« So wurde in alten Zeiten in französischen Kriminalfilmen die Phase eingeleitet, in der es wirklich spannend wurde. Moderne Krimis werden, wenn man einem Bericht der Nachrichtenagentur AP glauben mag, langweiliger: Die Safeknacker packen in aller Ruhe ein, genehmigen sich noch einen Cognac aus der Hausbar und fahren dann heim wie jeder andere Werktätige auch. Denn die flics leiden unter Ausdünnung. 25 000 werden nach einer Berechnung des Pariser Innenministeriums in drei Jahren fehlen. Eine Reklame-Aktion für den Beruf des Ordnungshüters brachte zwar jede Menge Bewerbungen - neun auf jede freie Stelle -, doch kaum solche, die als geeignet angesehen wurden. Jetzt müsse man auch Kandidaten in Betracht ziehen, die man vorher abgelehnt hätte, klagt der Vize-Personalchef der Pariser Polizei. So pflegt man solche Probleme auch anderswo zu lösen.



Menschen im Überschall

Die Fenster waren zu klein, um die Welt über den Wolken zu genießen, und die Flugzeit viel zu kurz. Kaum hatte man den Gurt gelöst und ein Gläschen getrunken, musste man sich auch schon wieder anschnallen. Nicht einmal ein Geschwindigkeitsrausch setzte ein, der Unterschied zu den gewöhnlichen 800 Kilometern pro Stunde war kaum zu spüren. Jetzt werden die Maschinen zudem noch altersschwach und lebensgefährlich. Mit gutem Grund verhängte vergangene Woche die britische Luftfahrtbehörde bis auf weiteres ein Flugverbot für die Concorde. Noch sträubt sich British Airways: Die Concordes der BA seien sicherer als die der Air France. »Alles riecht hier nach Politik«, beklagte sich ein BA-Manager gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Dabei ist klar: In Zeiten, in denen man mit Designerdrogen weitaus schneller fliegen kann und die letzten Vorbereitungen laufen, Touristen ins All zu schießen, ist die Concorde ein Auslaufmodell .



Rotkäppchen in Polen

Rotkäppchen trug nicht zufällig eine rote Kappe. Einige Jahre bevor ihr kurzes, aber glückliches Leben mit dem Zwischenfall im Hause ihrer Großmutter ein jähes Ende fand, entschied sie sich, der kommunistischen Partei im Märchenland beizutreten. Rotkäppchen war stolz auf ihre Entscheidung und trug von nun an ständig eine rote Kappe. Schwer zu sagen, ob die Kinder in einem Kindergarten im nordpolnischen Olsztyn von diesen Umständen in Rotkäppchens Leben wussten. Die Kinder sollten die Straßennamen in einem Neubaugebiet auswählen und schlugen unter anderem das Mädchen mit der roten Kappe als Namenspatronin vor. Doch den Bewohnern der Straße war Rotkäppchens rote Vergangenheit bekannt, sie reichten rund 20 Petitionen gegen die »politisch nicht korrekte« Namensgeberin im Rathaus ein: Der Name wecke schlechte Assoziationen, man wolle einen neutralen Straßennamen.


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