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16. August 2000
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»Zwar ist er Rechtsanwalt, aber schreiben kann er wie ein Advocatus Diaboli: Georg M. Oswald, 37, aus München ist der Staranwalt einer Gegenwartsliteratur, die nicht auf Glatzen Löckchen dreht, sondern das Feld erforscht, auf dem wir leben und kleben.«

Der Spiegel 32/00 über Georg M. Oswald



Gangster Rap

Jörg Haider, Landeshauptmann des österreichischen Bundeslandes Kärnten und früherer Chef der FPÖ, versucht sein Glück als Rapper. »Kärnten hat ein Herz«, heißt das Stück und handelt davon, dass sein Bundesland das schönste ist. In bester Gangsterrap-Manier erzählt Haider, dass seine Hood die meisten Sehenswürdigkeiten hat. So weit, sich darüber auszulassen, wen er alles fickt und umlegt oder umlegen lässt, wem er was vertickt und für wieviel, wer seine Freunde sind und wer sich mit ihm besser nicht anlegen sollte, so weit lässt er sich auf die Spielregeln des Genres allerdings nicht ein.



Suche nach Außerirdischen geht weiter

Auch wir haben unsere Vorlieben. Zum Beispiel durchgeknallte New-Economy-Milliardäre. Wie etwa Paul Allen. Er ist ein Mitbegründer von Microsoft, der seine Anteile verkauft hat und seitdem seine Zeit damit verbringt, das Geld, das er gemacht hat - rund dreißig Milliarden Dollar -, unter die Leute zu bringen und irren Quatsch zu finanzieren. Zuletzt war es das Rock'n'Roll-Museum von Seattle, für das er Frank Gehry als Architekten engagierte (Jungle World, 27/00).

Diesen Monat unterstützt er gemeinsam mit Nathan Myhrvolt, einem weiteren ehemaligen Microsoft-Executive den Ausbau einer gigantischen Breitband-Teleskop-Anlage zur Suche nach extraterrestrischer Intelligenz. Das »Allen Telescope Array« wird im Norden Kaliforniens von Forschern der Universität Berkeley und Mitarbeitern des Seti-Instituts errichtet (Seti steht für Search for Extra Terrestrial Intelligence). Die Anlage wird ungefähr einen Hektar groß sein und aus ganz vielen verstreuten Teleskopschüsseln bestehen. Sie ermöglicht das Scannen von Sternensystemen in einem Frequenzbereich von 500 Megahertz bis zu 10 Gigahertz. Man wird mit ihr nicht nur nach außerirdischen Funksprüchen suchen, sondern auch ganz normale Radioastronomie betreiben können. Und eigentlich ist das Ganze nur der Prototyp für eine noch größere Teleskop-Anlage, die in Australien errichtet werden soll.



Pulsar entdeckt

Wofür Radioastronomie gut sein kann, zeigt ein Team der Columbia-Universität. Es hat den Pulsar PSR J1846-0258 entdeckt. Pulsare sind Neutronensterne. Sie entstehen, wenn Sterne explodieren, die etwa zehnmal schwerer sind als die Sonne. Sie strahlen Radiowellen in gleichmäßigen Pulsen ab. PSR J1846-0258 ist deswegen interessant, weil sein Magnetfeld auf der einen Seite zehnmal schwächer ist als das von so genannten Magnetaren, gleichzeitig aber viel stärker als das von gewöhnlichen Pulsaren. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass er ein bisher unbekanntes Bindeglied zwischen den beiden Sterntypen sein könnte.



Duo Infernal hat sich gefunden

Es gibt natürlich auch Leute, die wir überhaupt nicht leiden können. Zwei haben sich jetzt zusammengetan. Wim Wenders wird den Videoclip für die neue Single der Toten Hosen drehen. »Warum werde ich nicht satt?« heißt das Machwerk und Campino meint: »Wir sind generell große Wim-Wenders-Fans. In seinen Filmen spielt immer wieder die Musik eine große Rolle, und es gibt kaum jemanden, der sie so gelungen mit wunderschönen Bildern verbindet. Wir haben ihm einfach das Stück zugeschickt und ihn gebeten, es einmal anzuhören. Als Antwort bekamen wir ein fünfzehnseitiges Exposé in einer Ausführlichkeit, wie wir es von keinem Videoregisseur in den letzten 15 Jahren gesehen haben.«



Täglich alle online

Neues gibt es aus der Welt des Internet zu vermelden. Das Wiener Boulevardblatt täglich Alles verzichtet ab sofort auf Papier und erscheint nur noch im Netz. »Wir halten nichts davon, auf einer teuren Papier-Zeitung die Nachrichten von gestern zu verkaufen«, teilte die Redaktion in ihrer letzten gedruckten Ausgabe am vergangenen Samstag mit. täglich Alles sei die erste österreichische Farb-Tageszeitung gewesen und nun sei sie die erste, die nur noch virtuell erscheine: »Print ist für uns eine erledigte Sache.« Spekulationen, der Verzicht auf die gedruckte Ausgabe sei nur eine Reaktion auf die sinkende Auflage, wies die Geschäftsführung des Verlags zurück.



Musial im Hinterhalt

Vergangenes Jahr veröffentlichte der Spiegel noch seine Einwände gegen die Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung, »nun erweist sich der furchtlose Aufklärer als Wissenschaftler von dubiosen Qualitäten»: Bogdan Musial. Denn Musial hat ein Buch veröffentlicht, in dem er den ostpolnischen Juden eine Teilverantwortung an den gegen sie verübten Pogromen gibt und ansonsten die sowjetische Kriegführung zur Ursache für die Brutalisierung der deutschen erklärt. »Unkritisch übernimmt Musial die antisemitischen Klischees von Zeitzeugen. Juden schießen bei ihm nicht von vorn, sondern 'aus dem Hinterhalt'; eine jüdische Krankenschwester weigert sich polnische Patienten zu behandeln; jüdische Kleinhändler boykottieren angeblich polnische Kundschaft. (...) Als ob er die Thesen Ernst Noltes, der den Historikerstreit verursachte, auf das Schlachtfeld übertragen wolle, legt Musial nahe, dass der Holocaust Folge des sowjetischen Partisanenkriegs sei.«


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