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21. Juni 2000
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Rückzug aus Kisangani

Der verborgene Krieg im Kongo zwischen Uganda und Ruanda um die Stadt Kisangani soll nun zu Ende gehen. Der UN-Sicherheitsrat hat vergangene Woche eine Resolution verabschiedet, nach der beide Staaten ihre Truppen aus dem Kongo abziehen sollen. Die Kämpfe um Kisangani, bei denen seit Mai rund 250 Zivilisten ums Leben kamen, wurden am 11. Juni eingestellt, die Truppen wollen sich innerhalb einer Woche um etwa 100 Kilometer von Kisangani zurückziehen, würden sich dann aber immer noch auf kongolesischem Gebiet befinden. Für Ruandas Präsident Paul Kagame und seinen ugandischen Gegenpart Yoweri Museveni geht es um die regionale Hegemonie und die Kontrolle über Bodenschätze. Ruanda argumentiert zudem mit der Bedrohung durch vereinzelte Hutu-Milizen, die sich nach dem Massenmord von 1994 in den Kongo zurückgezogen hatten. Noch 1996 hatten Kagame und Museveni gemeinsam im Kongo interveniert, um den Diktator Mobutu zu stürzen und Laurent Kabila an die Macht zu bringen. Ab Mitte 1998 wandten sie sich gegen Kabila, und während des letzten Jahres kämpften beide dreimal um Kisangani. Vor einem Jahr wurde unter UN-Vermittlung ein Friedensabkommen zwischen der kongolesischen Regierung und den fünf am Krieg im Kongo beteiligten Staaten unterzeichnet: Zimbabwe, Angola, Namibia, Ruanda und Uganda. Zu einem dauerhaften Waffenstillstand ist es nicht gekommen.



Back to Eritrea

Zwei Jahre lang haben sich die Truppen Eritreas und Äthiopiens beschossen. Mehr als 100 000 Menschen hat der Streit um einen Gebietsstreifen das Leben gekostet, den sich Äthiopien einverleibte, nachdem ihm 1945 das bis dahin italienisch beherrschte Eritrea zugeschlagen worden war. Seit vergangenem Sonntag herrscht offiziell wieder Frieden. In Algier unterzeichneten die beiden Staaten einen Vertrag, der, wenn er auch noch keine endgültige Regelung der Nachkriegsgrenzen enthält, doch zumindest einen psychologischen Sieg für Äthiopien darstellt: Zwischen den beiden Armeen wird ein 25 Kilometer breiter Cordon Sanitaire eingerichtet, der größtenteils auf Gebiet liegt, das vor dem Mai 1998 eritreisch war. Die äthiopischen Truppen, die in der letzten Phase des Kriegs ohnehin militärisch die Oberhand hatten, können also kurz hinter der von ihnen reklamierten Grenze bleiben - und teilweise auf Gebiet, auf das Eritrea Anspruch erhebt. Auf dem neutralen Streifen sollen von der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) kontrollierte UN-Truppen stationiert werden.



Zur Sonne, zur Freiheit

Noch ein »historisches Treffen«, diesmal zwischen Nord- und Südkorea. Allein die Tatsache, dass der nordkoreanische Präsident Kim Jong-il und sein südkoreanischer Kollege Kim Dae-jung miteinander geredet haben, wurde von den USA über China bis Europa als positives Zeichen der Entspannung gewertet und verleitete den Süd-Kim zu der Aussage, nun werde »die Sonne der Freiheit, Versöhnung und Vereinigung« über der koreanischen Halbinsel aufgehen. Die Früchte seiner »Sonnenschein»-Politik dürften vor allem südkoreanischen Unternehmen zugute kommen: Die Telekom-Firma Pearl Oriental Cyberforce erwartet durch den Aufbau von Direktwahldiensten und einem Mobilfunknetz in Nordkorea Einnahmen von elf Milliarden US-Dollar über dreißig Jahre, die Hyundai-Gruppe plant einen riesigen Erholungspark an der nordkoreanischen Küste. Ob es zu einer »Wiedervereinigung« der beiden Staaten kommen wird, steht in den Sternen. Südkoreanische Wirtschaftsexperten berechneten - ausgehend von deutschen Erfahrungen - Kosten von rund zwei Billionen Mark im Falle eines Zusammenschlusses. Dazu fehlt dem Süden schlicht das Geld.



Staatsfernsehen

Vom Weißen Hai gibt's eine neue Folge. Aber nicht Steven Spielberg verbreitet den medialen Schrecken, sondern die australische Einwanderungsbehörde. Damit hat sich auch das Zielpublikum verändert: Mit Videoaufnahmen von Haien und Krokodilen sollen Bootsflüchtlinge an der illegalen Einwanderung gehindert werden. Die Message der Streifen: Flüchtlinge werden von ihren Schleppern im Meer zurückgelassen, um von den Viechern gefressen zu werden. Bei der Präsentation der drei Videobänder am letzten Donnerstag in Sydney kündigte Australiens Einwanderungsminister Philip Ruddock an, die Clips an Medien in Ländern wie der Türkei, Pakistan, Syrien oder Iran zu verteilen.



Bei Alamos unterm Sofa

Sie kennen das: Wo war noch mal die zweite von den blauen Socken? Sie suchen und suchen, Sie finden sie nicht. Ein paar Tage später taucht sie zwischen den Wollmäusen unterm Bett auf, wo Sie bestimmt schon mindestens dreimal nachgeschaut haben. Hund, Katze, Kind haben Sie nicht, also muss die Socke selbst da hingelaufen sein. So etwas kommt in den besten Haushalten vor. Offenbar auch in den besten Labors: Hinter dem Kopierer in der Abteilung X des Atomlabors in Los Alamos, wo die zwei seit einem Monat vermissten Computer-Festplatten mit hochsensiblen Informationen zur Entschärfung von Atombomben vergangenen Freitag gefunden wurden, sagen die FBI-Schnüffler, hätten sie bestimmt schon mindestens zweimal gesucht. Und nichts gefunden. Erfahrene Sockensucher haben dafür drei mögliche Erklärungen. Erstens: Die Kollegen vom FBI haben nicht gründlich geguckt. Oder jemand hat die Festplatten wieder da hingelegt, während die FBI-Leute Pause hatten. Bei Socken würde man so eine Idee für paranoid halten, aber in Los Alamos soll es Leute geben, denen so etwas zuzutrauen ist. Oder die Festplatten sind selbst da hingelaufen. Das würde sie von Socken unterscheiden: Die machen so etwas nie paarweise.


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