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16. August 2000
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Sitten und Gebräuche IV

Der Biberbolschewist
von Brunzing

Bayernland unter. Abermals wurde die bayerische Hochebene dieses Jahr von sintflutartigen Überschwemmungen heimgesucht. Und die Menschen fragen sich: Wofür straft uns der Herr? Während linke Ideologen die Theorie verbreiten, das Hochwasser sei auf die Begradigung der Flüsse zurückzuführen, wurde nun endlich der wahre Schuldige dingfest gemacht: der Biber.

Der bis zu zwei Meter lange, 150 Kilogramm schwere, eigentlich längst ausgerottete Schädling wurde in den siebziger Jahren vom Bund Naturschutz in Bayern wieder eingeschleppt. Und zwar aus Schweden. Womit eigentlich schon alles gesagt ist. Olof Palme. Die Sexwelle. Der Sozialismus. Doch kommt diese Infiltrations- und Unterminierungsstrategie erst jetzt, nach Jahrzehnten, zum Tragen. Der Biber nämlich untergräbt die Dämme an den bayerischen Flüssen, dann hupfen die wilden Meere an Land, und der Sturm ist da. Kurzum, der Biber ist mitnichten das possierliche Tierchen, das viele immer noch in ihm sehen. Sondern er bringt die bayerischen Anwohner in Gefahr, und deshalb hat der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf in Deggendorf einen Workshop abhalten lassen, wie man dem Biber beikommen kann.

Unter der beherzten Moderation von Dietmar Gaiser (»Jetz red i«) diskutierten hochkarätige Experten wie Umweltstaatssekretärin Christa Stewens und der Bolschewismuskenner Dr. Medard Kammermeier über die Möglichkeiten und Chancen, die Bibergefahr zu bannen. Über 3 000 Biber hat das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz gezählt. Dieser erschreckenden Zahl stünden lediglich 2 300 Rechtsextremisten gegenüber, erklärte Kammermeier, wobei man die Kabinettsmitglieder bereits mitgezählt habe. »Folglich ist ganz klar, wo hier die Gefahr zu suchen ist.«

Unterdessen griff die Bevölkerung von Brunzing (Landkreis Schöllnhofen) zur Selbsthilfe. Unter Leitung des örtlichen Schützenkönigs Michael Ringelschwanz wurde eine Treibjagd auf den Biber durchgeführt, die nach drei Tagen und zwei Nächten prompt zum Erfolg führte. Der Biber wurde, nachdem er an der nahen Odel, einem Nebenfluss der Donau, vergeblich gesucht worden war, mitten in der Ortschaft am Dorfweiher in flagranti gestellt, wie er gerade seine Hauer in den Maibaum rammen wollte. Dieses sollte dem Biber nicht mehr gelingen. Er wurde mit vereinten Kräften in Gewahrsam genommen und noch am selben Tage unter reger Anteilnahme der Bevölkerung feierlich erschossen.

Bürgermeister Johannes Seuchzipfl, der das Erschießungskommando befehligte, betonte zuvor, dies solle dem Biber eine nachhaltige Mahnung sein, wie man ja überhaupt in Bayern schon immer auf Nachhaltigkeit setze. »Und überhaupts werden wir es nicht zulassen, dass dergleichen subwensive Elemente sich mitten in unserner bayerischen Kultur breitmachen, dies noch derzu auf Kosten der Allgemeinheit. Diese skrupellosen Subjekte würden, wie man ja gesehen hat, auch noch an die letzten aufrechten Symbolle unserner bayerischen Indentität Hand anlegen. Beziehungsweise ihre teuflischen Nagezähne würden sie da ansetzen.« Anschließend wurde der Biber mit einer perfekten Salve niedergestreckt, und nachdem sich der Pulverdampf verzogen hatte, stimmte die Vorsitzende des Katholischen Frauenbunds spontan »Gott mit dir, du Land der Bayern« an.

florian sendtner


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