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28. Juni 2000
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»Plus: Ein Spiele-Abend mit der Familie - jetzt muss Papi ja nicht mehr EM gucken. - Minus: Spargel - die Saison ist nun wirklich vorbei.«

BZ vom 22. Juni in ihrer Rubrik »In & Out«



Rock'n'Roll-Museum eröffnet

Die New Economy bringt alles durcheinander. Da gibt es den drittreichsten Mann der Welt - Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft und nicht ganz so reich wie Bill Gates, aber immer noch rund 30 Milliarden Dollar schwer. Den Bösewicht spielen wie sein Sandkastenkumpel Bill will er nicht, deshalb hat er sich von Microsoft zurückgezogen. Einfach nur Milliardär sein und in seiner Villa herumsitzen, das langweilt ihn. Also fängt er an, das Geld für irren Quatsch zu verpulvern. Zum Beispiel für ein Rockmusik-Museum, das am vergangenen Wochenende in Seattle eröffnet worden ist. Wir sehen ja alles kritisch, insbesondere die Gesellschaft des Spektakels und ihre Folgen. Aber dieses Sonderspektakel würden wir uns doch gerne mal anschauen. Frank Gehry hat das Gebäude gebaut. Aus fünf metallischen Trümmerblöcken besteht es: in Silber, Lila, Blau, Gold und Rot. Gezackt, gerundet, organisch, künstlich. Ganz toll. Und in dem Gebäude selbst stehen nicht nur Hunderte von Exponaten - von einer Gitarre von Jimi Hendrix bis zu zwei Plattenspielern, hinter denen einmal Grandmaster Flash stand. Es gibt auch interaktive Räume, in die man sich hineinstellen kann, und rund um einen herum wird die Situation simuliert, in einem Stadion zu spielen - 100 000 Zuschauern schauen zu einem auf, und der Sound einer mehrere Meter hohen Verstärkerwand kommt von hinten.

Das hat natürlich auch alles seine Kehrseite. Zum einen haben Künste, die so weit sind, im Museum ausgestellt werden zu können, ihre Sprengkraft verloren - aber daraus kann man dem Museum keinen Vorwurf machen. Das betrifft uns ja alle. Die Ausstellung soll allerdings einige konzeptuelle Schwächen haben, merken notorische Nörgler an, die sie schon besichtigt haben. Disco hätten die Macher übersehen. Drogen sollen auch zu kurz kommen.



Streit um die Internet-Buchhandel

Die jüngere Geschichte der Buchpreisbindung ist lang und kompliziert. Zusammenfassend könnte man sagen, am 1. Juli wird sie aufgehoben und auf anderer Ebene wieder eingeführt. Die grenzübergreifende Buchpreisbindung wird abgeschafft, die nationale Buchpreisbindung wird eingeführt. Oder noch einfacher: Bisher galt ein Preis für den deutschen und den österreichischen Markt, jetzt gelten zwei - wenn man sie umrechnet, sind sie aber trotzdem noch gleich hoch. Es sei denn, man bestellt sich sein Buch bei einem Online-Buchhändler. Dann wird es eventuell billiger, allerdings nur, wenn es der Online-Buchhändler aus dem Nachbarland ist. Denn weil die grenzüberschreitende Buchpreisbindung aufgehoben wird, fallen Bücher, die im Nachbarland gekauft werden, nicht unter die Preisregulierungen und dürfen deshalb billiger verkauft werden. Sowohl österreichische als auch deutsche Online-Buchhändler haben angekündigt, für Käufer aus dem jeweils anderen Land Rabatte einführen zu wollen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat seinen Widerstand angekündigt.



Viva expandiert

Wenn man sich Dieter Gorny, den Chef des Musikfernsehsenders Viva, so anhört, kommt man ins Grübeln. Da sitzt ein Mann, der in einem fort mit Begriffen um sich wirft wie »Vernetzung«, »Multimedia« und seit Neuestem auch »Börsengang«, und alles, was sein Sender macht, funktioniert auch. Erst hat er MTV dazu gezwungen, sein Programm zu nationalisieren und die deutsche Sprache einzuführen. Dann hat er MTV trotzdem die Zuschauer weggenommen. Dann ist er nach Polen gegangen und hat dort ebenfalls einen nationalen Musikfernsehsender aufgemacht, Viva Polski. Jetzt wird es auch noch einen Ableger in der Schweiz geben und weitere Expansionen nach Italien, Großbritannien und Spanien sind in Planung. In die USA will er auch, aber das steht noch in den Sternen. Um all das finanzieren zu können, geht Viva an die Börse. 200 Millionen Mark soll das an neuem Kapital bringen. Und mittelfristig soll der Sender sich ohnehin nicht auf Fernsehen beschränken, sondern ein »multimediales Jugendnetzwerk« werden, mit Netzanbindung und digitalen Spartenkanälen.



Äpfel und Gras

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Genuss von Äpfeln nicht nur Allergien vorbeugt und vor Entzündungen und Viren schützt, er hemmt auch die Ausbreitung von Krebszellen. Die Vermehrung von Dickdarm-Krebszellen etwa konnte um bis zu 43 Prozent gesenkt werden, wenn man die Flavonoide und Polyphenole der Äpfel in Krebslaborkulturen gab.

Diese erfreuliche Nachricht steht in scharfem Kontrast zu den Ergebnissen eines anderen amerikanischen Wissenschaftlerteams: Marihuana-Konsum zieht ein erhöhtes Lungenkrebs-Risiko nach sich. Ein Risiko, das signifikant höher liegt als das für normale Zigarettenraucher. Verantwortlich ist ausgerechnet das, weswegen man kifft, nämlich das THC. THC schwächt offenbar die Fähigkeit des Körpers, Tumore zu bekämpfen. Und weil Marihuana-Raucher tiefer inhalieren als normale Raucher, lagert sich ohnehin viermal mehr Teer in der Lunge ab. Frühere Forschungen hatten schon ergeben, dass THC die Körperabwehr gegen Bakterien und Viren schwächt.


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