Mord per Liste
Die Männer waren vermummt, kamen mitten in der Nacht und wussten, wo ihre Opfer wohnten: Bei einem Massaker in einem Armenviertel der nordkolumbianischen Kleinstadt Tibu sind vergangene Woche mindestens 24 Menschen von rechtsextremen Paramilitärs ermordet worden. Augenzeugen berichteten, acht Personen in Kampfanzügen und ein Mann in Zivil seien mit gezogenen Waffen in das Viertel einmarschiert, hätten anhand einer Liste mehrere Männer und eine Frau aus ihren Häusern geholt und sie umgehend auf der Straße erschossen.
Bereits im August 1999 waren in Tibu und einem Nachbarort 36 Menschen ermordet worden. Auch hier waren rechtsextreme Paramilitärs gezielt gegen Menschen vorgegangen, die sie für Sympathisanten oder Mitglieder der zweitgrößten kolumbianischen Guerilla ELN hielten.
Nun hat Staatspräsident Andres Pastrana angekündigt, das Massaker von Tibu untersuchen zu lassen. Da kann er gleich bei der Armee des Landes anfangen: Im jüngsten Bericht der USóMenschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden zahlreiche Belege präsentiert, dass Morde von Paramilitärs über Jahre von ArmeeóEinheiten gedeckt und unterstützt wurden.
La Paz in Cochabamba
Es fing mit den Wasserpreisen an: Umgerechnet 3o Euro pro Kopf im Jahr, erklärten Demonstranten in der bolivianischen Stadt Cochabamba, das könne sich die Hälfte der 500 000 Einwohner nicht leisten. Sie protestierten und blockierten Straßen. Innerhalb einer Woche hatten sich den Protesten Bauern, Lehrer und Studenten im ganzen Land angeschlossen.
Das, erklärte die Regierung in La Paz, die die Preiserhöhung verfügt hatte, gefährde die Demokratie. Sie reagierte demokratisch: Tausende von Polizisten gingen allerorten gegen die Demonstranten vor, mindestens drei Protestierer wurden dabei getötet, unzählige verletzt. Damit die Demokratie auch Bestand hat, besetzte die Polizei unabhängige Radiosender und deportierte die Anführer der Proteste in die Provinzstadt San Joaqu'n. Die Regierung verkündete einen zunächst drei Monate andauernden Ausnahmezustand, unter dem die Verfassungsrechte, die Reisefreiheit und politische Betätigungsmöglichkeiten eingeschränkt sind sowie ein nächtliches Ausgehverbot herrscht. Und da wundert man sich, wenn die Leute ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie haben.
Habib Bourguiba gestorben
»Tunesien von Frankreich befreien ó oder sterben«, so beschrieb Habib Bourguiba schon als Jugendlicher sein Ziel. Achtzig Jahre später ist nun auch Teil zwei seines Traums in Erfüllung gegangen. Wegen seines antikolonialen Freiheitskampfes mehrfach inhaftiert und nach Frankreich deportiert, konnte Bourguiba 1956 schließlich doch noch die Unabhängigkeit des nordafrikanischen Landes erleben. Er wurde Staatschef ó und blieb es 31 Jahre lang. Anfang der sechziger Jahre war er der erste Präsident eines arabischen Staates, der sich für Friedensverhandlungen mit Israel einsetzte, 1987 cancelte er die diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik Iran. Kurze Zeit später setzte ihn Ministerpräsident Zine El Abidine Ben Ali ab und wurde selbst Präsident.
Innenpolitisch hatte Bourguiba stets versucht, jegliche Opposition ó egal ob von Linken oder von Islamisten ó zu unterdrücken. Mehrfach wurden Hungeraufstände brutal niedergeschlagen, zahlreiche Gewerkschafter saßen zum Teil jahrelang im Gefängnis. Progressive Züge trug hingegen seine Frauenpolitik: Frauen wurde der Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit ermöglicht, den Schleier nannte Bourguiba einen »schrecklichen StoffóFetzen«.
An den Feierlichkeiten zum 44. Jahrestag der Unabhängigkeit Tunesiens am 20. März konnte sich Bourguiba noch in seinem Ruhesitz in Monastir erfreuen. Dort starb er auch am Donnerstag letzter Woche im Alter von 96 Jahren.
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