Deutschland kaputt.« (France-Soir, Frankreich) »Deutschland ist zum Verschrotten.« (Corriere della Sera, Italien) »Deutschland: Alles aus.« (Telegraaf, Niederlande) »Deutschland, Deutschland - alles ist vorbei.« (Kronenzeitung, Österreich) Welchem Gegner schlechten Fußballs gehen diese Schlagzeilen nicht runter wie Honig?
Es ist geschafft, der Koloss liegt am Boden. Unsere gehässigen Freunde aus dem Ausland treten noch einmal nach, Anti-Deutschland, nun freue dich! Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schied bei der Europameisterschaft aus. In der Vorrunde. Ein Tor hat sie erzielt und einen Punkt geholt - in drei Spielen. Am Ende ist sie abgeschossen worden von der B-Formation der Portugiesen. Der deutsche Wahn ist in sich zusammengebrochen. Oder wie die Zeitung De Volkskrant (Niederlande) schreibt: »Ein herumirrendes Deutschland erlebte den totalen Abgang.«
Sowas ruft Erinnerungen an goldene Zeiten wach. Z.B. an die Schmach von Cordoba, jenes berühmte 2:3 bei der WM 1978 gegen Österreich. Hans Krankl hieß damals der Germanator. Nach dem Bulgaren Letschkow, der 1994 mit seinem Treffer Deutschland aus der WM katapultiert hatte, darf sich nun der Portugiese Sergio Con ç eic‹o in die Ahnengalerie antideutscher Helden einreihen. Seine drei Tore gegen das »schlechteste Deutschland der Geschichte« (AS, Spanien) werden unvergessen bleiben. Es war das mieseste Abschneiden einer deutschen Nationalmannschaft bei einem Turnier seit 1938 - von Stalingrad mal abgesehen.
Entsprechend knallten in den einschlägigen Kneipen Berlins auch die Sektkorken. Zuletzt hatte man so gefeiert, als die Olympia 2000-Entscheidung für Sydney und gegen Berlin bekannt gegeben wurde. Hochgefühle wie am 1. Mai. »Jetzt ist die EM nazifrei!« rief jemand am Tresen. Fassungslos sahen erniedrigte Normal-Berliner zum Fenster herein. Zurück nach Balkonien mit euch, eure EM ist vorbei!
Und für uns fängt sie jetzt erst richtig an. Mit echtem Fußball. Ohne nervtötende »Turniermannschaften«, die grauenhaft spielen und sich mit einer Überdosis Dusel ins Endspiel schwindeln. Der deutsche Wahn ist wie eine Seifenblase geplatzt. Welches Ausmaß er bereits angenommen hatte, zeigen die Prognosen, die Prominente vor der EM abgegeben hatten. Einer Mannschaft, die in den letzten Spielen durchweg desaströsen Fußball geboten hatte, traute man plötzlich wieder den Titel zu.
»Ich setze auf die Turnierqualität der Mannschaft. Sie wird sich steigern, und wenn dann noch die nötige Portion Glück hinzukommt, ist alles möglich«, meinte Wolfgang Clement, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er sollte sich lieber mit dem befassen, wovon er eine Ahnung hat - z.B. mit dem Sezieren der Grünen. Schumi, unser Formel-1-König, dekretierte: »Unsere Jungs haben zuletzt gute Testspiele gezeigt. Ich wünsche, dass sie weiter in der Gewinnspur bleiben und die Pessimisten Lügen strafen.« Schumacher, bleib bei deinen Leitplanken. Alt-Kanzler Helmut Kohl zeigte sich in Blackout-Laune und prophezeite dem deutschen Team die Endspiel-Teilnahme, wenn es sich »nicht entmutigen lässt durch das Gerede von selbst ernannten Spezialisten«. Es muss weh getan haben, sehr, sehr weh.
Für uns Feinde Deutschlands ist das alles ein großes Glück, eine Verschnaufpause im alltäglichen Abwehrkampf, eine Oase der Erholung und Entspannung. Deutschland hat den Anschluss verpasst, wenn auch nur im Fußball. Aber man darf sich nicht zu lange auf diesem Erfolg ausruhen. Dringlichste Aufgabe ist es jetzt, für einen Ribbeck-Nachfolger zu sorgen, der noch schlechteren Fußball verspricht. Jupp Heynckes hat sich mit seinem Vorschlag, die Zahl der ausländischen Kicker in den Vereinsmannschaften zu begrenzen, schon mal als Innenminister der Bundesliga empfohlen. Die deutschen Sekundärtugenden hätte er.
Aber Aspiranten wie Friedel Rausch oder Winfried Schäfer bieten eher Garantien für müdes Gekicke und dauerhafte Erfolglosigkeit. Unsinnige Vorschläge müssen sofort zurückgewiesen werden. Der von der taz z.B., den Freiburger Trainer Finke zum Nationaltrainer zu machen.
Soweit darf es nicht kommen. Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Doppelpass ankommen. Damit wir auch morgen noch solche Schlagzeilen lesen dürfen: »Deutschland kehrt in Schimpf und Schande heim« (Daily Telegraph, England). »Deutschland, jetzt haben wir Mitleid!« (Blick, Schweiz). »Danke schön, meine Herren, und auf Wiedersehen« (Het Laatste Nieuws, Belgien).
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