Forelle Blau
»Strafanzeige/ Strafantrag gegen 1. den israelischen Staatsbürger und ehemaligen Leiter der 'Jüdischen Volkshochschule', Herrn Gad Beck (Berlin), 2. den Mitarbeiter der in Berlin ansässigen Zeitung 'Die Tageszeitung' (taz), Herrn Philipp Gessler, 3. die verantwortlichen Redakteure der Zeitung 'taz', insbesondere den Chefredakteur, Herrn Bascha Mika, wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gemäß ¤ 130 StGB, der Aufstachelung zum Rassenhaß gemäß ¤ 131 StGB, der Anstiftung zum Mord gemäß ¤¤ 211, 26 StGB, der Beleidigung gemäß ¤ 185 StGB sowie allen anderen in Betracht kommenden Delikten.«
Anzeige der NPD wegen eines Artikels zur Demonstration von Neonazis durch das Brandenburger Tor in der taz vom 2. Februar. Dort hatte Gad Beck geschrieben, er würde mit einer Pistole auf die Demonstranten schießen, wenn er jünger wäre.
Poschardt dreht durch
Die Generation Golf. Wo man hinschaut, sie verfolgt einen. Zeitschriften, Gespräche, Buchläden, man kann ihr kaum entkommen (und das ist nur das Medienphänomen, die reale Generation Golf brettert ja auch ganz real durch die Straßen). Ulf Poschardt, Chefredakteur des SZóMagazins, will sie jetzt vom Verfassungsschutz beobachten lassen. »Das schlimmste Indiz für ihre Morallosigkeit ist die fehlende Identifikation mit den Werten eines aufgeklärten Humanismus«, schreibt Poschardt in der SZ. Donnerschlag. Jetzt aber. Doch das ist noch nicht alles. »Macht sie so weiter wie bisher und gewinnt den Marsch durch die Institutionen, wird sie die Renditen ihrer Aktien nicht genießen können. Dann werden die Arbeitslosen und andere vom Wohlstand Ausgeschlossene womöglich die Reifen der VWóGolfs zerstechen und den AiróMax aus dem Schuhschrank stehlen. Die Armen werden sich gegen die Asozialen verbünden, um dem Gemeinwohl zu neuem Recht zu verhelfen. Angesichts der Larmoyanz und der Verwöhntheit der Generation Golf dürfte den Druck von unten kein großer Widerstand erwarten.«
Davor verstummen wir erst einmal einen Augenblick. Mittelfristig steht also ein Bürgerkrieg vor der Tür, wenn Florian Illies nicht Einhalt geboten wird. Wir dachten, Ignorieren reicht ó jetzt fordert Poschardt den Verfassungsschutz an, um die Schuhschränke vor Verheerungen zu schützen. Und wenn der VS nicht kommt, hilft nur noch aufgeklärter Humanismus? Das ist doch alles Quark.
Wovor hat Poschardt Angst? Warum malt er das Schreckgespenst der besitzlosen Horden an die Wand? Hat er Angst um seinen Schuhschrank und seine Plattensammlung, eine Sammlung, die wahrscheinlich zu einem nicht geringen Teil aus Aufnahmen besteht, die von Leuten gemacht wurden, die Autoreifen zerstochen und Schuhe geklaut haben? Wo kommen Rave, HipHop, Punkrock, die Mods ó und was es noch so alles da draußen gibt ó her? Der Ruf nach den Autoritäten hat sich im Zweifelsfalle bisher immer gegen genau die gerichtet, über deren Kultur dann Jahre später dicke Bücher verfasst werden, mit denen im Gepäck man prima Posten bekommen kann.
Gepresste Elefanten
Den Berliner Verlag Elefanten Press, der ein linkes Sachbuchprogramm mit Krimis, Bildbänden und Jugendbüchern verband, gibt es in dieser Form nicht mehr. In einem Schreiben an die Autoren teilte Geschäftsführerin Maruta Schmidt vergangene Woche mit, dass die Rechte an dem Titel »Elefanten Press« mit Wirkung vom 1. April an den Bertelsmann Verlag verkauft wurden. Der Gütersloher Medienkonzern wird unter diesem Namen künftig nur noch das Kinderó und Jugendprogramm auf den Markt bringen ó »bei gleicher inhaltlicher Ausrichtung«, wie Schmidt betont. Sie selbst will das restliche Verlagsprogramm voraussichtlich unter der Bezeichnung »Espresso« weiterführen. Ob dies gelingt, ist fraglich: Der nun an Bertelsmann verkaufte Bereich der Jugendliteratur galt als eine der wenigen gewinnträchtigen Sparten des Verlagsprogramms.
Dies ist keine Botschaft
Dies ist die Volksbühne und dies sind unsere Veranstaltungen (wenigstens ein bisschen, denn wir präsentieren und unsere Autoren treten auf). Am kommenden Wochenende werden die »Austrian Psycho Nights« im Theater am Berliner RosaóLuxemburgóPlatz stattfinden, und am Freitag um 18 Uhr werden Carl Hegemann, Henryk M. Broder und andere sich zur Eröffnungsdiskussion die Ehre geben, am Samstag gegen 20 Uhr sprechen Jean Cremet, Oliver Marchart und andere über »Politik der Behauptungen ó Politik der Kopflosigkeit«. Drumherum, nebenbei und hauptsächlich werden diverse österreichische Künstler, DJs und Theaterensembles auftreten. Dass die österreichische Botschaft Geld springen lässt, um den Veranstaltern Flüge von Wien nach Berlin zu bezahlen, damit haben wir im Unterschied zum Spiegel kein Problem. Der Argumentation, künstlerische Botschaften würden entwertet, wenn sie von falscher Seite gesponsert werde, heben wir uns für Veranstaltungen auf, die wir nicht leiden können.
Arbeitslose klagen gegen Professoren
So soll sie also aussehen, die »Bürgerarbeit« von Ulrich Beck. In dem Buch »Die Zukunft von Arbeit und Demokratie«, von Beck herausgegeben in seiner SuhrkampóReihe Edition Zweite Moderne, habe er das »Manifest der Glücklichen Arbeitslosen« übernommen, ohne um Erlaubnis zu fragen, ohne einen Vertrag zu unterzeichnen und ohne einen Pfennig Honorar zu zahlen. Das sagen die Glücklichen Arbeitslosen, die außerdem anmerken, ihr bereits mehrfach gedruckter Text sei keineswegs ein Originalbeitrag, wie im Buch behauptet. Sie wollen gegen Suhrkamp und Beck klagen.
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